Protest gegen Mohammed-Video "Ich verurteile dieses schändliche Video"

Schon am Freitagmorgen war der sudanesische Botschafter in Berlin einbestellt worden. Er sei "unmissverständlich auf die Pflicht seiner Regierung zum Schutz diplomatischer Einrichtungen hingewiesen" worden, sagte Westerwelle. Die Tatsache, dass der Botschafter noch vor der Eskalation der Lage einbestellt wurde, spricht dafür, dass Informationen aus der Region auf eine konkrete Bedrohung deutscher Einrichtungen hindeuteten. "Wir beobachten die Lage in unseren Gastländern immer sehr genau und gehen jedem Hinweis nach", sagte Westerwelle. Bereits am Donnerstag hatte Westerwelle die Verstärkung der Sicherheit an mehreren deutschen Auslandsvertretungen angeordnet.

Der Außenminister verurteilte die Angriffe. "Ich verstehe die Empörung in der islamischen Welt über dieses antiislamische Hassvideo. Ich verurteile dieses schändliche Video", sagte Westerwelle. Es sei aber keine Rechtfertigung für Gewalt.

Auch in anderen Ländern der muslimischen Welt kam es nach dem Freitagsgebet erneut zu Protesten und teils wieder zu Gewalt. Beim Sturm auf die amerikanische Botschaft in Tunis starben mindestens drei Menschen. In Kairo gingen die Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Demonstranten weiter, eine Person starb. Ägyptens Staatschef Mohammed Mursi verurteilte "jeden verderblichen Versuch, den Propheten des Islam zu beleidigen". Er lehne aber Gewalt gegen US-Vertretungen ab. Alle Muslime sollten "ausländische Gäste" schützen. Im jemenitischen Sanaa verlegte die US-Armee 52 zusätzliche Marineinfanteristen in die Vertretung. Relativ ruhig blieb es in Libyen, wo vor drei Tagen bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi der US-Botschafter und drei Mitarbeiter getötet worden waren.

Die Ereignisse überschatteten auch den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Libanon. Bei Protesten in Tripoli starb ein Demonstrant. In Beirut warnte der Papst vor religiösem Extremismus: "Fundamentalismus ist Verzerrung ", sagte er. Im Zentrum der Papst-Reise stehen die orientalischen Christen, die sich durch das Erstarken radikalislamischer Gruppen in ihrer Existenz bedroht sehen.