Alina macht einen Job, den nicht viele Italiener annehmen würden - für einen Lohn, den Italiener als Beleidigung bezeichnen würden. Trotzdem schafft sie es, ihrer Familie jeden Monat 400 Euro zu schicken. Außer ihrem Gehalt hat Alina noch einen anderen Ansporn. Sie hofft, damit ihr Opfer wettmachen zu können: Die behinderte 77-Jährige, um die sie sich kümmert, hat versprochen, ihrer Helferin einmal das Haus vererben, in dem sie lebt. "Ich warte darauf, dass sie stirbt", gibt Alina unumwunden zu und raucht wieder eine Zigarette.

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Frauen vom Balkan, die in Italien arbeiten, klagen über Rassismus. Plakate wie dieses in Rom sollen die fremdenfeindliche Stimmung verändern. (© Foto: Maja Hrgovic)

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Leben im Keller

Sie mag ihre Arbeitgeberin nicht besonders, sie hält sie für rassistisch. Alina erzählt von einem Artikel aus der Zeitung Corriere della Sera vom vergangenen Sommer. Er handelte von einer Italienerin, die verhaftet wurde, nachdem sie ihre rumänische Haushälterin ein Jahr lang missbraucht und praktisch versklavt hatte. Die Frau hatte der Rumänin außerdem damit gedroht, sie als illegale Einwanderin anzuzeigen und sie gezwungen, im Keller zu leben.

Immigranten wie Alina müssen seit der Wirtschaftskrise mit zunehmener gesellschaftlicher Verachtung fertig werden, wie eine Studie der in Rom ansässigen Nichtregierungsorganisation Caritas Migrant belegt.

Lückenbüßer

Immigrationsexperte Antonio Ricci meint, Italien sollte dankbar für seine mehr als 2,5 Millionen registrierten und schätzungsweise 700.000 illegalen Zuwanderer sein. In einer älter werdenden Gesellschaft mit niedriger Geburtenrate füllten privat angeworbene Hilfskräfte aus Osteuropa, die sich um Kranke und Alte kümmerten, die Lücken eines ineffizienten staatlichen Wohlfahrtssystems. Deshalb wurden auch Haushaltshilfen von den strengeren Regelungen gegen Einwanderung ausgenommen, die die italienische Regierung im vergangenen Jahr erlassen hat.

Trotzdem ist die öffentliche Geringschätzung und Feindseligkeit gegenüber fremd aussehenden Männern und Frauen, seien sie aus Rumänien, Albanien oder Marokko, deutlich. Zum Beispiel in der Art, wie viele Italiener das Wort "badante" aussprechen, das für ausländische Frauen benutzt wird, die als Alten-Betreuerinnen arbeiten. Alina hat die Nase voll davon. "Verkäufer im Supermarkt laufen mir immer hinterher, um zu sehen, ob ich etwas stehle, und manche Leute erwidern meinen Gruß auf der Straße nicht. Es ist erniedrigend", klagt sie. "Meine Freundin aus Bulgarien, auch eine badante, sagt, ich würde mich daran gewöhnen. Aber das werde ich nie."

Nedas Befreiungsschlag

Neda Plesa aus Boboljusci in Bosnien ist eine stimmgewaltige, geistreiche Frau Ende Dreißig. Weil sie fast immer lächelt, kann man sich kaum vorstellen, dass sie traurig ist. Dennoch sagt sie, sie habe an einer ernsten Depression gelitten, bevor sie im Ausland Arbeit gefunden habe. Wie ein paar hundert andere Frauen aus Bosniens Nordwesten hat Neda ein neues Berufsleben in Nordösterreich begonnen. Seit 2004 arbeitet sie auf einer Milchfarm bei Linz. "Mein Job ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration", scherzt sie.

Wenn Neda Plesa Geld brauchte, musste sie ihrem Mann genau erklären, wofür. "Das nennt man ökonomische Gewalt und hat letztlich meine Selbstachtung zerstört." Dank ihres Jobs in Österreich ist sie einigermaßen wohlhabend, und nun auch geschieden.

Aber immer noch sieht sie ihre Arbeit als eine Flucht aus einem Leben, das sie mit einer Gefangenschaft vergleicht. "Mein Ex-Mann war der Meinung, eine Frau solle nicht arbeiten, und der Mann sollte die Familie versorgen, typisches bosnisches Macho-Gehabe."

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  1. Das Dorf ohne Frauen
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