Präsidentenwahl in Italien Italiens Linke setzt auf Prodi

Er braucht 504 der 1007 Parlamentarier-Stimmen, um zum neuen Staatspräsidenten Italiens gewählt zu werden: Romano Prodi.

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Romano Prodi soll Italien aus der Krise führen: Das linke Lager stellt den Ex-Regierungschef als Nachfolger des scheidenden Präsidenten Napolitano auf. Bereits am Nachmittag könnte er gewählt werden - dafür ist er aber auf Stimmen aus der populistischen "Fünf Sterne"-Bewegung angewiesen.

Zwei Wahlgänge - aber kein Ergebnis: Franco Marini fiel am Donnerstag bei der Wahl des neuen italienischen Staatspräsidenten durch. Deshalb soll jetzt der ehemalige Regierungschef Romano Prodi für die italienische Linke antreten. Der Chef der Demokratischen Partei (PD), Pier Luigi Bersani, schlug den ehemaligen Präsidenten der EU-Kommission am Freitag als neuen Kandidaten für die Nachfolge von Staatschef Giorgio Napolitano vor. In Kreisen des Mitte-links-Lagers hieß es am Freitag, der Vorschlag sei einstimmig angenommen worden.

Gegen Franco Marini als Staatspräsident hatte es am Tag zuvor innerhalb des Bündnisses massiven Widerstand gegeben. Prodi könnte bereits in der vierten Runde gewählt werden, die für den Freitagnachmittag angesetzt war.

Die dritte Runde der italienischen Präsidentenwahl war am Freitag erwartungsgemäß ergebnislos geblieben. Wie bei der zweiten Runde am Donnerstag hatten viele Parlamentarier leere Stimmzettel abgeben oder nicht gewählt, um so den späteren vierten Wahlgang abzuwarten.

Dann reicht die absolute Mehrheit von 504 Stimmen der 1007 Parlamentarier für die Wahl des Staatspräsidenten aus. Rechnerisch braucht Prodi auch etwa 30 Stimmen der populistischen Protestbewegung "Fünf Sterne" (M5S) Beppe Grillos, um zum zwölften Staatschef Italiens gewählt zu werden.

Marini war ein gemeinsamer Kandidat Bersanis und des rechten ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi. Aus dessen Partei PdL kam jetzt heftige Kritik an der Nominierung Prodis für das höchste Amt - Berlusconi gilt als Gegner Prodis.

Seit Donnerstag versucht sich das Parlament - bestehend aus Senat und Abgeordnetenkammer - in Rom auf einen neuen Präsidenten zu verständigen. Dies gilt als entscheidend, um bei der Regierungsbildung voranzukommen. Die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Giorgio Napolitano endet Mitte Mai. Nur der neue Präsident könnte eine vorgezogene Parlamentswahl ansetzen, die das derzeitige Patt beim Versuch einer Regierungsbildung beenden könnte.