Wegen Veröffentlichung des Gutachtens zu Plagiatsvorwürfen Uni Düsseldorf erstattet Anzeige im Fall Schavan

Die Öffentlichkeit hatte am Wochenende schneller von den schweren Plagiatsvorwürfen gegen Annette Schavan erfahren als die Bundesbildungsministerin selbst. Nun hat die Uni Düsseldorf Strafanzeige erstattet - wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

In der Debatte um die Doktorarbeit der unter Plagiatsverdacht stehenden Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Universität Düsseldorf Strafanzeige erstattet. Grund ist der Verdacht auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

Nachdem im Frühjahr Plagiatsvorwürfe gegen Schavan aufgekommen waren, überprüfte der Promotionsausschuss der Hochschule ihre Doktorarbeit aus dem Jahr 1980. Am vergangenen Wochenende war ein Gutachten des Prodekans der Philosophischen Fakultät öffentlich geworden, das der Bundesbildungsministerin eine konkrete Täuschungsabsicht unterstellt. In der Untersuchung wird Schavan vorgeworfen, Textpassagen bewusst ohne sauberen wissenschaftlichen Beleg von fremden Autoren übernommen zu haben.

Nach Bekanntwerden des Gutachtens hatten Wissenschaftler schwerwiegende Kritik daran geäußert. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sagte der Süddeutschen Zeitung, es sei "skandalös", dass die Öffentlichkeit vor der Betroffenen von den schwerwiegenden Vorwürfen erfahren habe. Schavan hatte das Gutachten nach eigenen Angaben erst am Wochenende und auf Nachfrage von der Uni erhalten.

Auch inhaltlich steht das Gutachten in der Kritik: "Weder der Vorwurf des Plagiats noch der Vorwurf der bewussten Täuschung ist durch die Untersuchung gedeckt", sagte der frühere DFG-Präsident Wolfgang Frühwald. Von wissenschaftlicher Seite wird deshalb eine Überprüfung der Plagiatsvorwürfe durch eine zweite Person gefordert.