Sondierungsgespräch zwischen Union und SPD Erst mal weiterreden

Bei Kartoffelsuppe und Pflaumenkuchen loten je sieben Vertreter von CDU, CSU und SPD aus, ob sie zueinander finden können. Die Stimmung bei dem Treffen ist überraschend gut. Nur eine Teilnehmerin bringt immer wieder Schärfe in die Runde.

Von Daniel Brössler, Susanne Höll und Robert Roßmann, Berlin

Am Ende kann es Andrea Nahles gar nicht schnell genug gehen. Als sie vor ihr Mikrofon tritt und zu sprechen beginnt, sind die Kameras noch gar nicht bereit. Man habe ein weiteres Sondierungsgespräch vereinbart, sagt die SPD-Generalsekretärin - kaum drei Stunden nachdem das erste dieser Gespräche mit der Union begonnen hat.

Die Atmosphäre sei "aufgeschlossen" gewesen, verkündet Nahles. Es habe "Konsensuales" gegeben, berichtet sie. Auch "strittige Punkte" seien "identifiziert" worden, "deshalb sind weitere Gespräche unbedingt erforderlich." So herum kann man es auch drehen. Die entscheidende Nachricht des Tages aber ist, dass Union und SPD immerhin so viel Einigkeit ermittelt haben, dass die Sondierung weitergeht. Am 14. Oktober wollen die Unterhändler sich wieder treffen. Sogar eine Uhrzeit gibt es schon: 16 Uhr.

Dass es ein weiteres Treffen geben wird, das hatten viele ja vorausgesagt. Dass die Stimmung bei dem ersten Beschnuppern aber so gut sein würde, das hatten die wenigsten gedacht.

"Ach, wissen Sie", sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, als er eine halbe Stunde nach Nahles vor die Presse tritt, man habe nicht mit dem begonnen, "was uns trennt". Beide Seiten hätten vereinbart, die Sondierung damit zu eröffnen, dass "man die Gemeinsamkeiten betont", berichtet auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. So war es wohl tatsächlich. "Das Treffen war wirklich konstruktiv", ist auch aus der SPD-Delegation zu hören - und das sei keine Floskel. Bei Kartoffelsuppe mit Würstchen und Pflaumenkuchen sei man sich nähergekommen.

Seehofer scherzt mit Scholz, Kraft blickt finster drein

Tatsächlich gibt es, so erzählen Teilnehmer, keinerlei Zank. Niemand habe sich irgendwie danebenbenommen. Einige können sogar fröhlich miteinander scherzen. Als es um Terminfragen geht, sagt CSU-Chef Horst Seehofer, er habe in den nächsten Tagen leider jede Menge zu tun, Minister ernennen und so weiter. Daraufhin rät ihm Olaf Scholz, sich an ihm ein Beispiel zu nehmen: Er habe nach seiner Wahl zum Bürgermeister ein paar Wochen ganz allein regiert, ohne Senatoren. Eine Freude sei das gewesen.

Seehofer entgegnet amüsiert, er regiere in Bayern sogar fünf Jahre allein - allerdings ernenne er vorher noch Minister. Allgemeine Heiterkeit im Saal. Nur Hannelore Kraft soll sauertöpfisch geblickt haben. Überhaupt scheint Kraft bei dem Treffen in der Parlamentarischen Gesellschaft eine besondere Rolle gespielt zu haben. Aber dazu später.