Salzhemmendorf Angeklagte gestehen Brandanschlag auf Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf

  • Zwei der Angeklagten gestehen, einen Molotowcocktail gebaut und in das Fenster einer Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf geworfen zu haben, die Angeklagte Saskia B. gibt zu, die beiden zum Tatort gefahren zu haben.
  • Alle drei behaupten, nicht aus Ausländerhass gehandelt zu haben und geben ihrem Alkoholkonsum die Schuld.
  • In der Wohnung lebte eine Mutter aus Simbabwe mit ihren drei kleinen Kindern.
Aus dem Gericht von Annette Ramelsberger, Hannover

Es war der Alkohol, nichts als der Alkohol. Natürlich seien sie nicht ausländerfeindlich, auf keinen Fall. "Ich sehe mich nicht als Rechtsradikaler", sagt Dennis L., 31. Er habe doch einen armenischen Freund. "Ich bin mir sicher, dass ich mich nüchtern nicht an der Tat beteiligt hätte", betont er. Auch sein Kumpel Sascha D., 25, meint: "Ich habe grundsätzlich nichts gegen Ausländer." Auch er habe Ausländer als Freunde. Und Saskia B., 25, zweifache Mutter, sagt nur: " Ich bin unpolitisch. Ich wusste gar nicht, was ein Molotowcocktail ist."

Den Molotowcocktail aber haben die beiden Männer gebastelt, vor ihren Augen, ganz akkurat. Sie holten Sägespäne aus dem Keller, füllten sie in eine leere Flasche Branntwein, stopften mit einem Kugelschreiber nach und gossen Benzin und Öl drüber. Dann fuhren sie los, Saskia chauffierte die zwei Freunde, und Dennis L. warf den Brandsatz ins Kinderzimmer eines Hauses in dem Ort Salzhemmendorf bei Hameln, in dem Asylbewerber wohnen.

Salzhemmendorf will kein Nazi-Dorf sein

Im Sommer flog hier ein Brandsatz in ein von Flüchtlingen bewohntes Haus. Jetzt beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter - und der Kampf um den Ruf einer Gemeinde. Von Peter Burghardt mehr ...

Die drei stehen nun vor dem Landgericht Hannover, angeklagt des gemeinschaftlichen versuchten Mordes und der gemeinschaftlich begangenen Brandstiftung. Eine Tat, die "nach allgemeiner Anschauung verachtenswert und auf tiefster Stufe stehend ist", so sagt das Staatsanwältin Katharina Sprave.

Dennis habe gesagt, dass er "einen Neger brennen sehen will"

Gerichtssaal Landgericht Hannover. Die drei kommen herein, Dennis L. mit kurz rasiertem Haar und blütenweißem Hemd, Sascha D. mit sehr kurzem, gegeltem Haar, Saskia B. mit dunklem Pony und schwarz umrandeten Augen. Sie lassen ihre Verteidiger Erklärungen verlesen. Ja, sie gestehen, dass sie an dem Abend des 27. August zusammengesessen haben. Ja, Dennis und Sascha hätten den Molotowcocktail gebaut, Saskia habe sie nur gefahren.

Die erinnert sich, dass Dennis sagte, dass er "einen Neger brennen sehen will". Und zuvor hatten sie Rechtsrock gehört. Aber rechtsradikal seien sie natürlich nicht. Dennis L. kann sich nicht erinnern, dass er so was gesagt haben könnte. Er hält das für ausgeschlossen. Sascha D. sagt, Dennis sei so dominant gewesen. Er habe ihn als Vorbild gesehen. Er sei halt ein Mitläufer.

Dann erscheint Margaret D., die Frau, die mit ihren drei kleinen Kindern in der Wohnung lebte, in die der Molotowcocktail flog. Sie sitzt da sehr still, schüchtern, die dunklen Zöpfe zum Knoten geflochten. Eine Dolmetscherin übersetzt ihre Worte. Sie kommt aus Simbabwe. Seit November 2014 lebt sie schon in Salzhemmendorf. Ihre Stimme erstirbt fast. Ja, in dem Zimmer hätte ihr Sohn Alvin geschlafen, immer, bis auf diesen Tag.

An diesem Abend habe er seine Matratze genommen und habe sich in ihr Schlafzimmer gelegt, er wollte bei seiner Mutter sein und den kleinen Geschwistern. Man sieht nun die Fotos des Zimmers: Hellblaue Vorhänge, eine zersplitterte Scheibe, eine Flasche, aus der ein Stück Stoff ragt, der Molotowcocktail. Er ist nicht zersprungen, die Flasche ist unter das Bettgestellt gerollt, hat eine große Brandstelle hinterlassen, alles ist verrußt. Man will sich nicht ausdenken, was geschehen wäre, wenn der kleine Alvin auf seiner Matratze dort gelegen hätte.

Margaret D. weint, die Tränen rollen ihr über die Wangen. Sie bittet um eine kurze Pause.

In dem völlig verrußten Zimmer schlief normalerweise der kleine Junge der Familie aus Simbabwe. Nur diese Nacht war er zufällig im Nebenzimmer bei seiner Mutter. Das war seine Rettung.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)