Peer Steinbrück Stunk mit dem Stinkefinger

So präsentiert sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf dem Titelbild des aktuellen SZ-Magazins. Klicken Sie auf das Bild, um das Cover zu sehen.

(Foto: Alfred Steffen/Süddeutsche Zeitung Magazin)

Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi: Mit einer unmissverständlichen Geste zeigt der SPD-Kanzlerkandidat im "Sagen Sie jetzt nichts"-Interview mit dem SZ-Magazin, was er von seinen Kritikern hält.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Beim ersten Blick auf das Titelbild fallen einem die Worte von Sigmar Gabriel ein: Boah, coole Sau! Das hat der SPD-Chef über Steinbrücks Auftritt im TV-Duell mit der Kanzlerin gesagt.

Dann: Das ist doch ein Fake, oder? Am Schluss das Erwachen: Oh, Gott. Und: Das hat der jetzt nicht wirklich gemacht.

Doch, er hat es gemacht. Peer Steinbrück zeigt im SZ-Magazin seinen Kritikern den Stinkefinger. Sogar in der verschärften Form, die rechte Hand in die linke Armbeuge geschlagen. Er wirkt auf dem Foto, das für die Interview-Reihe "Sagen Sie jetzt nichts" entstand, als hätte er die ganze Wut auf seine Kritiker in diesen linken Mittelfinger gepumpt. Der Mund halb offen, als würde er sagen: Was willst du, ey!

Die Frage, auf die er damit pantomimisch antwortet, lautet: "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?"

Jetzt ist Peer Steinbrück ja nicht irgendwer. Er ist der Kandidat der SPD für das Amt des Bundeskanzlers. Er will eine der größten Wirtschaftsnationen der Welt führen. Fragt sich also: Bitte, was soll das? Eine Woche vor der Wahl! Wen will er damit beeindrucken?

Vielleicht ist ihm jetzt schon alles wurscht. Er fühlt sich ja dauermissverstanden und ungerecht behandelt. Und jetzt ist es eben wie im Song "Delmenhorst" von "Element of Crime": "Erst wenn alles scheißegal ist / Macht das Leben wieder Spaß". Steinbrück ist vielleicht schon näher an Delmenhorst, als seinen Parteifreunden recht sein kann.

Gegen den Willen des PR-Beraters

Jedenfalls liegt es diesmal nicht an seinen Beratern. Sein neuer Pressesprecher Rolf Kleine hat ihm nach dem Fotoshooting mit dem SZ-Magazin völlig zurecht abgeraten, das Bild veröffentlichen zu lassen (auch wenn er jetzt, nach der Veröffentlichung, zu Spiegel Online sagte, er sehe keine Schwierigkeiten darin). Der Kandidat sah das anders. Steinbrück war für Kleines Geschmack "vielleicht etwas zu spontan". Steinbrück aber ist da manchmal erschreckend beratungsresistent. "Nein, das ist okay so."

Nur: Okay ist daran eigentlich echt nichts.

"Ach ja", sagen seine Leute jetzt. "Das war ein Spaß, sonst nix. Lasst mal schön die Kirche im Dorf."

Eingefleischte Fans des SPD-Kandidaten mögen ja Gefallen an der vermeintlich coolen Geste finden. Andere werden sich erinnern, dass mal ein Fußballspieler namens Stefan Effenberg für so was aus der Nationalelf geflogen ist. Der hat 1994 auch nicht mehr gemacht, als dem unzufriedenen Publikum das international anerkannte Finger-Symbol entgegenzuhalten.

Manch ein lustiger Zeitgenosse hat es plötzlich mit der Justiz zu tun bekommen, weil der Mittelfinger, in Steinbrück-Manier gegen Polizisten gereckt, als "Beamtenbeleidigung" gilt. Und Millionen von Eltern kämpfen täglich darum, ihren Sprösslingen solch phallische Gesten wieder auszutreiben. Und jetzt können sich die Bengel auch noch auf einen Mann berufen, der Bundeskanzler werden will.

Na vielen Dank auch, Herr Steinbrück! Reicht es nicht, dass er öffentlich damit prahlt, zweimal sitzengeblieben zu sein?