Die Länder südlich der USA waren lange Jahre uninteressant für die Vereinigten Staaten. Mit seiner Reise nach Südamerika will Präsident Obama das Verhältnis zu den Nachbarn reparieren.
Für die Vereinigten Staaten war das restliche Amerika lange Zeit nicht von Interesse. Nach den Anschlägen von 2001 waren die USA in Kriege im Mittleren Osten gezogen und hatten den nahen Süden vergessen; von diesem schien keine Gefahr auszugehen. Jetzt aber merkt Washington, dass auch direkt vor der Haustür eine Schlacht tobt: Der Krieg der mexikanischen Drogenkartelle untereinander und gegen den Staat hat in zwei Jahren 10 000 Menschenleben gekostet - mehr als die Gemetzel in Irak und Afghanistan.
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US-Präsident Barack Obama kommt als freundlicher Nachbar. (© Foto: AFP)
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Zwar sind Grenzstädte wie Ciudad Juárez bei El Paso von Soldaten besetzt, trotzdem ist die Drogengewalt auch in den USA angekommen. Außerdem hat sich die Region während der Ära George W. Bush vom Norden abgewandt; das Ergebnis sind linke und selbstbewusste Regierungen von Venezuela bis Brasilien. Zu alledem kommt Kuba hinzu, eine unbewältigte Altlast.
Mit diesem Erbe muss sich nun Barack Obama bei seinem Besuch in Mexiko und dem folgenden Amerika-Gipfel in Trinidad beschäftigen. Von ihm wird mehr erwartet als vom unbeliebten Bush. Dabei sind die Problemfälle Mexiko und Kuba symptomatisch für die Fehler und die Doppelmoral der Großmacht im Norden. Obamas regionaler Härtetest beginnt in Mexiko. Denn südlich des Rio Grande gewinnt die Mafia an Macht. Gemordet wird in Mexiko oder Guatemala obendrein mit Geld und Waffen aus den USA. Das Rauschgift gelangt über die mexikanische Grenze nach Norden, zurück fließen Milliarden Dollar und Todeswerkzeug. Die US-Amerikaner sind Großabnehmer von Kokain, Opium, Marihuana - sowie Großlieferanten von Gewehren, Pistolen, Granaten.
Mauern und Soldaten allein lösen das Problem nicht. In Kolumbien ziehen Pentagon und State Department deshalb mit gewaltigen Summen gegen die Drogenmafia zu Felde. Dennoch werden im Schatten der Anden weiter 70 Prozent des weltweiten Kokains produziert. Will er das ändern, muss Präsident Obama zu Hause anfangen, jede andere Strategie ist gescheitert. Die USA wie auch der Rest der Welt sollten daher schleunigst über eine sinnvollere Drogenpolitik nachdenken: über eine Eindämmung von Waffenverkauf und Drogenmarkt. Möglicherweise wäre die Freigabe einiger Rauschmittel ein geringeres Übel als ein Verbot mit hohen Kosten und blutigen Folgen.
Bleibt das Problemthema Kuba. Während der Ära von George W. Bush und seiner Großmannssucht sammelte die Insel mit ihrem verblichenen sozialistischen Mythos so viele Unterstützer um sich, wie sie das in den vergangenen 50 Jahren nicht vermochte. Der Staatschef des ölreichen Landes Venezuela, Hugo Chávez, wurde quasi zum Nachfolger des greisen Fidel Castro und zum lautesten Herausforderer der USA. In Bolivien kam Evo Morales an die Macht, Brasilien stieg mit Luiz Inácio Lula da Silva zur Regionalmacht auf. Vieles davon ist auch die Konsequenz US-amerikanischer Politik. Bushs Freihandelszone von Alaska bis Feuerland starb einen kläglichen politischen Tod; stattdessen wurden China, Russland und Iran in der Region tätig. Fast alle Präsidenten zwischen Caracas und Santiago de Chile fordern mittlerweile, die USA sollten Kuba wieder wie ein halbwegs normales Land behandeln.
Erste Schritte hat Obama getan. Beschränkungen für Exilkubaner werden aufgehoben, das Gefangenenlager bei Guantanamo soll geschlossen werden. So bald wie möglich muss nun auch das menschenfeindliche Wirtschaftsembargo fallen. Mit Chinas kommunistischen Kapitalisten treiben die USA ja auch regen Handel, Menschenrechte hin oder her. Brasiliens Pragmatiker Lula könnte der Vermittler zwischen Havanna und Washington sein. Eine Entkrampfung in der Kubafrage wäre auch eine symbolische Anerkennung lateinamerikanischer Souveränität - und mithin das Ende eines Feindbildes, das den USA genauso schadet, wie es Chávez oder Castro nützt.
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(SZ vom 17.4.2009/vw)
UN-Tourismusorganisation
"Der Krieg der mexikanischen Drogenkartelle untereinander und gegen den Staat hat in zwei Jahren 10 000 Menschenleben gekostet - mehr als die Gemetzel in Irak und Afghanistan."
Der Wiki- Artikel "Irakkrieg" sagt dazu: "Iraqbodycount zählt auf Grundlage von mindestens zwei übereinstimmenden Berichten, aus unterschiedlichen Medienorganen mindestens 89.111 (Stand 23. November 2008) getötete Zivilisten. Die Seite gibt an, dass ihre Zahlen vermutlich unter den tatsächlichen Opferzahlen liegen. Da sie sich auf die Meldungen von seriösen Nachrichtenorganisationen verlässt und unabhängige Journalisten vermutlich Abstand von den besonders schwer umkämpften Gebieten halten, würden viele Todesopfer nicht von den Medien erfasst."
und weiter zu den Kriegsfolgen: "Eine im Oktober 2006 von The Lancet veröffentlichte und von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore durchgeführte Studie geht von 392.979 bis 942.636 zusätzlichen Todesfällen im Irak durch Kriegsfolgen aus, was bei einem Mittelwert von 654.965 Toten rund 2,5 Prozent der Bevölkerung entspricht" andere Schätzungen überschreiten die Millionengrenze.
Stellt man noch die Jahre des Embargos vor dem Irakkrieg (Teil war hier das Öl gg.Lebensmittel- Programm) und die Folgen der eingeschränkten Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in ecRhnung muss man laut UNICEF- Report (v. 1998) noch 90.000 Tote pro Jahr (1991-2003) dazurechnen.
soviel zum Irak...