Im Vergleich eher schwach: Peer Steinbrück wirbt auf dem SPD-Parteitag in Berlin für sein umstrittenes Steuerkonzept - und kritisiert den "schamlosen Betrug der CDU". Der Applaus der Delegierten hält sich jedoch in Grenzen - gemessen an der umjubelten Rede von Parteichef Gabriel am Vortag.
Nach dem umjubelten Auftritt des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel auf dem SPD-Parteitag in Berlin musste am Dienstag der Ex-Finanzminister die Delegierten für sich gewinnen - im dritten Teil der Vorstellung der möglichen Kanzlerkandidaten, nach den Reden von Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und eben Gabriel.
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"Schamloser Betrug der CDU": Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ging auf dem Bundesparteitag der SPD in Berlin hart mit der Regierungspartei ins Gericht. (© dpa)
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Peer Steinbrücks Aufgabe war keine leichte. Im Mittelpunkt des letzten Beratungstags steht die Steuer- und Finanzpolitik. Und das Steuerkonzept, das Steinbrück vorstellte, ist auch innerhalb der Partei hochumstritten.
Es sieht die Anhebung des Spitzensteuersatzes von derzeit 42 auf 49 Prozent vor. Die geltende Reichensteuer von zusätzlich drei Prozentpunkten soll nach dem Willen der Parteiführung entfallen, doch die SPD-Linke will sie beibehalten. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles rechnet mit einer kontroversen Debatte. Es werde nicht einfach werden, sagte sie vor den Beratungen.
Peer Steinbrück begann seine Rede ganz anders als Gabriel am Montag. Er erklärte nicht, dass die SPD zurück sei, sondern forderte seine Partei zu mehr "Selbstbewusstsein" auf. Die Sozialdemokraten sollten offensiver über "das reden, was uns gelungen ist in den letzten zehn Jahren", sagte der mögliche Kanzlerkandidat. "Wo stünde die Bundesrepublik ohne die teilweise bitteren Reformen in der Regierungszeit von Gerhard Schröder?", fragte Steinbrück mit Blick auf den sozialdemokratischen Altkanzler. Der Applaus dafür hielt sich in Grenzen.
Angesichts des Einflusses von Ratingagenturen und Finanzmärkten mahnte Steinbrück das Zurückgewinnen des Primats der Politik an. "Bei wem liegt eigentlich der Taktstock des Geschehens?", fragte er und betonte, Europa stehe am Scheideweg. "Zerfällt die Europäische Union in einen losen Staatenbund, reduziert auf einen Binnenmarkt?" Oder gehe man den Weg einer vertieften Integration, fragte der 64-Jährige. Er warnte vor einem Scheitern der Euro-Zone. "Ein Zerfall der Euro-Zone hätte schnell die politische Renationalisierung zufolge."
Zugleich attackierte Steinbrück die CDU. "Ich ärgere mich mit euch über den schamlosen Betrug der CDU bei der Einführung einer Lohnuntergrenze", rief er den Delegierten zu. Ebenso ärgere ihn, dass die Regierung zu wenig tue, um rasch eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. Die SPD müsse mit ihren Konzepten mehrheitsfähig werden, "um Frau Merkel und ihre Regierung in den Vorruhestand zu schicken".
Dafür brauche die SPD aber realitätsnahe Konzepte, sagte er mit Blick auf Forderungen der Parteilinken nach einem Spitzensteuersatz von 52 Prozent. "Der Maßstab ist die Öffnung", sagte Steinbrück. Nur so könnten Wahlen gewonnen werden. Die SPD dürfe sich nicht nur auf das Parteiverträgliche zurückziehen. "Man darf die Starken nicht verprellen." Vielmehr müssten auch die Leistungsträger für ein solidarisches gesellschaftliches Bündnis gewonnen werden.
"Fiskalpolitischer Schwachsinn"
Eindringlich warnte er seine Partei davor, zu stark an der Steuerschraube zu drehen und so den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zu gefährden. Es wäre ein Fehler, "den politischen Kontrahenten die Munition in die Hand zu geben, das Steuerkonzept der SPD zu diskreditieren", sagte Steinbrück. Die Delegierten rief Steinbrück auf, bevor sie entsprechende Anträge beschlössen, sollten sie die SPD-Spitzenkandidaten der nächsten Landtagswahlen fragen, "ob sie das als eine Verbesserung ihrer Chancen" ansähen.
Steinbrück plädierte wie im Steuerkonzept der SPD dafür, den Stellenwert der Haushaltskonsolidierung nicht zu unterschätzen. Zugleich lobte er die Grünen für ihren Vorschlag einer Vermögensabgabe, mit dem vermieden werde, dass der Gewinn eines mittelständischen Betriebes komplett wegbesteuert werden könnte. "Das sollte uns Sozialdemokraten offen machen für diesen Vorschlag, den die Grünen geboren haben", sagte Steinbrück.
Die von der Regierung beabsichtigten Steuersenkungen attackierte Steinbrück scharf. Die Pläne von Schwarz-Gelb seien "fiskalpolitischer Schwachsinn" und ein "Pausentee" für die FDP auf dem Weg zur nächsten Wahl. Die Begeisterung der Delegierten war dennoch ungleich geringer als am Vortag bei Gabriel. Nach der Rede bekam Steinbrück zwei Minuten Applaus. Nur zwei Minuten.
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(sueddeutsche.de/dpa/dapd/AFP/segi/jobr)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Dass ich nicht durch irgendwelche Tricks versuche Steuern zu sparen, sollte Sie doch eigentlich freuen. Ich würde gerne in meinem eigenen Haus wohnen und nicht auf Zeit tauschen. Die von Ihnen vorgeschlagene Konsultation des Steuerberaters führt meiner Meinung nach wahrscheinlich auch nicht zu ethisch vertretbaren Lösungen in der von Ihnen genannten Größenordnung, da bei 12.000 Euro Steuerersparnis ja mindestens 20.000 Euro geltend gemacht werden müssten . Handelsblatt und Wirtschaftswoche z.B. äussern sich übrigens ganz klar: Bei Eigennützung einer neuen Immobilie keine Beteiligung des Staates mehr möglich. Aber das sind sicherlich keine kompetenten Redaktionen, gell...
Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber nicht jeder versucht mit allen Mitteln (die ich ebenfalls kritisiere) das Äusserste rauszuholen.
Vielleicht bin ich dumm, doch eher sozial/gerecht eingestellt oder was weiss ich... der Sinn und Hintergrund Ihrer Kommentare erschliesst sich mir nicht. Lassen wir es dabei...
bei einem Spitzensteuersatz von 45%, 100.000 Euro Einkommen und einer Immobilieninvestition von 600.000 Euro sind 12.000 Steuerersparnis jederzeit erzielbar. Fragen Sie Ihren Steuerberater oder suchen Sie sich einen Haus-Tauschpartner auf Zeit.
Ich wäre ja sehr an einem Vorschlag interessiert, wie Sie mich resozialisieren könnten. Was wären denn Ihrer Meinung nach für jemanden mit 100.000 Euro Jahresgehalt Rahmenbedingungen, die ihn für Sie wieder in einen akzeptablen und respektierten Mitbürger verwandeln würden?
Nur draufhauen gilt nämlich nicht...
Darf ich um mehr Sachlichkeit bitten?
Ich rechne mich nicht arm und bezeichne mich nicht als arm - wo lesen Sie das denn raus? Ich spreche von "nicht reich, aber sicherlich bessergestellt als viele anderen".
Zum anderen finde ich es heftig zu unterstellen, dass man sich mit dem Bau eines Hauses aus der solidarischen Finanzierung abgemeldet hat - ebenso mit einem Gehalt in der Grössenordnung.
Handwerker, Heizungsfirmen etc. und Angestellte leben davon, dass Häuser gebaut werden.
Und zum Thema Gehalt: Sie vergessen, dass ich Steuern zahle, und nicht zu knapp. Ich drücke meine Steuern nicht Richtung Null - ginge gar nicht, wir reden hier nicht über die Zumwinkels&Co.... Auch mit meinem privaten Konsum trage ich über die Mehrwertsteuer dazu bei, dass der Staat zusätzliches Geld bekommt. Es mag IHNEN vielleicht zu wenig Steuer sein, die ich bezahle bzw. bezahlen muss - aber zu behaupten, ich hätte mich damit aus jeglicher solidarischer Finanzierung abgemeldet ist schon grotesk.
...das müssen Sie mir jetzt mal erklären wie man 20% Steuern spart bei der selbstgenutzten Immobilie...seit Streichung der Eigenheim-Zulage geht da nichts mehr. Bei einer vermieteten Immobilie würde ich Ihnen eher Recht geben. In den USA kann man die Zinsen für den Kredit von der Steuer absetzen - in Deutschland nicht ! Also auch kein Steuersparen.
Wenn Sie mir aber zu 20% Steuerersparnis bei der eigengenutzten Immobilie verhelfen, würden Sie gerne Provision von mir bekommen.
Paging