Parlamentswahl im Irak Wähler in Bagdad trotzen dem Terror

Sicherheitskräfte der irakischen Anti-Terror-Einheit bewachen ein Wahllokal in Bagdad. Mehr als 20 Millionen Iraker sind als Wähler für die Parlamentswahl registriert.

(Foto: AFP)

Erstmals seit dem Abzug amerikanischer Truppen stimmen die Iraker an diesem Mittwoch über ein neues Parlament ab. In Bagdad ist die Beteiligung trotz der Bedrohung durch Terroristen hoch. In mehreren Städten kommt es zu Anschlägen, ein Selbstmordattentäter sprengt sich vor einem Wahllokal in die Luft.

Im Irak wird an diesem Mittwoch zum ersten Mal seit dem Abzug der US-Armee ein Parlament gewählt. In der Hauptstadt Bagdad und in einigen Provinzen gilt ein Fahrverbot, auch Flughäfen sind gesperrt. Damit sollten Terroranschläge verhindert werden.

Anschläge in mehreren Städten

Anderswo kam es allerdings zu Anschlägen: Im Bezirk Al-Dibs nordwestlich von Kirkuk starben zwei Frauen, als ein Sprengsatz neben einer Gruppe von Wählern detonierte. In der Stadt Baidschi nörlich von Bagdad sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einem Wahllokal in die Luft und riss einen Polizisten mit in den Tod. Nach Angaben der Polizeidirektion der Provinz Salaheddin wurden zwei weitere Beamte und zwei Wähler verletzt. In der Stadt Mossul starb ein Mitarbeiter der Wahlkommission, als zwei Sprengsätze neben einem Wahllokal explodierten. Die Wahlkommission der Provinz Ninive teilte mit, fünf weitere Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden.

Wie die Nachrichtenagentur Sumeria News meldete, schlugen in den Städten Ramadi und Samarra am Morgen Granaten neben Wahllokalen ein. Bei Sprengstoffanschlägen vor Wahllokalen in den nördlichen Bezirken Kirkuk, Samarra und Mossul wurden nach Angaben von lokalen Medien und Sicherheitsbeamten insgesamt fünf Soldaten, zwei Polizisten und ein Zivilist verletzt.

Hohe Wahlbeteiligung in Bagdad

In Bagdad war die Wahlbeteiligung am Morgen relativ hoch. Ministerpräsident Nuri al-Maliki gab seine Stimme in einem Wahllokal in der gut geschützten Grünen Zone im Zentrum von Bagdad abgegeben. Er sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Sumeria News: "Unser Sieg ist sicher, und wir werden eine Koalition mit jedem bilden, der einen vereinigten Irak will." Al-Maliki steht wegen der jüngsten Eskalation der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten in der Kritik.

Mangels eines starken Herausforderers hat der schiitische Regierungschef gute Chancen, für eine dritte Amtszeit wiedergewählt zu werden. In seiner bisherigen Regierungszeit konnte Maliki allerdings weder die Wirtschaft ankurbeln noch die Gewalt zwischen den Religionsgruppen beenden.

Mehr als 20 Millionen Iraker sind aufgerufen, die 328 Abgeordneten für das Parlament zu bestimmen. Mit der Veröffentlichung der Wahlergebnisse wird nicht vor Freitag gerechnet. Landesweit bewerben sich 9032 Kandidaten um die Parlamentssitze. Die meisten teilnehmenden Parteien verstehen sich als Vertreter bestimmter ethnischer oder religiöser Gruppen.

Welle der Gewalt überschattete Wahlkampf

Islamistische Terroristen hatten durch Angriffe auf Wahllokale bis zuletzt versucht, die Abstimmung zu verhindern. Am Vortag wurden bei Bombenattentaten mindestens 24 Menschen getötet. Durch einen Doppelanschlag auf einen Markt nordöstlich von Bagdad starben Informationen der Nachrichtenagentur AFP zufolge mindestens 15 Menschen, in anderen Landesteilen waren es mindestens neun. Bereits am Montag waren demnach bei einer Anschlagsserie auf Wahllokale, Militärkonvois und eine Wahlkundgebung 64 Menschen getötet worden.

Kaum Wähler in terrorgefährdeten Gebieten erwartet

Irakische Beobachter gehen davon aus, dass in den westlichen Städten Ramadi und Falludscha und in einigen Bezirken nördlich von Bagdad, wo sich islamistische Terroristen ausgebreitet haben, kaum jemand zur Wahl gehen wird. Nach dem Beginn einer Militäroffensive der Armee waren Zehntausende Zivilisten aus Ramadi und Falludscha geflohen.

Die USA hatten ihre Soldaten im Dezember 2011 vollständig aus dem Irak abgezogen. Seit Ende 2012 hat die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten in dem arabischen Land wieder zugenommen. Die Sunniten, die früher den Langzeitmachthaber Saddam Hussein unterstützten, fühlen sich seit dem Machtwechsel in dem arabischen Land als Bürger zweiter Klasse. Der Irak gehört nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes heute zu den gewalttätigsten und gefährlichsten Ländern der Welt.