Russische Dissidenten Ehemalige KGB-Agenten mit Quecksilber vergiftet

Ein russisches Dissidentenpaar wird in die Berliner Charité eingeliefert, Diagnose: Quecksilbervergiftung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt - der Fall erinnert an den des 2006 ermordeten Geheimdienstler Alexander Litwinenko.

Ein seit kurzem in Deutschland lebendes russisches Dissidenten-Ehepaar ist möglicherweise Opfer eines Quecksilber-Anschlags geworden. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall. "Etwas Greifbares über die Vermutung der mit Quecksilber Vergifteten hinaus gibt es nach meinem Kenntnisstand bislang nicht", sagte die Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft, Silke Becker, am Montag. Der Fall erinnert an die tödliche Vergiftung des früheren russischen Geheimdienstlers Alexander Litwinenko in London Ende 2006.

Bei einem russischen Dissidentenpaar hatten Ärzte der Berliner Charité (im Bild) laut dem Magazin "Focus" Quecksilberwerte im Blut entdeckt, die den zulässigen Grenzwert um das 25-fache übersteigen.

(Foto: dpa)

Opfer des möglichen Giftanschlags sind die Journalisten Viktor und Marina Kalaschnikow. Bei diesen hatten Ärzte der Berliner Charité laut dem Magazin Focus Quecksilberwerte im Blut entdeckt, die den zulässigen Grenzwert um das 25-fache übersteigen.

Viktor Kalaschnikow war dem Bericht zufolge vor der Wende als Militärexperte und Oberst des Geheimdienstes KGB tätig. Später hätten er und seine Frau sich mit dem Kreml unter dem damaligen Staatschef und heutigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin angelegt. Als freiberufliche Journalisten hätten sie den russischen Feldzug in der Kaukasusrepublik Tschetschenien angeprangert.

Das Dissidentenpaar ist sich sicher, dass hinter der mutmaßlichen Vergiftung Täter aus dem Umfeld russischer Geheimdienste stecken. Deshalb hatten die Dissidenten die Polizei verständigt. Am 17. Dezember leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung durch Vergiftung ein. Bislang ist nicht bekannt, wie das Ehepaar mit dem Gift in Kontakt gekommen sein könnte.

Die Ermittlungen werden in einem Fachreferat für Straftaten mit politischem Hintergrund geführt. Wie der Focus berichtete, gelten die russischen Journalisten seit Jahren als scharfe Kritiker der Moskauer Regierung. Dem Magazin zufolge waren bei dem 58-jährigen Mann 53,7 Mikrogramm und bei der 52-jährigen Frau 56 Mikrogramm des giftigen Schwermetalls pro Liter Blut festgestellt worden. Bei einer Quecksilbervergiftung kann es unter anderem zu Nierenschäden kommen.