Soziale Lage im Alter Sozialbeirat plädiert für flexiblen Renten-Übergang

  • "Die Regeln sind zu kompliziert": Der Sozialbeirat der Bundesregierung plädiert für einen flexiblen Übergang in die Rente, dieser sei entscheidend für die soziale Lage im Alter.
  • Nötig seien neue Regeln, die dazu beitragen, "die Lebensarbeitszeit zu verlängern" und eine Teilrente mit einem Teilzeitjob zu kombinieren.
  • Eine Arbeitsgruppe der großen Koalition sollte bis Ende des Jahres Vorschläge zu dem Thema vorlegen, doch Union und SPD können sich nicht einigen.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Schon der Begriff ist dehnbar. Flexi-Rente - das kann bedeuten, schrittweise in den Ruhestand zu gleiten und eine vorzeitige Rente mit einem Job zu kombinieren. Damit kann aber auch gemeint sein, über das 65., 66. oder 67. Lebensjahr hinaus zu arbeiten. So oder so, viele Menschen wünschen sich, den Übergang vom Job in die Rente flexibel zu gestalten. Doch wie geht das am Besten? Und wer muss zahlen?

Schon jetzt ist die Realität widersprüchlich: Bauarbeiter scheiden zum Beispiel im Durchschnitt mit 58 Jahren aus dem Erwerbsleben aus. Die Gewerkschaft Chemie, Bergbau, Energie fordert bereits die Drei- oder Viertage-Woche für ältere Beschäftigte, um Arbeitnehmern zu helfen, die einen Vollzeitjob nicht mehr schaffen. Gleichzeitig arbeiten immer mehr ältere Arbeitnehmer länger oder haben als Rentner einen Minijob.

Nur wenige nutzen allerdings die sogenannte Teilrente, die es in drei Stufen gibt: Von mehr als 600.000 Neurentnern 2013 entschieden sich gerade einmal gut 1600 für dieses Modell - zu groß sind die Abschläge von der Rente bei Frühruheständlern, wenn sie mehr als 450 Euro im Monat verdienen.

Union und SPD können sich nicht so schnell einigen

Eine Arbeitsgruppe der Koalitionsfraktion sollte deshalb bis Ende des Jahres Vorschläge für einen flexibleren Übergang in die Rente vorlegen. Doch nun zeigt sich: Union und SPD können sich nicht so schnell einigen. Noch zahlreiche Fragen sind offen. "Wir haben 15 sehr komplexe Themen diskutiert", sagte der CDU-Abgeordnete und Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann. Trotzdem glaubt er, dass sich die beiden Regierungsfraktionen zumindest noch in einigen Punkten verständigen werden.

Zunächst muss das Bundesarbeitsministerium Detailfragen der Parlamentarier beantworten. Es geht dabei, wie immer, auch ums Geld: Die SPD drängt darauf, Arbeitnehmern, die nicht mehr so stark belastbar sind, einen früheren Ausstieg aus dem Job zu erleichtern. Die Union will die finanziellen Anreize, länger zu arbeiten, eher verstärken. Am leichtesten dürften sich Union und SPD noch darauf verständigen, dass Ältere Rente und Hinzuverdienst in Zukunft leichter kombinieren können.

Darauf drängt auch der Sozialbeirat, der die Bundesregierung in Rentenfragen berät: In seinem neuen Jahresgutachten, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, schreiben die Rentenexperten: Der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand sei "ein entscheidender Faktor für die soziale Lage im Alter". Sei dieser nicht ausreichend abgesichert, könne dies "zu erheblichen Einkommenseinbußen führen". Nötig seien deshalb neue Regeln, die dazu beitragen, "die Lebensarbeitszeit zu verlängern" und eine Teilrente mit einem Teilzeitjob zu kombinieren.

Der Sozialbeirat plädiert ebenfalls für neue Hinzuverdienstgrenzen: "Die bisherigen Regeln sind zu kompliziert." Auch erschwerten sie "unnötig die Möglichkeit, bei Bezug einer vorgezogenen Altersrente erwerbstätig zu sein", heißt es in dem Gutachten. Konkret schlagen die Regierungsberater vor, Teilrenten in mehr als den drei Stufen anzubieten. Die Experten im Beirat denken dabei daran, Vollrenten von 20 bis 80 Prozent in Zehn-Prozent-Stufen zu staffeln und entsprechend mit einem Teilzeitjob zu kombinieren.

Dem Sozialbeirat geht es dabei aber nicht nur um eine rein gesetzestechnische Angelegenheit. "Um Frühverrentungen zu vermeiden, sind eine bessere Gesundheitsprävention und mehr Weiterbildung notwendig", sagte der neue Vorsitzende des Beirats, Gert Wagner. Das könnten die Sozialpartner mit Tarifverträgen und in den Betrieben besser erreichen, "als dies der Gesetzgeber alleine kann". Für die Arbeitsgruppe der Koalition ist auf jeden Fall noch viel zu tun. Die Gespräche werden Ende Januar fortgeführt.