Ostermärsche gegen Krieg Friedensbewegung springt Günter Grass bei

Trotz nasskalter Witterung demonstrierten über Ostern bundesweit Tausende gegen Krieg und Waffenhandel. Vertreter der Friedensbewegung nahmen den Literaturnobelpreisträger Günter Grass in Schutz: Der Schriftsteller gehöre "nicht an den Pranger" - sondern diejenigen, die an der Eskalationsschraube in Nahost drehten.

Gegen Krieg, gegen Militäreinsätze im Ausland, gegen Waffenexporte: In Deutschland sind am Osterwochenende Tausende bei den traditionellen Ostermärschen mitgelaufen und haben für Frieden demonstriert. Sie prangerten die "Kriegspropaganda" im Westen gegen Iran und Syrien an sowie den nun zehnjährigen Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

Es gab etwa 80 Märsche, die durch 100 Städte führten, wie die Friedensbewegung mitteilte. Bei nasskaltem Wetter war die Beteiligung aber oft dürftig. Solidarisch erklärte sich die Bewegung mit dem Schriftsteller Günter Grass, der mit seinem in der SZ veröffentlichten Gedicht "Was gesagt werden muss" massiv in der Kritik steht.

Es gebe kein Recht auf Präventivkriege und Erstschläge, betonte die bundesweite Informationsstelle Ostermarsch in Frankfurt am Main. Die Friedensbewegung teile die Auffassung, dass die Nahost-Region umfassend demilitarisiert werden müsse. "Was Grass angestoßen hat, kann nicht als antisemitisch unter den Teppich gekehrt werden", betonte der Sprecher der Informationsstelle Ostermarsch, Willi van Ooyen, der für die Linke im Hessischen Landtag sitzt.

Der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski, erklärte: "Nicht Günter Grass gehört an den Pranger, sondern diejenigen Politiker, die weiter an der Eskalationsschraube im Nahen und Mittleren Osten drehen, indem sie den Iran mit Wirtschaftssanktionen immer mehr in die Enge treiben."

Dass Israel über 250 Atomsprengköpfe besitze, dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten sei sowie keine Kontrollen zulasse und offen das Für und Wider eines "Präventivkriegs" gegen Iran diskutiere, "sind Tatsachen, die Günter Grass auf seine Weise ins rechte Licht gerückt hat", erklärte er.

Zu einer der größten Veranstaltungen kamen am Ostersamstag rund 1000 Menschen in Stuttgart. Sie warnten vor einer Eskalation der Konflikte um Syrien und Iran und forderten die westlichen Regierungen auf, auf militärische Drohungen und Bombardierungen im Nahen Osten zu verzichten.

700 Meter langes Banner um US-Botschaft

In Berlin kreisten etwa 750 Demonstranten die US-Botschaft mit einem 700 Meter langen Transparent ein. Damit verbanden sie die Forderung nach einer Abschaffung der Todesstrafe und für die Freilassung politischer Gefangener weltweit. Der Berliner Ostermarsch stand unter dem Motto: "Krieg darf kein Mittel der Politik sein".

An Rhein und Ruhr liefen beim dreitägigen Ostermarsch tausende Teilnehmer mit, die gegen Krieg, rechten Terror und Atomwaffen protestierten.

Die Ostermarsch-Bewegung hat ihren Ursprung in Großbritannien. In den 1950er Jahren bildete sich dort eine Protestbewegung gegen Atomwaffen. 1960 gab es den ersten Ostermarsch in Deutschland.