Rechtsradikale NPD mit neuem Chef Außen seriös, innen extrem

Holger Apfel steht nun auch an der Bundesspitze der rechtsradikalen NPD. Der Parteitag in Neuruppin wählte den sächsischen Parteichef zum Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Udo Voigt. Apfel will seine Partei nun anders darstellen.

Von Jan Bielicki

Der Machtkampf unter Extremisten fand hinter verschlossenen Türen statt - und am Sonntagmorgen war der alte Parteichef der rechtsextremen NPD gestürzt und ein neuer gewählt. Medienvertreter durften nicht dabei sein, als der seit 15 Jahren amtierende Udo Voigt auf einem Parteitag im brandenburgischen Neuruppin den NPD-Vorsitz an seinen Herausforderer Holger Apfel abgeben musste. Mit 126 gegen 85 Delegiertenstimmen setzte sich Apfel klar gegen Voigt durch.

Der Wechsel an der Parteispitze könnte das Auftreten der Rechtsextremisten verändern, nicht aber ihre Ideologie. Der 40-jährige Apfel, der die NPD-Fraktion im sächsischen Landtag anführt, hatte seinen Griff nach dem Parteivorsitz damit begründet, er wolle die NPD auf einen Kurs der "seriösen Radikalität" bringen. Er attackierte vor allem die Kampagne der NPD zur Berlin-Wahl.

Zerstritten auch nach der Wahl

Parteichef Voigt, 59, hatte dabei als Spitzenkandidat auf provokative Plakatparolen wie "Gas geben" gesetzt. Apfel dagegen warb für eine Außendarstellung, bei der nicht "bei den Bürgern im Land die Jalousien heruntergehen". An der rechtsextremen Ausrichtung der Partei will der neue Vorsitzende jedoch nichts ändern. Er wolle "keine inhaltliche Anpassung und Aufweichung unserer Grundsätze", hatte er vor seiner Kampfkandidatur erklärt.

Zerstritten zeigte sich die NPD auch nach Apfels Wahl. So verweigerten sich die Delegierten einem wichtigen Personalwunsch des neuen Vorsitzenden und bestätigten Frank Schwerdt, einen Verbündeten Voigts, als einen von drei Stellvertretern.

Doch noch mehr als der interne Zwist setzen die Enthüllungen der Sicherheitsbehörden über das Zwickauer Neonazi-Trio, das für eine Serie von zehn Morden verantwortlich sein soll, der NPD zu. An dem rechtsextremen Netzwerk Thüringischer Heimatschutz, dem die drei vor ihrem Untertauchen in den neunziger Jahren angehörten, waren auch damalige und spätere NPD-Funktionäre beteiligt. Doch dazu wollten sich die NPD-Spitzenleute auf dem Parteitag nicht äußern. Für Kriminelle sei in der NPD kein Platz, sagte Voigt nur.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland erneuerte angesichts der Mordserie seine Forderung nach einem Verbot der NPD. Dieses "Flaggschiff" der Rechtsradikalen müsse "endlich politisch und juristisch versenkt werden", sagte Zentralrats-Präsident Dieter Graumann am Samstag. In Neuruppin protestierten am Wochenende mehrere hundert Demonstranten friedlich gegen das Treffen der Rechtsextremisten.