Profil Steve Wynn

Steve Wynn: Amerikanischer Kasino-Mogul mit Ambitionen in China und neuen Problemen.

Amerikanischer Kasino-Mogul mit Ambitionen in China und neuen Problemen.

Von Kai Strittmatter

Ein Rivale soll einmal über eines von Steve Wynns Kasinos gesagt haben, das sei "ein Ort, wie Gott ihn bauen würde, wenn er das Geld hätte". Das war damals, als alle Welt beim Wort Kasino noch an Las Vegas dachte. Lange bevor Las Vegas seinen Status als Welthauptstadt des Glücksspiels verlor an einen chinesischen Küstenflecken: Macau.

Heute steckt Macau Las Vegas längst in die Tasche. Logisch also, dass einer wie Wynn, wenn er 4,1 Milliarden Dollar übrig hat für ein neues Kasino, das Ding in Macau baut. Und zwar so, wie ein chinesischer Gott es bauen würde, einer von denen, die viel Blattgold auf dem Bauch tragen. 1700 Zimmer. Goldbesetzte Waschbecken aus Kristall. Von goldenen Drachen gezogene Gondeln. 1000 Wasserfontänen, die zu Beethovens Fünfter und chinesischen Schlagern tanzen.

Der 74-jährige Wynn hat in seinem Leben viel riskiert und viel gewonnen, seit er die Bingo-Hallen seines Vaters übernahm. Er half, Las Vegas neu zu erfinden, 1989, als er in seinem "Mirage" einen Vulkan ausbrechen ließ. Siegfried und Roy und ihren weißen Tigern gab Wynn eine Heimat. Aber in seinem neuen "Wynn Palace", der am Montagabend um acht eröffnet, steckt eine besondere Wette.

Die Eröffnung kommt, nun denn, antizyklisch. Wynn wettet jetzt nicht nur gegen die Konjunktur, er wettet gegen die chinesische Regierung. Unfreiwillig: Als er und seine Konkurrenten all die schönen neuen Kasinos für Macau in Auftrag gaben, da wussten sie noch nicht, wie sehr ihnen Chinas 2012 angetretener neuer Machthaber Xi Jinping ins Geschäft pfuschen wurde. Da sprudelte das Geld in Macau noch auf eine Art und Weise, die in den Worten Steve Wynns "nicht nur außergewöhnlich, sondern unverschämt" war. 2002 durften erstmals Ausländer in Macaus Kasinogeschäft investieren. Der einzige Ort in China, an dem Glücksspiel legal ist. 2007 überholte die Stadt bei den Einnahmen Las Vegas. Und 2013 nahmen die Kasinos dort 45 Milliarden US-Dollar ein - in Las Vegas waren es dagegen regelrecht traurige 6,2 Milliarden. "Abnormal". Noch einmal Wynn.

Aus. Vorbei. Parteichef Xi ist eher der asketische Typ. Und er startete mit Wucht eine Kampagne gegen Korruption in den eigenen Reihen. Eines der ersten Opfer: Macau und die Kasinos. Allein im letzten Jahr sind die Umsätze in den Kasinos um sage und schreibe 34 Prozent abgestürzt.

Chinesen wird ein Hang zum Glücksspiel nachgesagt, aber die Zahlen zeigen, in welchem Ausmaß die Kasinos in Macau von korrupten Beamten und Geschäftsleuten profitiert hatten. Viele hatte der Spieltrieb in die Sonderverwaltungszone geführt, viele wollten hier Geld waschen (ein Bericht des US-Kongresses schätzte 2013, dass in Macau chinesische Gelder in Höhe von umgerechnet 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr gewaschen würden). Spieler waren das, die man nicht in den normalen Spielsälen sah, sondern in eigenen VIP-Räumen, an die Kasinos vermittelt von einer eigenen Kaste von VIP-Agenten. Manche der Spieler verjubelten bei einem solchen Kurzurlaub aus der Volksrepublik mehrere Millionen Dollar.

80 Prozent aller Einnahmen der Regierung Macaus kommen aus dem Kasinogeschäft. Auf Befehl Pekings soll das nun ein Ende haben: Macau soll diversifizieren. Statt allein Glücksspiel wünscht sich die KP für Macau mehr Tourismus, mehr Familienentertainment. Steve Wynn und seine Kollegen erwischt das erst einmal auf dem falschen Fuß. Sein Resort sei "für Erwachsene", sagt Wynn: "Hier kann man essen, trinken und spielen. Für Kinder gibt es bessere Orte als Macau und Las Vegas." Aber dass die Zeiten vorbei sind, da man das Investment in ein Kasino in nur einem Jahr wieder einspielen konnte, das sieht Wynn. Auch, dass in China noch einmal ganz andere Regeln gelten als zu Hause. Klar, sagte er letzte Woche: "Wir sind ein Passagier im Volksrepublik-China-Zug." Im Führerhäuschen: die KP-Führung in Peking.