Proteste in der Türkei Erdogan will an Bauplänen für Gezi-Park festhalten

Nach vier Tagen im Ausland kehrt der türkische Premier Erdogan am Donnerstagabend in sein Land zurück - doch seine Äußerungen in Tunesien deuten jetzt schon an, dass er nicht zum Einlenken bereit sein wird. An den Umbauplänen für Gezi-Park und Taksim-Platz, die für landesweite Proteste gesorgt haben, will er festhalten.

In einer zentralen Forderung dürfen die Protestierenden in der Türkei kein Einlenken ihres Ministerpräsidenten erwarten: Recep Tayyip Erdogan werde die Umgestaltung des Gezi-Parks in der Metropole weiter vorantreiben, sagte er in der tunesischen Hauptstadt Tunis laut einer arabischen Übersetzung seiner Äußerungen.

Die Proteste gegen die Regierung Erdogan hatten sich an einem umstrittenen Bauprojekt entzündet. An dem beliebten und geschichtsträchtigen Platz sollte ein Park einem Einkaufszentrum weichen.

Zudem sagte Edogan der türkischen Zeitung Hyrriet Daily News zufolge, für die Gewaltausbrüche in der Türkei seien Gruppen verantwortlich, die den friedlichen Protest ausnutzten.

In einem Punkt schlug der Premier aber auch versöhnlich Töne an: Seine Regierung entschuldige sich für den "maßlosen" Einsatz von Tränengas zu Beginn der Proteste. "Wir haben die Empfindsamkeit unserer Bürger gegenüber Umweltthemen missbraucht", zitiert die Zeitung Erdogan. Zuvor hatte sich bereits Vizeregierungschef Bülent Arınç bei einem Teil der Demonstranten entschuldigt. Er sagte allerdings auch, dass denen, "die unsere Straßen zerstören", keine Entschuldigung zusteht.

Erdogan war am Montag zu einer Nordafrika-Reise aufgebrochen und zeigte sich überzeugt, dass die Proteste nachlassen werden. Vier Tage später hat sich das Land aber noch immer nicht beruhigt, es kam auch in der vergangenen Nacht zu weiteren Ausschreitungen: Hunderte Demonstranten warfen in der Nacht zu Donnerstag Augenzeugen zufolge im Zentrum von Ankara Steine auf Polizisten, die als Reaktion Tränengas einsetzten.

In der östlichen Provinz Tunceli errichteten Hunderte Regierungskritiker eine Straßenbarrikade und warfen ebenfalls Steine auf Beamten. Diese setzten Wasserwerfer ein. In Istanbul, wo es in den vergangenen Tagen zu den heftigsten Zusammenstößen gekommen war, blieb es hingegen vergleichsweise ruhig. Die Demonstranten harrten auf dem zentralen Taksim-Platz aus, wo sie ein Protest-Camp eingerichtet haben.