Paris-Attentat "Anwalt der Schurken"

Der belgische Anwalt Sven Mary gibt am Samstag in Brüssel Medienvertretern Auskunft.

(Foto: AFP)

Erst verweigert er die Auslieferung des mutmaßlichen Paris-Attentäters, dann will er den französischen Staatsanwalt anzeigen: Sven Mary hat keine Scheu vor Konflikten - und eine Menge Erfahrung mit kontroversen Fällen.

Seit Freitagabend steht er im Rampenlicht: Sven Mary, der Anwalt des mutmaßlichen Terrorhelfers Salah Abdeslam. Am Samstag erklärte er, Abdeslam wolle sich gegen seine drohende Auslieferung nach Frankreich wehren. Am Sonntag sagte Mary dem belgischen Rundfunksender RTBF, er plane eine Anzeige wegen Geheimnisverrats gegen den französischen Staatsanwalt François Molins.

Mary beschuldigt Molins, bei einer Pressekonferenz am Samstag vertrauliche Informationen aus einem Verhör mit Abdeslam preisgegeben zu haben. Laut Staatsanwalt Molins hatte Abdeslam ausgesagt, er habe sich am 13. November am Stade de France in die Luft sprengen wollen, den Plan dann aber in letzter Minute aufgegeben. Diese Informationen zu veröffentlichen, sei "ein Fehler" gewesen und könne so nicht durchgehen, sagte Mary dem Sender RTBF.

Die Liste prominenter Klienten ist lang

Das öffentliche Interesse, das dem flämischen Strafverteidiger Mary nun zukommt, ist für ihn nichts Neues. Mary hat Erfahrung mit mediatisierten Gerichtsprozessen, die Liste seiner prominenten Klienten ist lang: Michel Lelièvre, genannt "die rechte Hand" des Sexualstraftäters Marc Dutroux, gehört genauso dazu wie der Islamist Fouad Belkacem, der zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, weil er junge Menschen für den Dschihad angeworben hatte. Mary vertrat auch den Schauspieler Jean-Paul Belmondo, als die belgischen Behörden gegen dessen Freundin wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelten.

Es ist also nicht überraschend, dass Abdeslam sich für Sven Mary als Berater entschieden hat. In den belgischen Medien wurde bereits im Januar, also vor der Festnahme Abdeslams, darüber berichtet, dass Mary von einem Mann aus dem Umfeld Abdeslams kontaktiert worden sei. Dem französischen Nachrichtenmagazin L'Express bestätigte Mary am Freitag den Vorfall: "Ein Mann ist in meine Kanzlei gekommen, aber ich kann Ihnen nicht sagen, wer das war. Ich überprüfe keine Identitäten. Aber er wirkte ernstzunehmend." Der Mann habe sich dann nicht mehr gemeldet. Nach der Festnahme Abdeslams am Freitagabend sei Mary erneut kontaktiert worden, diesmal allerdings von einer anderen Person.

"Die Attentate von Paris haben mich angewidert"

Mary, der wegen der Vielzahl an spektakulären Fällen von manchen auch "der Anwalt der Schurken" genannt werden soll, erklärte auch, was ihn dazu motiviert, Abdeslam zu verteidigen. Der belgischen Tageszeitung La Libre Belgique sagte er: "Die Attentate von Paris haben mich angewidert und ich habe meine persönliche Meinung zum Thema Dschihadismus, die man mir auch nicht austreiben wird. Aber mein Mandat ist es, Menschen zu verteidigen, die mich darum bitten." Diese Dinge auseinanderzuhalten, sei sehr wichtig, fuhr Mary fort: "Ich bitte darum - nicht für mich, sondern für mein Umfeld, meine Frau und meine Kinder, die nicht unter meinen Aktivitäten leiden sollen."

Allerdings machte Mary von Anfang an klar, dass er Abdeslam nicht unter jeder Voraussetzung verteidigen würde. Dem Express sagte er am Freitagabend noch: "Ich muss wissen, was seine Verteidigungslinie ist, welche Haltung er einnehmen möchte. Falls seine Linie sein sollte, 'Ich war nicht in Paris', würde mich das ärgern, in dem Fall könnte ich ihn nicht verteidigen."