In der Kaukasus-Krise ringt die EU dem Kreml Zugeständnisse ab - und hat doch kaum Kraft, um gegen Russland vorzugehen. Moskau findet Gefallen an der neuen Macht.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat in Moskau einen kleinen Erfolg errungen. Wieder einmal sagt Präsident Dmitrij Medwedjew den Abzug seiner Truppen aus dem georgischen Kernland zu, und erstaunlicherweise befürwortet er die Stationierung einer Beobachtertruppe.
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Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und sein russischer Amtskollege Dmitrij Medwedjew nähern sich an. (© Foto: dpa)
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Das sind kleine und wichtige Triumphe des EU-Ratsvorsitzenden, der sich bisher von allen russischen Äußerungen eher gedemütigt vorkommen durfte. Nun also kehrt Sarkozy mit einem Erfolg heim.
Allein: Was die Zusagen Medwedjews wert sein werden, lässt sich frühestens in einem Monat sagen, wenn die Truppen tatsächlich abgezogen sein sollen. Schon einmal versprach der russische Präsident allerhand, und schon einmal fand die russische Politik Mittel und Wege, ihre Zusagen zu brechen.
Europa macht eine neue Erfahrung mit diesem Russland. Mit Zuckerbrot und Peitsche betreiben der Kreml-Herrscher und sein Patron im Amt des Ministerpräsidenten Außenpolitik. An einem Tag saust der Lederriemen nieder auf die verschreckten Völker aus dem ehemaligen Sowjetreich. Am nächsten besänftigt der Dompteur aus dem Kreml das aufgebrachte Publikum, das sich den Kopf über Sanktionen und potentielle Druckmittel zerbricht.
Die Wahrheit ist: Die EU hat nicht viel Kraft, um gegen das sich autokratisch und zunehmend unberechenbar gebärdende Russland vorzugehen. Europas Aufplusterei hat einen fundamentalen Konstruktionsfehler. Die Gemeinschaft gackert wie ein aufgeregtes Huhn vor dem Fuchs.
Kühl und frech
Sie mag noch so sehr über Russlands Borniertheit als Besatzungsmacht zürnen - keine Macht der EU kann Moskau aus Georgien vertreiben. Wenn es Medwedjew in einem Monat so beliebt, dann bleiben die Truppen eben dort. Gründe gibt es viele, Gründe lassen sich konstruieren. Das lehrt die Entstehungsgeschichte dieses Krieges.
Moskau hat in den vergangenen Tagen kühl bis frech deutlich gemacht, dass es die Macht auf seiner Seite weiß. Man könne die Versorgungsflüge zur Weltraumstation einstellen, hieß es. Öl und Gas fänden auch andere Abnehmer, hieß es. Ein Partnerschaftsabkommen brauche vielleicht der Fleischexporteur Polen, nicht aber Russland, hieß es. Russland fühlt sich so stark, dass es nicht geschützt werden muss.
Wer wie Russland schlagartig alle Gepflogenheiten des modernen internationalen Umgangs außer Kraft setzt, wer Europa in die Welt bismarckscher Einflusssphären zurücktreiben will, dem ist auf Dauer mit nervöser Krisen-Pendelei nicht beizukommen.
Deswegen muss die EU nach dem Vermittlungserfolg Sarkozys in sich gehen und ernsthaft über ihr Verhältnis mit dem großen Nachbarn nachdenken. Auf Dauer kann die Gemeinschaft ihre Stärke nur zeigen, wenn sie ihre Marktmacht ausnutzt, das Energiemonopol bricht und ein paar glaubwürdige Druckmittel bereithält. Jubelgesänge über Sarkozys Moskauer Mitbringsel sind jedenfalls verfrüht.
- Sarkozy in Moskau Eindringlicher Appell 08.09.2008
- Georgien Kluge Vermittler 07.09.2008
(SZ vom 09.09.2008/ssc/odg)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Herr Kornelius,
nachdem ich in einem posting ziemlich zu beginn dieser Diskussion schon meine Meinung kundgetan habe ist mir nun eine neue Idee gekommen:
Müssen sie solche Kommentare schreiben? Steht jemand hinter ihnen und bedroht sie?
Geben sie bescheid, wenn sie Hilfe brauchen! Ich bin in München, kann als in die Redaktion kommen und versuchen ihnen zu helfen. Sollen wir die Polizei rufen?
Geben sie bescheid!
Ich helfe ihnen auch bei dem Artikel zum ARD Interview mit Putin, dafür ist es höchste Zeit, oder ist dafür Hr. Prandl zuständig?
Gruß Plechi
. . . und trotzdem ist hier bei einigen das Hirn vom Pulverdampf so vernebelt wie bei den beiden Streithähnen dort hinten im Kaukasus. Sorry, aber was da seit Wochen abläuft, hat inzwischen durchaus auch was "kindisches" - "ich hab recht", "nein ich hab recht" - wie im Hamsterrad. Und das Forum "schwarz - weiß" , strampelt eifrig mit - kein Ziel vor Augen, nur strampeln. Gottlob wird das Forum nicht gefragt,
wenn' s irgendwann um Problemlösungen geht . . . da ist dann Realpolitik gefragt und nicht irgendwelche Tagträume. Für den Moment sind die Kontrahenten dort hinten noch besoffen von ihrem Tun, ihrem Geschrei und ihrer Kraftmeierei - aber die Ernüchterung wird kommen und dann müssen sie schauen "wie' s weitergeht" . . . tja, da sind die Chinesen ganz cool - wär nicht schlecht, wenn diese coolness auch einige unserer Freunde erfassen würde . . .
Was nun Ihre Zuversicht auf Sprit unterm Weihnachtsbaum angeht, hmm - keiner hat was zu verschenken, jeder will nur unser "Bestes" (Gerstl) und machen wir uns der Hehlerei schuldig, wenn wir Diebesgut annehmen oder für Wohlverhalten erwerben . . .
es geht nicht darum, Russland als Zuchtanstalt für Friedenstauben darzustellen. Überhaupt nicht. Und es geht auch nicht um Relativierung, wenn man auf die US-Politik in diesem Zusammenhang hinweist.
Ich empfinde es nur als unglaubliche Heuchelei, wenn sich Europa hinstellt und die Russen oberlehrerhaft maßregelt, während Länder in just diesem Europa Truppen nach Irak entsenden, in einen Krieg, den ich nur als ganz großes Verbrechen bezeichnen kann.
Und ich bin entsetzt über unsere Presse, die, wie Herr Kornelius schon wieder, vorsätzlich verschweigen, wer als erster in Südossetien geschossen hat.
Und ich empfinde als Hohn, dass Europa die USA unterstützt, die explizit nichts anderes wollen, als die einzige super-power auf der Welt zu sein und zwar um jeden Preis.
Zitat wienun: "Bald ist Weihnachten . . .. . . . und es wird kein Spritfass unterm Weihnachtsbaum liegen . . . bei keinem . . ."
Och doch, da bin ich zuversichtlich. Irgendwoher kriegen wir das schon. So wie bei uns Politiker und Medien derzeit gegen Rußland hetzen, da gibt's massenweise Sympathien von Übersee, garantiert.
Man kann das auch noch forcieren: beim nächsten Mal, wenn Israel vom Sicherheitsrat wieder mal wegen Verbrechen gegen die Palästinenser, wegen der Mauer oder sonstiger Untaten abgestraft werden soll, begrüßen wir einfach, anders als bisher, latstark das Veto der USA.
Alternativ können wir auch in Afghanistan ein paar Zivilisten mehr über den Haufen schießen, das kommt auch gut.
Ich denke, dafür werden wir schon ein paar Tropfen Öl von dem Diebesgut, das US-Ölkonzerne seit dem Krieg so aus dem Irak schaffen können, als Belohnung abbekommen. Damit uns nicht gar so kalt ist, bis McCain/Palin im Falle des Wahlsieges endlich das große atomare Feuer zünden werden.
In Google-News gefunden:
"Russland beginnt Abzug aus georgischem Kernland"
und
"US-Kriegsschiff legt in Georgien an". Hm.
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