Syrien UN: Damaskus setzte  Dutzende Male Giftgas ein

Ein Experten-Bericht widerlegt die Behauptung des syrischen Machthabers Assad. Sarin und Chlorgas wurden nicht nur in Chan Scheichun abgeworfen.

Erstmals haben UN-Ermittler die syrische Regierung für den Giftgasangriff in Chan Scheichun im April verantwortlich gemacht. Syriens Streitkräfte hätten bei ihren Luftattacken auf die Ortschaft am 4. April das Giftgas Sarin eingesetzt und mehr als 80 Menschen getötet, hieß es in einem am Mittwoch in Genf veröffentlichten Bericht. Das russische Außenministerium wies die Vorwürfe als Propaganda zurückgewiesen. Die Ermittler fanden Hinweise auf mehr als 20 weitere Giftgasattacken. Die UN-Untersuchungskommission zur Lage der Menschenrechte in Syrien hatte keinen Zugang zum Land. Fotos von Bombensplittern, Satellitenbilder und Berichte von Zeugen ließen aber auf die Verantwortung der Regierung von Präsident Baschar al-Assad schließen, hieß es im Bericht. Fotos des Luftangriffs zeigten Reste einer chemischen Bombe, wie sie zu Sowjetzeiten üblich war, so die Kommission. Der Sprengsatz wurde den UN-Ermittlern zufolge von einem Kampfflugzeug Typ Su-22 abgeworfen, wie es Syriens Luftwaffe einsetzt. Die Kommission wies Angaben Syriens und Moskaus zurück, das Giftgas sei beim Angriff auf ein Waffenlager der Opposition ausgetreten. Die UN fanden Hinweise auf 23 weitere Chemiewaffenangriffe in Syrien seit März 2013. In mindestens drei Fällen hätten Regierungstruppen Chlorgas eingesetzt: bei Angriffen auf Rebellen-Gebiete in Idlib, Hama und Ost-Ghuta. Der Westen machte in den Wochen nach dem Giftgasangriff von Chan Scheichun Syriens Regierung verantwortlich. Bei dem Angriff wurden bis zu 87 Menschen getötet, darunter viele Frauen und Kinder. Als Reaktion beschoss die US-Armee mit Marschflugkörpern den Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat.