Streit um Steinbrücks Honorare Schmidt verrät, was seine Reden kosten

"Billiger Appell an die Neidgefühle kleiner Leute": Im Streit um die Vortragshonorare des SPD-Kanzlerkandidaten stellt sich Altkanzler Schmidt vor Steinbrück. Er selbst habe es sich zur Regel gemacht, keinen Vortrag für weniger als 15.000 Dollar zu halten.

"Ich habe es mir zur Regel gemacht, keinen Vortrag für weniger als 15.000 Dollar zu halten. Manche Gastgeber haben 20.000 gezahlt, manche 50.000". Nach einem ähnlichen Credo mag SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den vergangenen Jahren gehandelt haben. Doch laut ausgesprochen hat er es wohl nie. Das traut sich nur: Helmut Schmidt. In einem Interview im Zeit-Magazin verteidigt der Altkanzler seinen möglichen Nachfolger jetzt gegen die Vorwürfe um seinen üppigen Vortragshonorare.

Die Kritik an Steinbrück sei ein "billiger Appell an die Neidgefühle kleiner Leute". Die Frage sei, ob die Vorträge des SPD-Politikers ihr Geld nicht wert gewesen seien. Die Meinung des Altkanzlers ist klar: "Offensichtlich waren sie es wert".

Auch er selbst habe für Vorträge, die er nach seiner Kanzlerschaft gehalten habe, hohe Summen erhalten, die er teilweise selbst behalten und teilweise an Stiftungen weitergegeben habe. Allerdings habe er damals kein Mandat im Bundestag mehr gehabt. Außerdem sei es zu seiner Zeit völlig normal gewesen, dass Abgeordnete ihre Arbeit im Bundestag nicht als Hauptberuf betrachtet hätten. Es habe Parlamentarier gegeben, die gleichzeitig Geschäftsführer einer Firma oder einer Gewerkschaft gewesen seien.

Die Frage, ob es gerade für einen sozialdemokratischen Politiker nicht anstößig sei, für einen Vortrag so viel Geld zu bekommen wie einfache Arbeitnehmer für fast ein ganzes Jahr Arbeit, kontert Schmidt mit einem ungewöhnlichen Vergleich: Zwar verdiene Steinbrück mehr als viele Arbeitnehmer, das träfe aber auf zahlreiche Leute zu, die eine hervorragende Stellung in der öffentlichen Meinung einnehmen. "Nehmen Sie Johann Wolfgang Goethe, dem ging es auch saumäßig gut! Diese Leute waren oder sind aber Teil der geistigen Führung dieser Nation."