Von Henrik Bork, Peking

Der Tag des tibetischen Aufstands jährt sich zum 50. Mal: Chinas Führung zeigt sich nervös: Soldaten riegeln Klöster in Lhasa ab. Jeder Protest soll verhindert werden.

Kaum ist der Winter vorüber, hat in Tibet die Saison der Proteste begonnen. Kurz vor dem 10. März, dem unruhigsten Tag von allen, ist die Lage gespannter als je zuvor. Diesmal immerhin ist Chinas kommunistische Führung vorbereitet.

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Ein Mönch beobachtet die tibetischen Neujahresfeierlichkeiten in einem Tempel in China. In Tibet haben Soldaten und paramilitärische Kräfte rund um die wichtigsten Klöster Stellung bezogen. (© Foto: AP)

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Soldaten und paramilitärische Kräfte haben rund um die wichtigsten Klöster Stellung bezogen. Auf den Dächern von Lhasa, auf jedem Marktplatz in Tibet sind Beamte der Staatssicherheit mit Videokameras stationiert.

Für Ausländer ist die gesamte Region bis April komplett geschlossen. Touristen erhalten keine Reisegenehmigungen, ausländische Journalisten erst recht nicht.

In Peking hat unterdessen ein anderes festes Ritual der Volksrepublik angefangen. Knapp 3000 kommunistische Abgeordnete haben sich, wie jeden März, in der Großen Halle des Volkes zu ihrer jährlichen Sitzung versammelt.

Ausgerechnet während dieser Sitzung hatten voriges Jahr die Proteste in Tibet begonnen, was der Partei nicht nur die Schau stahl, sondern sie vor den Augen der Welt blamierte.

Am 10. März vor einem Jahr hatten einige Hundert Mönche des Klosters Drepung mit einem friedlichen Protestmarsch an die blutige Niederschlagung des tibetischen Volksaufstandes vom 10. März 1959 erinnert, die zur Flucht des Dalai Lama ins Exil geführt hatte.

Nach einer kurzen Phase der Zurückhaltung waren die Sicherheitskräfte auch vergangenes Jahr brutal gegen unbewaffnete Demonstranten vorgegangen, sogar mit gezielten Todesschüssen, um die Revolte zu unterbinden.

Tagelang hatten Lhasa und viele Orte auf dem tibetischen Hochplateau einer Bürgerkriegszone geglichen. Mehr als 200 Tibeter starben, aber auch Dutzende Han-Chinesen wurden von Tibetern ermordet. Die Parteiführung sah sich kurz vor den Olympischen Spielen international im Kreuzfeuer der Kritik.

In diesem Jahr hat die Staatsgewalt im Vorfeld hart durchgegriffen, um jeden Anflug von Protesten im Keim zu ersticken. Die Klöster Drepung und Sera bei Lhasa, bekannte Hochburgen tibetischen Widerstandes gegen die chinesische Besatzung, sind von Paramilitärs umstellt.

Die Handys der Mönche sind konfisziert worden, berichten tibetische Quellen. Die Sicherheitskräfte zeigen offensiv ihre Präsenz. Spezialtruppen mit Helmen, Schilden und Gewehren kontrollieren eine Zufahrtsstraße zum Kloster Sera. Auf den Dächern in der Nähe des Klosters Drepung sind Scharfschützen der Polizei zu sehen.

"Sie kommen, trinken eine Tasse Tee mit dir und plaudern"

Die chinesischen Behörden haben auch die Zahl der Mönche in den meisten Klöstern reduziert, im Fall von Drepung Augenzeugenberichten zufolge auf etwa 500 von vormals 2000 Mönchen. Und nicht nur die Geistlichen, auch als politisch unzuverlässig eingestufte Tibeter bekommen seit Monaten regelmäßig Besuche von Beamten der Staatssicherheit oder Armee-Offizieren.

"Sie kommen, trinken eine Tasse Tee mit dir und plaudern", sagt ein Lebender Buddha in einem tibetischen Dorf der Provinz Sichuan, unweit der Autonomen Provinz Tibet. "Sie haben es nicht nötig, direkte Drohungen auszustoßen. Wir hören täglich die Schreie ihrer Soldaten beim Bajonettdrill hinter der Kasernenmauer."

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