Testament von Cornelius Gurlitt Sammlung Gurlitt soll ins Ausland gehen

Mit dem Tod von Cornelius Gurlitt endet einer der größten Kunstskandale der deutschen Nachkriegszeit. Seine Sammlung soll ins Ausland gehen.

(Foto: Private Sammlung Cornelius Gurlitt, Salzburg/jhl)

Der verstorbene Kunsterbe Cornelius Gurlitt vermacht seine Bilder einem Verein im Ausland. Nach Informationen von SZ und NDR verfügt er in seinem Testament, dass die Werke zusammenbleiben. Mit dem Tod Gurlitts endet auch das Ermittlungsverfahren gegen den Sammler.

Von Georg Mascolo und Hans Leyendecker

Der am Dienstag verstorbene Kunsterbe Cornelius Gurlitt hat seine gesamte Bildersammlung offenbar einer Kunstinstitution im Ausland vermacht. Das geht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des NDR aus einem Testament hervor, das der 81-Jährige vor wenigen Monaten in einem Krankenhaus gemacht haben soll. In dem Testament sei verfügt worden, dass die Sammlung zusammenbleiben müsse.

Der schwer kranke Gurlitt war am Vormittag in seiner Schwabinger Wohnung an den Folgen einer Herzoperation gestorben. Dies teilte sein Sprecher Stephan Holzinger mit. Mit dem Tod Gurlitts endet auch das gegen ihn vor drei Jahren eingeleitete Ermittlungsverfahren, das allerdings, wie aus bayerischen Justizkreisen verlautete, ohnehin in den nächsten Wochen nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung ohne Auflagen eingestellt werden sollte.

Nach Angaben der bayerischen Regierung ändert der Tod Gurlitts nichts an der erst vor einem Monat getroffenen Vereinbarung Gurlitts mit der Bundesregierung und der bayerischen Landesregierung. Demnach sollen die Besitzverhältnisse seiner Bilder geklärt und im Falle eines unrechtmäßigen Besitzes faire Lösungen mit den rechtmäßigen Besitzern getroffen werden. "Die geschlossene Vereinbarung bindet auch die Erben" , sagte eine Sprecherin des Justizministeriums.

Gurlitt hatte keine eigenen Nachkommen. Seine einzige Schwester ist 2012 verstorben. Ihr Mann unterhielt Kontakte zu Gurlitt. Außerdem gibt es einen mehr als neunzig Jahre alten Cousin, der auch Nachkommen hat. Gurlitt, der auch über Barvermögen verfügte, soll festgelegt haben, dass keiner seiner entfernten Verwandten Anspruch auf Teile der Sammlung bekommen soll.

Gurlitt war im Herbst 2011 zufällig ins Visier der Justiz geraten. Bei einer Durchsuchung in seiner Schwabinger Wohnung fanden Ermittler etwa 1280 Kunstwerke, die sein Vater, der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, vor allem in der Zeit des Dritten Reichs erworben und zum Teil sich erschlichen hatte. Ein Teil der Bilder fällt in die Kategorie NS-Raubkunst. Der weitaus größte Teil gehörte aber der Familie Gurlitt ohne in diese Kategorie zu fallen. Die umstrittene Beschlagnahme der Sammlung war im April von der Staatsanwaltschaft Augsburg aufgehoben worden. Unter den Bildern befinden sich Meisterwerke von Claude Monet, Édouard Manet und Pablo Picasso. Bis heute ist der Wert der Sammlung unklar. Er wird auf mindestens eine hohe zweistellige Millionensumme geschätzt, könnte aber auch noch höher sein.

Welchem Verein im Ausland Gurlitt die Sammlung vermacht haben soll, ist derzeit nicht bekannt. Insider spekulieren, es könne sich um einen Verein in Österreich oder in der Schweiz handeln. Zu Einrichtungen in beiden Ländern unterhielt er Kontakte. Weil der Kunsterbe über die deutschen Strafverfolger verärgert war, soll er es abgelehnt haben, die Sammlung an eine deutsche Institution zu vererben.