Proteste in Brasilien Präsidentin Rousseff kündigt "großen Pakt" an

Sie will Geld aus Öleinnahmen für Bildung nutzen, Ärzte aus dem Ausland holen, Korruption bekämpfen: Angesichts der Massenproteste in Brasilien ist Staatschefin Dilma Rousseff in einer Fernsehansprache auf die Demonstranten zugegangen. Über die Fußball-WM 2014 lässt die Präsidentin jedoch nicht mit sich verhandeln.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat sich die Forderungen der Demonstranten zu eigen gemacht und einen "großen Pakt" für ein besseres Brasilien versprochen. Sie lobte die friedlichen Proteste und verurteilte die Gewalt einer Minderheit, die Chaos in die Städte tragen wolle.

"Die Stimme der Straße muss gehört und respektiert werden und kann nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken", sagte Rousseff am Freitag (Ortszeit) in einer landesweit übertragenen TV-Ansprache. "Wir können sehr viele Dinge viel besser machen." In mehreren Städten gingen unterdessen die Proteste weiter.

"Meine Regierung hört die demokratischen Stimmen, die Veränderungen fordern." Sie lade deswegen die Gouverneure und die Bürgermeister ein, einen großen Pakt zu schmieden. Insbesondere versprach die Präsidentin, für einen öffentlichen Verkehr zu "gerechten Tarifen" zu sorgen. Die Wut über gestiegene Fahrpreise hatte die Proteste vor mehr als einer Woche ausgelöst. Außerdem solle mehr Geld aus den Öleinnahmen in die Bildung investiert und Ärzte aus dem Ausland nach Brasilien geholt werden. Es war die erste öffentliche Reaktion der Präsidentin nach der Protestwelle in der Nacht zum Freitag. Daran nahmen nach aktuellen Zahlen der amtlichen Nachrichtenagentur Agência Brasil fast zwei Millionen Menschen in 438 Städten teil.

"Brasilien wird eine großartige WM ausrichten"

Die friedlichen Proteste zeigten "die Kraft unserer Demokratie und den Wunsch der Jugend, dass Brasilien vorankommt". Die direkte Botschaft der Straße sei friedlich und demokratisch. "Sie fordert einen systematischen Kampf gegen die Korruption und die Veruntreuung öffentlicher Gelder. Alle kennen mich. Von diesem Kampf werde ich nicht ablassen." Zur Korruptionsbekämpfung sei vor allem Transparenz und Strenge wichtig. Sie kündigte an, Gouverneure, Bürgermeister und die Anführer der friedlichen Protestgruppen zusammenzurufen. Rousseff lud auch die Oppositionsführer zu Gesprächen ein, verurteilte aber zugleich eine "autoritäre und gewaltbereite Minderheit", die eine demokratische und friedliche Bewegung "beschmutze".

Am Freitagabend protestierten in mehreren Städten des Landes erneut tausende Menschen gegen Korruption und soziale Missstände. In Barra da Tijuca im Westen Rios, wo derzeit das Olympische Dorf für die Sommerspiele 2016 entsteht, setzte die Polizei kurzzeitig Tränengas ein. Friedliche Protestzüge gab es in Rios bekannten Vierteln Ipanema und Leblon. Auch im Großraum São Paulo marschierten tausende Menschen. Sie besetzten zentrale Straßen, die São Paulo mit dem internationalen Flughafen Guarulhos verbinden.

Die Proteste richten sich auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Rousseff betonte die Chance des Sportgroßereignisses für Brasilien. "Brasilien ist das einzige Land, das an allen Fußball- Weltmeisterschaften teilgenommen hat, wurde fünf Mal Weltmeister und wurde immer überall gut aufgenommen. Auch Brasilien müsse seinen Gästen einen großzügigen Empfang bereiten: "Respekt, Warmherzigkeit und Freude - so müssen wir unsere Gäste behandeln. Brasilien wird eine großartige WM ausrichten." Die Ausgaben der Zentralregierung für die Stadien würden vorschriftsgemäß von den Unternehmen und regionalen Regierungen gezahlt, die die Arenen betrieben. Sie werde es nie zulassen, dass diese Mittel aus dem öffentlichen Bundeshaushalt genommen würden zu Lasten prioritärer Bereiche wie Gesundheit und Bildung.