Erst wurde bei Hartz-IV-Empfängern gekürzt - jetzt sollen auch die Spitzenverdiener ihren Beitrag zum Sparen leisten: Sie müssen wohl ebenfalls schon bald auf das Elterngeld verzichten.
Im Frühjahr hatte die Regierungskoalition in ihrem Sparpaket beschlossen, Hartz-IV-Empfängern das Elterngeld zu streichen - jetzt müssen sich auch Spitzenverdiener auf Kürzungen einstellen: Reiche sollen offenbar von 2011 an kein Elterngeld mehr bekommen.
Bild vergrößern
Mit Kinder-, aber ohne Elterngeld: Spitzenverdiener in Deutschland müssen wohl schon bald auf das Elterngeld verzichten. (© ddp)
Anzeige
Wie der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Peter Altmaier, an diesem Dienstag in Berlin sagte, haben sich Union und FDP darauf geeinigt, die Leistung für Spitzenverdiener zu streichen. Demnach sollten Menschen, die die 2007 von der großen Koalition eingeführte "Reichensteuer" zahlen, vom Bezug des Elterngelds ausgenommen werden.
Als Reichensteuer wird der Spitzensteuersatz von 45 Prozent bezeichnet, der ab einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Euro bei Ledigen und mehr als 500.000 Euro bei Verheirateten fällig wird.
"Vertretbar und begründbar"
"Ich halte das für vertretbar und begründbar", sagte Altmaier. Eine entsprechende Änderung des Sparpakets sollen offenbar die Bundestagsfraktionen von Union und FDP noch an diesem Dienstag bei den Gesprächen zum Haushaltsbegleitgesetz beschließen.
CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich sagte dagegen, die Fachpolitiker der Regierungsparteien berieten zwar über den Vorschlag - eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.
Widerstand aus der Union
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte vor gut zwei Wochen eine entsprechende Forderung aus der FDP noch abgelehnt. "Die Eltern brauchen Planungssicherheit und nicht ständig neue Debatten, wo man ihnen noch das Elterngeld streichen kann", so Schröder damals.
Der Vorstoß kam von der stellvertretenden FDP-Fraktionsvorsitzenden Miriam Gruß. "Wer Reichensteuer zahlt, ist auf das Elterngeld nicht angewiesen", sagte die Familienpolitikerin. Diese Position sei mit den Haushalts- und Fachpolitikern der FDP-Fraktion abgestimmt. "Wir sind uns da absolut einig." Die Kürzungen beim Elterngeld müssten sozial ausgewogener gestaltet werden, argumentierte sie.
Im Rahmen des Sparpakets hatte Schwarz-Gelb bereits deutliche Einschnitte beim Elterngeld beschlossen - jedoch vorwiegend bei Hartz-IV-Empfängern. So sollen 400 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Derzeit erhalten Mütter und Väter, die nach der Geburt ihres Kindes im Beruf aussetzen, bis zu 14 Monate lang 67 Prozent ihres letzten Nettolohns, mindestens aber 300 Euro und höchstens 1800 Euro.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Elterngeld RSS
- FDP-Vorstoß Liberale: Elterngeld für Spitzenverdiener streichen 10.10.2010
- Hartz IV-Reform In Karlsruhe gewonnen, in Berlin zerronnen 17.10.2010
- EU-Parlament will Mutterschutz verlängern Zeit zum Durchatmen 19.10.2010
- Ein Jahr Schwarz-Gelb Koalition des Missklangs 26.10.2010
- Kein Elterngeld mehr für Reiche Symbolpolitik à la Schwarz-Gelb 27.10.2010
- Elterngeld Sparpaket trifft vor allem alleinerziehende Mütter 31.07.2010
- Elterngeld: Pläne der Familienministerin Schröders Zumutungen 22.07.2010
(AP/sueddeutsche.de/SZ/plin)
Mal ehrlich, angesichts der reinen ZAHLEN ist diese Aktion nicht mehr als eine durchsichtige PR-Aktion, um das ramponierte Image der schwarz-gelben Lobbyisten-Marionetten zu verbessern. Denn die Grenze ist viel zu hoch angesetzt. Schon jemand, der hierzulande "nur" (da kann ich angesichts meines von mir als ordentlich empfundenen Gehalts nur laut lachen...) 100.000 im Jahr verdient (brutto), der hat sowas wie Elterngeld schlicht nicht nötig! Und hat vermutlich auch einen Job, der so geschätzt wird, dass er nach der Elternpause wieder einsteigen kann.
Jedenfalls, ich hätte gerne mal belastbare Zahlen, wieviele durch diese Neuregelung überhaupt das Elterngeld gestrichen bekommen. Meine Prognose: das sind Peanuts, den Verwaltungsaufwand nicht wert.
Wie gesagt, wohl nicht mehr als eine PR-Aktion, um vielleicht in BW doch nicht abzustürzen. Leute, seid bitte nicht so dumm, denen das abzukaufen!
Die Idee war ja auch nur Theorie.
Mann könnte für diese Fälle ja ges. Regelungen schaffen, die die AG dazu verpflichtet, die eingesparten Mittel in Form der Nettoerhöhung an den AN weiter zu reichen.
(Den Sozialkassen aber fehlen 200 Euro. Ihre Leistungen sinken um 200 Euro. Das muss der AN mit mind. 200 Euro über Privatversicherungen ausgleichen.)
wenn weniger abgaben ist der Reiz größer mehr Menschen zu beschäftigen, also auch wieder mehr einnahmen Steuern Krankenkassen würden sich viel mehr teilen als jetzt diese eine Hand voll.
hat kein Arbeitgeber aus diesem Grund den Lohn erhöht, sondern die Lohnkürzung in seinen Gewinn transferiert.
http://suedcafe.sueddeutsche.de/tag/sagneinzuschwarzgelb#browseTag
Paging