Sarah Palin im US-Wahlkampf Mother of five

Ihre letzte Schwangerschaft hielt sie so lange wie möglich geheim, nun will sie als Vorzeige-Mom Vizepräsidentin werden - wie Sarah Palin ihre Mutterschaft im Wahlkampf nutzt.

Von Lilith Volkert

Barack Obama hat es nicht getan, sein republikanischer Konkurrent John McCain schon: Er stellte eine Frau als Kandidatin für das Vizepräsidentenamt auf. Sarah Palin, die 44-jährige Gouverneurin von Alaska, bringt nun ungewollt eine alte Diskussion mit in den amerikanischen Wahlkampf: Wie gut lässt sich Muttersein und Arbeit verbinden? Für Palin heißt das: Kann sie sich gleichzeitig um ihre kinderreiche Familie kümmern und Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten sein?

Mutter von fünf Kindern mit großen politischen Ambitionen: Sarah Palin

(Foto: Foto: AP)

Was ihre Rolle als Mutter angeht, hat Sarah Palin in den vergangenen Monaten einen beeindruckenden Strategiewechsel hingelegt: Ihre Schwangerschaft zu Beginn des Jahres verheimlichte sie mit allen Mitteln der Mode bis zum siebten Monat. Noch nicht einmal ihre Eltern und ihre vier Kinder wussten davon. Sie habe sich auf keinen Fall vorwerfen lassen wollen, sie erfülle ihre Pflichten als Gouverneurin nicht, erklärte sie später dem Magazin People.

Palins Botschaft: Kinder sind kein Grund, die Arbeit zu vernachlässigen

Eine wichtige Rede in Texas hielt sie, obwohl ihre Fruchtblase bereits geplatzt war. Drei Tage nach der Geburt ihres behinderten Sohnes im April - er kam fünf Wochen zu früh zur Welt - ging sie bereits wieder ins Büro. Die Botschaft ist klar: Sie ist in erster Linie Gouverneurin; ihre Kinder sind kein Grund, die Arbeit zu vernachlässigen.

Nun scheint der "Mother of five" das Mutterglück wider Erwarten politisch nicht nur nicht zu schaden, sondern sogar zu nutzen: John McCain, der republikanische Präsidentschaftskandidat, hat sie nach eigenem Bekunden wegen ihres Rufs als Reformerin zur Kandidatin gemacht, doch auch die mütterliche Ausstrahlung der selbsternannten "Hockey Mom" habe eine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt.

Also setzt Palin voll auf diese Karte. Die Mutterrolle verleiht der durchsetzungsfähigen Politikerin die für den Wahlkampf nötige Wärme und Menschlichkeit: Während andere Politiker publikumswirksam fremde Kinder herzen, knuddelt Palin - die sich jüngst selbst als "Pitbull mit Lippenstift" bezeichnet hatte - auf zahlreichen Fotos ihr eigenes Baby. Beim Konvent der Republikaner Anfang September brachte sie den Säugling sogar mit auf die Bühne.

Dass Palin ihren inzwischen fünf Monate alten Sohn Trig trotz der Diagnose Down-Syndrom zur Welt brachte, wird zudem als handfester Beweis gesehen, dass ihre strikte Ablehnung von Abtreibungen mehr als nur ein Lippenbekenntnis ist.

Doch so schnell Sarah Palin große Teile des amerikanischen Wahlvolks erobert hat und so sehr sie John McCains Umfragewerte nach oben treibt - zahlreiche US-Amerikaner, die sich im Internet äußern, zweifeln an ihrer Fähigkeit, mit der Doppelbelastung zurechtzukommen: "Es ist unmöglich, eine Balance zu finden zwischen Vizepräsidentschaft und Familie. Die Kinder werden darunter leiden", schreibt ein Leser der New York Times aus Indiana.

"Eine Frau, deren Kind mit dem Down Syndrom geboren wird und die gleich nach der Geburt wieder in ihren Job zurückgeht - was ist das für ein Vorbild für Kinder und Jugendliche?" fragt Dr. Laura in ihrem Blog. Auch Blogger, die nicht zwangsläufig für eine konservative Rollenverteilung sind, argumentieren mit den Bedürfnissen von Palins fünf Kindern, die zwischen fünf Monate und 19 Jahre alt sind.

In ihrem Blog "Mother thoughts" schreibt Adena Cohen-Bearak, berufstätige Mutter und nach eigenen Angaben Feministin: "Werden ihre Kinder sie überhaupt noch sehen, wenn sie mit McCain gewählt wird? Ich möchte nicht altmodisch klingen, aber wie kann sie ihre eigenen Bedürfnisse und die ihrer Familie und ihres Landes unter einen Hut bringen? Ich weiß, wenn sie ein Mann wäre, würde niemand einen Gedanken daran verschwenden, wer sich um die Familie kümmert. Aber sie ist kein Mann. Sie hat den härtesten Job der Welt. Sie ist eine Frau. Und eine Mutter."

Andere Frauen kommen währenddessen aus dem Seufzen nicht heraus: "Ich dachte, wir hätten diese Fragen über Vereinbarkeit von Arbeit und Muttersein schon längst abgehakt", schreibt eine 42-jährige Bloggerin aus Massachussets. Auf blogher.com wird das von den Medien gezeichnete Bild der "Übermutter Palin" kritisiert und argumentiert, dass man Familie und Job nur vereinbaren könne, wenn man - wie Palin - die Mittel für eine gute Kinderbetreuung habe.

Doch Sarah Palins Vorbild findet auch Anklang: "Es ist fast unmöglich, alles zu haben - Familie, Karriere, Privatleben. Doch Palin kommt dem so nahe es nur geht", zitiert die Tageszeitung Boston Globe die 36-jährige Lynn Zayac, Mutter von Zwillingen. "Mit ihren Zielen steht Sarah Palin für viele Frauen da draußen."

Unter ihren Kolleginnen steht sie jedoch ziemlich alleine da. Sind Frauen in hohen politischen Ämtern sowieso schon dünn gesät, so findet man noch weniger Mütter unter ihnen. Die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen mit ihren sieben Kindern ist eines der seltenen Beispiele. Auch Ségolène Royal, die im vergangenen Jahr sozialistische Präsidentschaftskandidatin in Frankreich war, hat vier Kinder. Doch unabhängig davon, wie die amerikanische Präsidentschaftswahl in November ausgeht: So konsequent wie Sarah Palin hat noch keine versucht, Politik und Muttersein zu verbinden.

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