Sarah Netanjahu First Lady und Despotin

Eine Hausangestellte erhebt Vorwürfe gegen die Frau von Premier Netanjahu. Die Demütigungen und Wutausbrüche von Sarah Netanjahu sollen sie in die Depression getrieben haben.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Die Klage einer ehemaligen Hausangestellten bringt die Familie von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in Bedrängnis. Vor einem Arbeitsgericht in Tel Aviv verlangt die Frau umgerechnet mehr als 50.000 Euro, weil sie für einen Lohn von weniger als 600 Euro im Monat ausgenutzt worden und zudem von Netanjahus Gattin Sarah herrisch behandelt und gedemütigt worden sei.

Das Büro des Regierungschefs wies die Anschuldigungen als Lügen zurück und vermutet dahinter ein Komplott politischer Feinde. Israels Öffentlichkeit jedoch erinnern die Berichte an zahllose Affären, mit der die zur Extravaganz und emotionalen Ausbrüchen neigende Ehefrau des Politikers bereits früher Schlagzeilen gemacht hatte.

Sarah Netanjahu hat häufig bewiesen, dass ihr selten etwas peinlich ist. In der ersten Amtszeit ihres Mannes von 1996 bis 1999 war sie durch hohe Friseurrechnungen und großen Geltungsdrang aufgefallen. Die Eifersuchtsszenen, die sie ihrem "Bibi" machte, sind legendär. Mehr als einmal musste Netanjahu sich auch für die verbalen Entgleisungen der Gemahlin entschuldigen, zum Beispiel nachdem sie den heutigen Staatspräsidenten Schimon Peres öffentlich außerehelicher Eskapaden beschuldigt hatte.

Berater hatten sie in den Hintergrund gerückt

Mit Wutausbrüchen trieb sie Bedienstete zur Verzweiflung, ohne dabei groß unterschied zwischen Haus- und Regierungsangestellten zu machen. Durchaus konsequent wurde sie so zur Belastung der Karriere ihres Mannes.

Wohlmeinende Berater hatten sie daher im jüngsten Wahlkampf in den Hintergrund gerückt, lächelnd und schweigend. In letzter Zeit inszenierte sich die 51-Jährige als treusorgende Ehefrau mit einer eigenen Karriere als Kinderpsychologin.

Nun aber hat eine Frau namens Lillian Peretz, 44 Jahre alt und Mutter von vier Kindern, die Erinnerung an die alte Sarah Netanjahu wiederaufleben lassen. Sechs Jahre hatte sie das Haus der Netanjahus im noblen Küstenort Caesarea in Schuss gehalten, und zu Beginn muss es eine wunderbare Freundschaft gewesen sein.

Gefaltete Kissen und dünne Schnitzel

Jedenfalls bekundete Peretz in einem Interview 2005 noch überschwänglich: "Ich bin verrückt nach Sarah. Sie ist eine Freundin, eine Mutter, ein Helfer, sie ist alles für mich." Wie sehr sich das Verhältnis verändert hat, kann man allerdings nun in der Klageschrift nachlesen, die vom Massenblatt Jedioth Ahronot gleich auf einer Doppelseite ausgebreitet wurde.

Hier zeichnet die ehemalige Angestellte das Bild einer zunehmend despotischen Chefin, die nachts um zwei Uhr anrief, wenn ein Kissen nicht ordentlich gefaltet war, oder in Geschrei ausbrach, wenn ihr ein Schnitzel nicht dünn genug erschien.

Um die Ansprüche der Hausherrin nach fast steriler Sauberkeit zu erfüllen, habe sich die Haushälterin mehrmals am Tag duschen und auch umziehen müssen. Lillian Peretz hat das nach Auskunft ihrer Anwälte in die Depression getrieben.

Sarah Netanjahu dagegen soll immer wieder in Hochstimmungen geraten sein und ausgerufen haben: "Dies ist mein wunderschönes Haus, und ich bin die Mutter des Staates Israel."