Plagiatsvorwürfe Uni Düsseldorf treibt Verfahren gegen Schavan voran

Die Plagiatsvorwürfe gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bleiben bestehen.

(Foto: dpa)

Die Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Annette Schavan halten sich hartnäckig. Nach SZ-Informationen hält der Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf die Anschuldigungen für stichhaltig. Das Gremium will nun ein offizielles Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einleiten lassen.

Von Roland Preuß

Für Annette Schavan endet das Jahr mit schlechten Nachrichten. Die Universität Düsseldorf, an der die junge Schavan 1980 ihre Dissertation eingereicht hatte, steht davor, den nächsten schmerzlichen Schritt zu tun: ein Verfahren zum Entzug des Doktortitels einzuleiten. Die Entscheidung soll am 22. Januar fallen, damit könnte sich die Untersuchung ausgerechnet durch das Jahr der Bundestagswahl ziehen.

Die Hochschule hat die Vorwürfe, die zuerst von einem Blogger im Internet erhoben worden waren, bisher nur einer Vorprüfung unterzogen. Mit einem Ja des Fakultätsrates der Philosophischen Fakultät würde ihr Titel offiziell in Frage stehen.

Im Oktober war ein interner Prüfbericht des Judaistik-Professors Stefan Rohrbacher bekannt geworden, der darin die Ergebnisse dieser Vorprüfung zusammenfasst. Rohrbacher attestiert Schavan dort eine "leitende Täuschungsabsicht", sprich: Sie habe absichtlich von anderen Autoren abgeschrieben. Demnach wäre der Titelentzug unausweichlich.

Nachdem der Bericht an einzelne Medien gelangt war, sah sich die Universität Düsseldorf harscher Kritik ausgesetzt; von Vorverurteilung war die Rede, Fachleute zweifelten zudem Rohrbachers Schlussfolgerungen an. Dementsprechend rechtfertigte der Rektor der Universität, Professor Michael Piper, am Dienstag den Schritt und betonte, dass dies keine Vorentscheidung sei.

Schavan habe "ein Recht auf ein ordentliches Verfahren, und die Philosophische Fakultät stellt genau dies sicher", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Es gehe um die Frage, wie die junge Wissenschaftlerin Schavan vor 32 Jahren ihre Arbeit geschrieben habe. "Also um die damalige Doktorandin, nicht die heutige Ministerin."

Schavan droht offizielles Verfahren zum Titelentzug

Für die Fakultät sei es "unausweichlich", weiter zu prüfen. "Das Recht, auch Fakultätsrecht, gilt ohne Ansehen der Person. Alles andere wäre inakzeptabel", sagte Piper. Zu den Details und Inhalten der Prüfung wollten sich weder Piper noch die Universität äußern. Auch Ministerin Schavan nahm zu dem Schritt der Hochschule keine Stellung.

Nach Informationen der SZ muss Schavan nun mit der Eröffnung des Verfahrens durch den Fakultätsrat rechnen. Demnach hat sich der Promotionsausschuss trotz einer schriftlichen Stellungnahme Schavans, in der sie die Vorwürfe zurückweist, im wesentlichen hinter die Vorwürfe Rohrbachers gestellt. Damit empfiehlt er dem Gremium die offizielle Eröffnung des Verfahrens zum Titelentzug.

Nähe zur Kanzlerin

Wenn man das Strafverfahren zur Veranschaulichung als Vergleicht heranzieht, so haben die Ermittler - hier die Promotionskommission - ihr Material der Staatsanwaltschaft übergeben, damit diese Anklage erheben kann. Der Staatsanwaltschaft entspricht im Universitätsverfahren der Fakultätsrat. Dieser könnte sich zwar dagegen entscheiden, das Verfahren zum Titelentzug zu eröffnen und sich damit gegen die Promotionskommission stellen, dies wäre aber ungewöhnlich und würde sofort Fragen aufwerfen, ob Schavan aus politischen Gründen geschont werden soll.

Schavan zählt zu den engsten Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel. Die Ministerin hatte die Vorwürfe stets vehement zurückgewiesen und wurde darin durch mehrere namhafte Wissenschaftler unterstützt. Schavan wird vorgeworfen, fremde Textpassagen übernommen zu haben, ohne dies sauber nachzuweisen. Meist geht es um wörtliche Übernahmen, die zwar mit einer Fußnote gekennzeichnet sind, nicht aber als wörtliches Zitat.