Prekäre Sicherheitslage UN ziehen Mitarbeiter aus Syrien ab

Ein Teil des Personals könnte schon Ende der Woche ausreisen, alle anderen dürfen Damaskus nur noch im äußersten Notfall verlassen. Die UN setzt ihren Einsatz in Syrien wegen der sich verschärfenden Sicherheitslage vorerst aus.

Die Vereinten Nationen stoppen vorerst ihren Einsatz in Syrien. Ein Sprecher sagte am Sitz der UNO in New York, die Organisation werde "ihre Missionen im Land bis auf Weiteres aussetzen".

Ein Teil des Personals werde angesichts der sich verschärfenden Sicherheitslage abgezogen. Bis zu einem Viertel der 100 Mitarbeiter, die für mehrere UN-Sonderorganisationen arbeiten, könnten noch bis zum Ende der Woche ausreisen.

Zudem sollen alle Reisen der restlichen UN-Mitarbeiter außerhalb von Damaskus eingestellt werden. Sie sollen die Hauptstadt nur in Notfällen verlassen dürfen. "Die Sicherheitssituation ist sehr schwierig geworden, auch in Damaskus", so der Sprecher.

Die Ankündigung erfolgt wenige Tage, nachdem zwei UN-Konvois auf der Straße zwischen Damaskus und dem internationalen Flughafen von Schüssen getroffen worden waren. Dabei wurden zwei österreichische Blauhelmsoldaten verletzt.

Der Flughafen und die nähere Umgebung ist zwischen den Rebellen und der syrischen Armee besonders stark umkämpft. Mit den Angriffen wollen die Regierungstruppen einen Vormarsch der Rebellen auf die Innenstadt von Damaskus verhindern. In der Stadt Homs wurden unterdessen nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana bei einem Autobombenanschlag mindestens 15 Menschen getötet.

Auch an der türkisch-syrischen Grenze eskaliert die Lage immer mehr. Syrische Truppen bombardierten dort den von Aufständischen gehaltenen Grenzort Ras al-Ain. Dabei sollen nach Angaben aus Militärkreisen in Ankara auch Geschosse auf türkischem Gebiet niedergegangen sein Sie landeten demnach in der direkt an Ras al-Ain grenzenden Stadt Ceylanpinar und lösten dort unter der Bevölkerung Panik aus.

Angesichts der zunehmenden Instabilität in Syrien wuchs international die Sorge über einen möglichen Einsatz syrischer Chemiewaffen. US-Außenministerin Hillary Clinton warnte in Prag, mit einem Einsatz wäre "eine rote Linie für die USA" überschritten. Aus dem syrischen Außenministerium hieß es dazu, Syrien werde "diese Art Waffen, wenn es welche davon besitzt, unter keinen Umständen gegen sein Volk einsetzen".

Die New York Times hatte berichtet, die USA und die Europäer seien alarmiert, nachdem Bewegungen bei den syrischen Chemiewaffen-Einheiten beobachtet worden seien. Die Zeitung zitierte einen US-Vertreter, wonach die "Aktivitäten" die Vorbereitung eines Chemiewaffen-Einsatzes vermuten ließen.

Der russische Präsident Wladimir Putin unterschied am Montag bei einem Besuch in der Türkei erstmals deutlich zwischen der syrischen Führung und Syrien, dessen wichtigster Verbündeter Russland auf der internationalen Bühne ist. Russland sei nicht der "Anwalt" der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad, sagte Putin. Die Sorge Moskaus gelte lediglich der Zukunft Syriens. Als eine von fünf Vetomächten blockierte Moskau in UN-Sicherheitsrat bislang ein gemeinsames internationales Vorgehen gegen Assad.

Die Stationierung von Patriot-Raketenabwehrsystemen in der Türkei nannte Putin allerdings "falsch". Die NATO will am Dienstag formell deren Stationierung beschließen. Wie der türkische Sender NTV unter Berufung auf NATO-Kreise berichtete, stehen die Stationierungsorte der deutschen und niederländischen Raketenabwehrsysteme im Grenzgebiet zu Syrien fest. Zwei Bundeswehr-Batterien und ein niederländisches System würden in den Provinzen Malatya, Gaziantep und Diyarbakir aufgestellt.