Studie Schaffen wir das? Ein Blick auf die Flüchtlinge der Neunziger gibt Aufschluss

Deutschunterricht für Flüchtlinge an einer Aachener Schule.

(Foto: dpa)
  • Wissenschaftler haben die Werdegänge von Menschen, die in den Jahren 1990 bis 2010 nach Deutschland geflüchtet sind, mit denen anderer Einwanderer im Land verglichen.
  • Ihr Ergebnis: Die Flüchtlinge integrierten sich in wichtigen Bereichen schneller.
  • Die Autoren der Studie fordern, dass Flüchtlinge besser über Möglichkeiten informiert werden, ihre Abschlüsse und Erfahrungen in Deutschland anerkennen zu lassen.
Von Deniz Aykanat

"Wir schaffen das", ermutigte die Kanzlerin die Deutschen vor einem Jahr angesichts der Flüchtlingskrise. Den Jahrestag nahmen viele Kritiker nun zum Anlass, um zu betonen, dass Deutschland es mitnichten schaffe. Sogar ihr Vizekanzler fiel Angela Merkel in den Rücken. Es reiche nicht zu sagen "Wir schaffen das", sagte er in einem Fernsehinterview. Die Union habe die Herausforderungen unterschätzt.

Die Herausforderungen: Hunderttausende Flüchtlinge gilt es zu integrieren, mit der deutschen Sprache vertraut zu machen, auf Schulen und in Arbeit zu bringen. Ist das überhaupt zu schaffen?

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stimmt optimistisch. Wissenschaftler des DIW und der Humboldt-Universität in Berlin haben sich die Werdegänge von Menschen angesehen, die in den Jahren 1990 bis 2010 nach Deutschland geflüchtet sind, und sie mit denen anderer Einwanderer im Land verglichen, zum Beispiel Arbeitsmigranten. Ihr Ergebnis: Die Flüchtlinge integrierten sich in wichtigen Bereichen schneller. Und die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge finden nach Ansicht der Wissenschaftler deutlich bessere Bedingungen vor. "Die Vielzahl der Maßnahmen und auch gesellschaftlicher Initiativen lässt auf eine schnellere Integration der jüngst Geflüchteten hoffen", sagt Martin Kroh, stellvertretender Leiter der Langzeitstudie.

Merkel: "Deutschland wird Deutschland bleiben"

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Trotz Startschwierigkeiten schnell den Anschluss geschafft

In den Jahren 1990 bis 2010 kamen die Flüchtlinge vor allem vom Westbalkan, einige auch aus arabischen beziehungsweise anderen muslimischen Ländern. Die Zahlen waren wegen der Jugoslawienkriege gerade zu Beginn der Neunziger Jahre ähnlich hoch wie im Jahr 2015. Als Daten dienten Befragungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, so das Fazit der Wissenschaftler, konnten diese Flüchtlinge bei ihren Sprachkenntnissen gegenüber anderen Migranten aufholen. Und das, obwohl sie im Durchschnitt mit geringeren formalen Qualifikationen starteten als die übrigen Migranten.

"Eine Hürde ist zu Beginn, dass ankommende Flüchtlinge kaum Deutsch sprechen. Im Gegensatz zu Arbeitsmigranten können sie sich aber auch kaum auf ihr Zielland vorbereiten", sagt Kroh. Diesen Rückstand konnten die Flüchtlinge aber aufholen. Im Vergleich zu anderen Migranten verbesserten sie ihre Deutschkenntnisse rascher. Bei der Befragung im Jahr 2013 hatten die zwischen 1990 und 2010 Geflüchteten das Sprachniveau anderer Migranten nahezu erreicht, obwohl sie kaum Deutschkenntnisse bei der Einreise mitbrachten.

Wenn sie eine allgemeinbildende Schule in Deutschland besuchten, erlangten sie außerdem höhere Abschlüsse als andere Migranten.