Profil Tawadros II.

Oberhaupt der koptischen Christen und Stütze des ägyptischen Regimes.

(Foto: Amr Nabil/AP)

Oberhaupt der koptischen Christen und Stütze des ägyptischen Regimes.

Von Dunja Ramadan

Im November 2012 zog ein kleiner Junge einen Zettel mit dem Namen des neuen Papstes aus einem gläsernen Kelch. Das Losprinzip soll nach koptischem Brauch den Willen Gottes berücksichtigen. Seitdem ist der 64-Jährige Tawadros II. Oberhaupt der größten christlichen Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. In Ägypten, dem Stammland der Kopten, sind etwa zehn Prozent der 90 Millionen Einwohner koptisch-orthodoxe Christen.

Am Sonntag wurde in unmittelbarer Nähe zum Amtssitz von Tawadros II. ein schwerer Anschlag verübt. Der Geistliche war zu Besuch in Griechenland, als die Bombe detonierte. Er brach die Reise ab und flog zurück nach Kairo, um die Trauerfeier für die 25 Opfer zu leiten. Nicht weniger wichtig war es, die Christen im Land zu beruhigen, denn die Wut der Kopten auf die laschen Sicherheitskontrollen soll sich nicht gegen die Regierung entladen.

Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag demonstrierten Hunderte Christen vor der Kapelle. Sie riefen im Chor: "Das Volk will den Sturz des Regimes." Noch am selben Tag trat Tawadros II. vor die Kameras, im Hintergrund die ägyptische Flagge. Er rief die Christen dazu auf, sich trotz aller Emotionen an die Regeln zu halten. Seine Stimme blieb ruhig, er wirkte bedrückt, aber zeigte vor allem Besonnenheit.

Tawadros II. wurde 1952 in der Nildelta-Stadt Al-Mansura geboren, er studierte Pharmazie in Alexandria und Großbritannien. 1988 trat er ins Kloster ein, 1997 wurde er in al-Buhaira zum Bischof geweiht. Als Tawadros II. zum Papst ernannt wurde, kritisierte er den damals amtierenden Präsidenten und Muslimbruder Mohammed Mursi für seine "Fahrlässigkeit" im Umgang mit der christlichen Minderheit. Als im Frühjahr 2013 auf dieselbe Kirche wie am vergangenen Sonntag ein Anschlag verübt wurde, war er deutlich härter in der Wortwahl: "Wir brauchen Taten, nicht Worte." Heute, dreieinhalb Jahre später, beschwichtigt Tawadros II. und bittet, auf Demonstrationen zu verzichten. Auch Exil-Ägypter, die kürzlich in Washington vor dem Weißen Haus demonstrierten, bat er um Zurückhaltung. Dabei beklagen Kopten vor allem in der oberägyptischen Stadt Al-Minya zunehmende Gewalt von muslimischen Mitbürgern.

Der Grund für all die Zurückhaltung? Tawadros II. gilt als Anhänger des amtierenden Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und war von Beginn an Unterstützer des Militärputsches. Das Kirchenoberhaupt schrieb damals: "Ich zolle meinen Respekt vor den drei Großen Ägyptens: dem Volk, der Armee und der Jugend." Ägyptens autoritäre Regierung und der militärisch durchsetzte Machtapparat scheinen für Tawadros II. das kleinere Übel zu sein. Immerhin war Abdel Fattah al-Sisi der erste ägyptische Präsident, der den Festgottesdienst an Weihnachten 2015 gemeinsam mit den koptischen Christen feierte. Damals sagte Sisi vor den Gläubigen: "Niemand soll fragen, was für ein Ägypter man ist - wir sind alle Ägypter."