Republikaner-Videos Palin, Gott und der Krieg

"... dafür sorgen, dass Gottes Wille geschieht": Ein Internet-Video zeigt, was John McCains Running Mate Sarah Palin über christliche Tätowierungen und das Gemetzel im Irak denkt.

Von Irene Helmes

Sarah Palin "liebt Jesus" - und das ist das Wichtigste überhaupt. So sieht es der Pastor, der die Gouverneurin im Juni in der Wasilla Assembly of God in ihrer kleinen Heimatstadt in Alaska ankündigt - und so klingt es auch in Palins Rede, die folgt.

Pünktlich zu ihrem weltweit beachteten Auftritt beim Wahlkonvent der US-Republikaner ist ein Video im Internet aufgetaucht, das die frisch gekürte Vizepräsidentschaftskandidatin auf einer kleinen Bühne zeigt - und vielsagende Einblicke gewährt.

"Es war so cool, in dieser Kirche aufzuwachsen, hier gerettet zu werden, getauft zu werden ..." - Palin spricht zu Theologiestudenten und schwärmt in höchsten Tönen vom gemeinsamen Glauben und der gemeinsamen Aufgabe. "Wir können zusammenarbeiten, um dafür zu sorgen, dass Gottes Wille geschieht."

Und dazu gehört für Palin auch der Krieg im Irak. Ihr Sohn Track, 19 Jahre alt, wird demnächst an die Front gehen - eine Tatsache, die in den Tagen vor dem Wahlkonvent der Republikaner offensiv als Beleg für den Patriotismus der Palin-Familie angeführt wurde.

"Betet für unsere Soldaten und Soldatinnen", fordert die Mutter des jungen Infanteristen in Wasilla, "die sich bemühen, das Richtige für unser Land zu tun", von den Führern des Landes mit "einer von Gott gegebenen Aufgabe" betraut. Ihr Zeigefinger deutet gen Himmel. Das sei es, wofür alle beten müssten, "dass es einen Plan gibt und dass es Gottes Plan ist".

Da ist sie wieder, die Mission, von der auch George W. Bush oft und gerne gesprochen hat in den vergangenen Jahren. Der frühere palästinensische Minister Nabil Shaath erklärte im Jahr 2005 in einer BBC-Dokumentation, Bush habe bei einem Treffen seine "Mission von Gott" mit den Worten erklärt: "Gott sagte zu mir, 'George, geh und kämpfe gegen diese Terroristen in Afghanistan' - und ich tat es. Dann sagte Gott, 'George, geh und beende die Tyrannei im Irak'. Und ich habe es getan."

John McCain hält sich mit solch religiösen Argumenten wesentlich stärker zurück. Der 72-Jährige zeigt sich lieber als Verteidiger der Sicherheit des Landes. Er sieht Amerika im Kampf gegen Terroristen, argumentiert auch mit der Veranwortung der Amerikaner für die Iraker. Im Februar warnte er in der CNN-Talkshow "Larry King live", ein voreiliger Truppenabzug käme "einem Völkermord" gleich.

Anders McCains Running Mate: Sarah Palin hält mit ihrer streng konservativen Gläubigkeit nicht hinter dem Berg. Sie ist eine vehemente Abtreibungsgegnerin und will die biblische Schöpfungsgeschichte im Schulunterricht als Gegenthese zur Evolutionstheorie durchsetzen.

Wie ihre Rede in Wasilla zeigt, ist ihre Hoffnung auf Gottes Beistand in der Tat allumfassend. Nicht nur für die Soldaten, auch für den Bau einer Gaspipeline durch Alaska - ein 30-Milliarden-Dollar-Projekt der Gouverneurin - soll gebetet werden. "Ich glaube, Gottes Wille muss geschehen, die Menschen und die Firmen müssen zusammengebracht werden, damit die Pipeline entsteht."

Solange es um Gott geht, scheint die Welt in Ordnung für Sarah Palin. So begeistert sie ihr Publikum in Wasilla auch mit einer Anekdote über ihren Sohn Track, der sich vor einem Jahr tätowieren ließ.

Zuerst sei sie nicht angetan gewesen, so Palin, "bis ich sah, was es war. Da wusste ich, wir hatten etwas richtig gemacht: Er hat nun einen großen Jesus-Fisch auf der Wade". Ihre Zuhörer johlen und klatschen.

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