Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und jetzt womöglich noch Bayern: Den Behörden werden Tausende von Datensätzen angeboten - nicht nur in diesen Tagen.
Das Angebot an Daten aus Finanzinstituten der Schweiz und Luxemburg ist offenbar üppig. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, sondern auch in Bayern sollen den Behörden entsprechende Informationen angeboten worden sein.
Erneut sind deutschen Behörden Daten von mutmaßlichen Steuerhinterziehern angeboten worden - jetzt ging eine Offerte an das Finanzministerium Baden-Württemberg. (© Foto: dpa)
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In München seien die Steuerbehörden Kunden zweier Banken auf der Spur, berichtet der Spiegel. Dabei handele es sich angeblich um eine kleine schweizerische Bank und ein Geldinstitut in Luxemburg. Aus dem Fürstentum sollen demnach Daten von mehr als tausend deutschen Kunden angeboten worden sein. Ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums wollte sich auf Anfrage von sueddeutsche.de zu dem Fall nicht äußern. Er sagte nur: "Die Steuerbehörden gehen jeder Anzeige nach".
Zuvor war bekannt geworden, dass das baden-württembergische Finanzministerium schon seit längerem eine Offerte auf dem Tisch liegen hat: die Daten von 2000 potentiellen Steuerhinterziehern.
Es gäbe ein entsprechendes Angebot, bestätigte der baden-württembergische Finanziminister Willi Stächele (CDU) der Süddeutschen Zeitung.
"Derzeit laufen Stichproben. Danach werden wir mit dem Bund die Frage des Ankaufs regeln", sagte Stächele. "Wenn alle rechtliche Fragen geklärt sind, bin ich dafür, die Daten zu kaufen."
Sie betreffen etwa 2000 deutsche Steuerhinterzieher bei Schweizer Banken. Die ersten Proben sind Anfang 2009 in Stuttgart eingegangen. In dieser Woche hat der Informant noch einmal eine größere Menge Daten geliefert.
Laut Stächele werde derzeit noch über die finanziellen Forderungen des Informanten verhandelt. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) setzte für Montag eine außerordentliche Kabinettssitzung an, um über das Angebot zu beraten.
"Kein Deal mit Ganoven!"
Gegen die Kauflust des Koalitionspartners stemmt sich indes die baden-württembergische FDP: Der stellvertretende Ministerpräsident und Justizminister Ulrich Goll sagte der Bild am Sonntag, grundsätzliche lehne er den "Ankauf von illegal erlangten Daten über Steuersünder" ab.
Weiter wehrte er sich dagegen, den Kauf derartiger Daten mit Steuergeldern zu finanzieren - dagegen werde er sein Veto einlegen. "Kein Deal mit Ganoven!", wetterte der Justizminister.
Er warnte seine Partei, sich lediglich aus Angst vor einem falschen Image auf Deals mit Steuerhinterzieher-Dateien einzulassen. Die große Mehrheit im bürgerlich-liberalen Lager spüre, dass ein Kauf von illegal erworbenen Daten aus rechtstaatlichen Gründen falsch sei.
"Aber Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble wollen nicht als Politiker gelten, die Steuersünder schützen. Und auch in der FDP haben viele vor diesem Image Angst, weil wir gerade wieder in die Ecke der Klientelpartei gestellt werden", sagte Goll.
Das Volumen der baden-württembergischen CD ist nicht so ertragreich, wie das der vor einigen Tagen dem Bund angebotenen CD.
Übergabe in Frankreich
Der ebenfalls umstrittene Kauf dieser ersten CD mit Daten von mutmaßlichen Steuerhinterziehern soll nach Informationen des Focus noch an diesem Wochenende in Frankreich über die Bühne gehen.
Vier Steuerfahnder aus Wuppertal seien auf dem Weg ins Nachbarland, um sich mit dem Anbieter zu treffen, berichtet das Magazin. Weil ihm bei einer Einreise nach Deutschland die Festnahme und Beschlagnahmung der CD drohe, habe er auf einer Übergabe in Frankreich bestanden. Bund und Länder wollen für die Daten des den Fahndern nach Focus-Informationen bekannten Informanten 2,5 Millionen Euro bezahlen.
Durch das baden-württembergische Datenpaket müssen erneut Bankkunden zittern, die ihr Vermögen in die Schweiz transferiert haben, um dem deutschen Fiskus zu entgehen. Betroffen sind Steuerpflichtige aus dem ganzen Bundesgebiet.
Es geht wohl diesmal um Daten von Kunden der Schweizer Bank UBS - aber auch Klienten der Bank Credit Suisse sowie des Lebensversicherers Generali sind tangiert. Ein Sprecher von Generali Deutschland sagte zu sueddeutsche.de: "Uns liegen keine Erkenntnisse darüber vor." Zudem sei Generali Deutschland in der Schweiz nicht aktiv. Ein Vertreter von Generali Schweiz war zunächst für sueddeutsche.de nicht zu erreichen.
Die Summe, die der Staat erzielen könnte, wird bei weitem nicht das Niveau der ersten Steuer-CD erreichen. Die Sammlung gestohlener Bankdaten aus der Schweiz soll nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bis zu 400 Millionen Euro einbringen - betroffen sind demnach Bankkunden der Schweizer Großbank Credit Suisse.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/AFP/Reuters/tob/hgn/mel/segi/jobr/odg)
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Selbstverständlich sind in einer Gesellschaft vereinbarte Regeln und Gesetzt dazu da, das Zusammenleben in "geordneten Bahnen" zu halten, Zuwiderhandlungen müssen sanktioniert werden. Aber das Leben ist nicht so einfach, dass für alle Eventualitäten klare Regeln bestehen können bzw. dogmatisch angewandt werden können. Es muss auch immer der Einzelfall betrachtet werden und in letzter Instanz eine Abwägung von Zweck und Mittel erfolgen. Nicht umsonst werden vor allen Gerichten der Welt geringfügige Handlungsoptimierungen, auch gegen geltendes Recht, akzeptiert, um damit größere Schäden zu vermeiden. Der Zweck heiligt zurecht die Mittel solange Denken erlaubt ist. Im Falle der Daten-CD sehe ich diesen Sachverhalt erfüllt, da Steuerhinterziehung in solchen Dimensionen eingedämmt werden muss und das schweizer Geschäftsmodell, aus kriminellen Geldern Profit zu schlagen, moralisch und rechtlich nicht länger tragbar ist.
das Recht stets das Ergebnis der Machenschaften der Privilegierteneliten ist.
So gesehen ist die Rechtsfrage doch eine dumme Frage, obwohl es ja keine dummen Fragen geben soll.
Wenn ein Wohlhabender das Recht bricht, so ist der Rechtsbruch so lange kein Rechtsbruch, als ihm der Rechtsbruch nicht rechtskräftig nachgewiesen werden kann.
Da Rechtsbrüche unserer Wohlhabenden, also unserer hab- und raffgierigen Besitzeliten, entweder im Raume der winkeladvokatorischen Rechtsinterpretationsräume organisiert oder aber im Dunstkreis der illegalen Geldtransporte in dubiosen Verstecken oder in nebligen Nächten über die grüne Grenze realisiert werden, kann der Nachweis eines Rechtsbruchs eines der Mitglieder dieser Besitzstandsfeudalelite nur über eine Abhör- oder Ausforschungsmethode geführt werden, die ebenso grenzlegal oder eben -illegal ist, wie der Rechtsbruch dieser Privilegierten.
Ein klassisches Dilemma. Aber als Problemlösung immer noch humaner, als die Konfrontation zwischen diesen "Elitemitgliedern" und den von diesen "Elitaristen" wirtschaftlich mittels Zwangsabgaben und Hungerlöhnen ausgepressen Mehrheitsbevölkerungsgruppen so weit zu steigern, dass a la 1789 die Köpfe der Elitaristen zu Ersatzfussbällen eines johlenden und geifernden Mobs werden.
Also, immer her mit den CD's und den systemischen Betrügern und Rechtsbrechern ein ordentliches Feuer unter den dicken Hintern angefacht. Im Frühjahr ist wieder Bikebrennen!
Wer aus Gründen des politischen Opportunismus das Recht mit Füssen tritt und dies mit der scheinheiligen Begründung tut, die ehrlich Steuern zahlenden Bürger hätten ein Recht darauf, wird früher oder später in die eigene Grube fallen.
Dass der Deutsche Staat - und somit in aller erster Linie die Bürger - wegen der verfehlten Steuerpolitik ihrer Politiker schon massiv verloren hat, erwähne ich nur am Rande. Denn eben diese Steuerpolitik hat in nur wenigen Jahren über 250'000 vorwiegend gut verdienende Deutsche in die Schweiz vertrieben, wo diese jetzt schon, und auch zukünftig, über Jahre Steuern zahlen werden. Damit werden dem deutschen Staat über die kommenden Jahre ein Vielfaches an Steuermillionen flöten gehen - weit mehr, als Merkel, Schäuble und Co mit ihrem rechtsbrecherischen Vorgehen nun (vielleicht) herein holen werden. Von denjenigen gutverdienenden und wohlhabenden Deutschen, die nun en masse ihren Wohnsitz in die Schweiz verlegen werden ganz zu schweigen (Schumi, Becker und viele diskret agierende Milliardäre lassen grüssen).
Ich liefere hier mal keinen weiteren Beitrag zur Bewertung der Rechtsfrage, ob es Hehlerei oder ein Verstoß gegen den Datenschutz ist, wenn die Steuerbehörden eine CD mit Datensatzkopien erwerben, um Steuerhinterziehung festzustellen und zu ahnden.
Eines sollte aber jedem klar sein, der Schwarzgeld auf irgendeinem technisch geführten Konto dieser Welt anlegt: Der Bankdirektor mag vielleicht verschiegen wie ein Grab sein. Die Mitarbeiter der IT-Abteilungen (und ggf. externen IT-Dienstleister) haben aber Zugriff auf die dispositiven Daten der Bank. Da braucht es dann nur ein paar SQL-Querys und etwas Rechnerleistung sowie einen CD-Brenner, um maximal 4 Wochen alte Datensätze auch en bloc zu "exportieren".
Daher können sich die Steuerbehörden jetzt schon mal CD-Regale anschaffen...
Mit Sicherheit kaufen die deutschen Steuerbehörden zusammen mit den gestohlenen Datensätze auch Bankdaten unbescholtener nichtdeutscher und deutscher Bankkunden.Sich per Hehlerei Zugang zu solchen Daten zu verschaffen spottet jedem Datenschutz und verletzt auf das empfindlichste die Privatsphäre unbeteiligter und unbescholtener ausländischer und inländischer Dritter und macht deutlich wie die deutschen Behörden mit Unterstützung von Volk und Regierung jede rechtstaatliche Ordnung mit Füßen treten.
Hiermit ist bewiesen,daß der deutsche Rechtstaat nichts als eine werbewirksame Fiktion ist.
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