Syrien Assads Truppen machen Boden gut

Umkämpfte Stadt: ein Foto aus Deir ez-Zor im Jahr 2013.

(Foto: Abo Shuja/AFP)

Die syrische Armee steht kurz vor der vom IS belagerten Stadt Deir ez-Zor - sie wurde 37 Monate aus der Luft versorgt.

Von Moritz Baumstieger

37 Monate lang wurde Deir ez-Zor von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) belagert - jetzt stehen die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad kurz davor, die Stadt zu erreichen. In der Nacht zum Montag gelangen der syrischen Armee und ihren Verbündeten - russische Spezialeinheiten und schiitische Milizen unter iranischem Kommando - immense Landgewinne. Beobachtern zufolge sind sie in Sichtweite der Stadt, haben eine vorgelagerte Militärbasis erreicht.

Als der IS im Juli 2014 die Provinz Deir ez-Zor und einige Viertel der gleichnamigen Stadt im Euphrat-Tal eroberte, konnte die syrische Armee ihren Militärflughafen, einige Stützpunkte und die umliegenden Viertel verteidigen. Etwa 93 000 Einwohner waren von nun an eingeschlossen und auf die Lieferungen angewiesen, die von der syrischen Armee als Nachschub und von den Vereinten Nationen als Nothilfe eingeflogen wurden. Dennoch wurden Nahrungsmittel und andere Güter bald knapp, eine Flucht war quasi unmöglich: In jeder Himmelsrichtung hätten die Bewohner Hunderte Kilometer vom IS kontrolliertes Land durchqueren müssen.

Nachdem der IS aus seiner nordirakischen Metropole Mossul vertrieben und in seiner Quasi-Hauptstadt Raqqa in Nordsyrien eingekesselt worden war, rückte die Gegend um Deir ez-Zor sowohl in den Fokus der Dschihadisten als auch in den ihrer Gegner. Mehrere hochrangige Kommandeure des IS, darunter vielleicht auch der untergetauchte selbsternannte Kalif Abu Bakr al-Bagdhadi werden in den Dörfern und Kleinstädten der Provinz vermutet, der IS selbst nannte jenen Abschnitt des Euphrat-Tals zuletzt sogar seine "dritte Hauptstadt".

Um einerseits das Kalifat endgültig zu zerschlagen und um andererseits die strategisch wichtige Stadt zu besetzen - die Herrschaft über Deir ez-Zor ermöglicht nicht nur die Kontrolle des Euphrat-Tals, sondern der gesamten ölreichen Wüstengebiete in Ostsyrien - lieferten sich die Gegner des IS zuletzt eine Art Wettlauf in Richtung Deir ez-Zor: Die USA drängten die von ihnen unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), nach der Eroberung der IS-Kapitale Raqqa entlang des Euphrats nach Süden vorzustoßen. Weil die Dauer der Offensive auf Raqqa aber nicht absehbar war und die kurdisch dominierten SDF zögerten, ob sie so weit in arabisches Kernland vorstoßen sollten, trainierten die USA im Südosten Syriens mehrere Rebellengruppen. Ihr Plan, fast 200 Kilometer durch die Wüste vorzustoßen, scheiterte jedoch schon bald.

Gleichzeitig gelang es der syrischen Armee und ihren Verbündenten zuletzt überraschend schnell, den IS in den ostsyrischen Wüstengebieten weit zurückzudrängen. Innerhalb weniger Wochen eroberten sie mit russischer Luftunterstützung riesige, wenn auch dünn besiedelte Flächen; die von der Regierung kontrollierte Fläche in Syrien hat sich nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu seit Juni fast verdoppelt. Ob Assads Truppen diese Gebiete und den Weg nach Deir ez-Zor halten können, muss sich aber noch zeigen.