Piratenpartei Guttenberg zum Vorbild

Karl-Theodor zu Guttenberg und die Piraten haben neben dem sonderbaren Verhältnis zum geistigen Eigentum eine weitere Gemeinsamkeit. Sie verdanken ihren Aufstieg dem Unbehagen gegenüber den professionellen Politikern. Deren Ansehen wird durch die mehr als pubertären Personaldiskussionen in der Partei wieder aufpoliert.

Ein Kommentar von Christoph Hickmann

Zwischen der Piratenpartei und Karl-Theodor zu Guttenberg gibt es, neben dem sonderbaren Verhältnis zum geistigen Eigentum, eine weitere Parallele. Beide verdankten ihren Aufstieg einem Unbehagen an der Figur des professionellen Politikers. Dessen Ansehen hielt sich schon lange in engen Grenzen, doch mittlerweile ist die Skepsis in Abneigung umgeschlagen. Denkt nur an den nächsten Posten, hat keinen Einblick mehr ins wahre Leben - das sind so die Zuschreibungen. Und Guttenberg wie die Piraten gaben vor, ganz und gar anders zu sein.

Während Guttenberg schon lange weg ist, arbeiten die Piraten nun hart daran, sein Schicksal zu teilen. Ihre aktuelle, aus Rücktritten, Rücktrittsforderungen und Zurückweisungen der Rücktrittsforderungen bestehende Darbietung kann man nicht einmal mehr pubertär nennen. Sie hat aber einen lustigen Nebeneffekt: Sie stellt das Ansehen des professionellen Politikers wieder her. Oder poliert es auf.

Es ist ja nicht so, dass es an der Politik und jenen, die sie berufsmäßig betreiben, nichts zu kritisieren und verbessern gäbe. Es gibt da sehr viel, es gibt sogar Dobrindt und dergleichen. Aber man sieht jetzt wieder, was man am professionellen Politiker so hat. Er macht, mit Risiken, Nebenwirkungen und Übersprungshandlungen, am Ende professionelle Politik, und die ist für eine Gesellschaft wie diese unverzichtbar. Es ist ein Verdienst der Piraten, daran mal wieder erinnert zu haben.