NSU-Prozess in München Das NSU-Trio aus der Sicht des Handwerkers

Die Protagonisten im NSU-Prozess

Seit Mai 2013 steht im NSU-Prozess in München Beate Zschäpe vor Gericht. Doch wer verteidigt die mutmaßliche Terroristin? Wer sind die Männer, die mit ihr auf der Anklagebank sitzen? Und wer muss am Ende ein Urteil fällen über den rechten Terror? Die Protagonisten des NSU-Prozesses. mehr...

Hat Beate Zschäpe die Wohnung des NSU-Trios angezündet, und hat sie dabei in Kauf genommen, dass andere Hausbewohner ums Leben kommen? Das ist die Frage des 16. Prozesstages. Ein Handwerker und der Hausverwalter schildern ihre Erlebnisse mit den Bewohnern - und für einen Moment erwacht Zschäpe aus ihrer Lethargie.

Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

Hat die alte Holztreppe im Hausflur geknarrt? Im NSU-Prozess sind auch die Nebengeräusche aus dem Alltag des Neonazi-Trios wichtig. Am 16. Prozesstag ist der Hausverwalter aus Zwickau als Zeuge geladen. Er betreute die Wohnung in der Frühlingsstraße, in der Beate Zschäpe und ihre Freunde unter falschem Namen lebten. Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer erkundigt sich ganz genau nach der Treppe. Ja, sagt der Verwalter, wenn jemand fest aufgetreten sei, habe man das sicherlich im Haus hören können. So sei das eben bei altem Holz.

Zschäpes Verteidigern kommt diese Aussage vermutlich gelegen. Denn so werden sie argumentieren können, Beate Zschäpe habe mitbekommen, wenn jemand das Haus verließ. Am 4. November 2011 soll sie ihre Wohnung in Brand gesteckt haben, und dieser Vorwurf gehört zu jenen Punkten in der langen Anklage gegen die mutmaßliche Terroristin, der womöglich am leichtesten nachzuweisen sein wird. Zur schweren Brandstiftung kann dabei auch noch versuchter Mord kommen. Da fällt ein Nachweis deutlich schwerer.

Eine Nachbarin und zwei Handwerker, die im Auftrag der Hausverwaltung das Dachgeschoss renovierten, hätten in den Flammen umkommen können, argumentiert die Bundesanwaltschaft. Die Nachbarin ist gerade noch rechtzeitig aus der Wohnung geholt worden, und die beiden Handwerker machten Pause und waren in einem etwa 200 Meter entfernten Cafe, als sie eine Explosion hörten. "Wir waren's nicht!", habe er zu seinem Kollegen gesagt, erzählt einer von ihnen vor Gericht. Später habe er die Flammen gesehen.

Sollte am Ende der Beweisaufnahme feststehen, dass Zschäpe den Brand legte, können ihre Verteidiger immer noch argumentieren, ihre Mandantin habe unter anderem wegen der Geräusche auf der Treppe gewusst, dass die Handwerker das Haus verlassen hatten und nicht in Gefahr geraten konnten.

Der Hausverwalter schildert vor Gericht seine wenigen Erlebnisse mit den Bewohnern. Ein anderer habe einmal gesagt, er solle sich nicht wundern, "die Leute sind manchmal ein bisschen komisch". Der Verwalter wusste gar nicht, welche Mieter - und wie viele - da in der Frühlingsstraße in Zwickau eigentlich genau wohnten. Die Hausverwaltung hatte wenige Monate vor dem Brand gewechselt, die Miete sei "überpünktlich" eingegangen. Die Miete war 2011 drastisch erhöht worden, von 369 auf 389 Euro und dann auf 500 Euro kalt. In Zwickau sei die Frühlingsstraße eine "gefragte Lage", sagt der Verwalter. Früher hatten die Neonazis in einer recht heruntergekommenen Gegend gewohnt, in die Frühlingsstraße zogen sie im Jahr 2008.

Hinter einer mit Kameras gesicherten Fassade

Das Neonazi-Trio, das da hinter einer bürgerlichen, mit Minikameras gesicherten Fassade wohnte, konnte sehr penibel sein. Unter seinem Tarnnamen, auf den auch der Mietvertrag lief, hat offenbar einer von Zschäpes Freunden, also mutmaßlich Uwe Mundlos oder Uwe Böhnardt, den Verwalter im September 2011 für eine Beanstandung in die Wohnung zitiert: In der Küche würde sich der Fußboden absenken. "Vielleicht wollte er mich auch nur mal kennenlernen", sagt der Verwalter. Der Schaden sei eigentlich nicht so dramatisch gewesen, dass er den Anruf gerechtfertigt hätte.

Der Verwalter rückte in dieser Sache noch ein zweites Mal an, diesmal wurde ihm von einer Frau die Tür geöffnet, die er mittlerweile für Zschäpe hält. Als der Richter ihm Fotos anderer Personen zeigt, hält er bei einem Bild von Susann E. inne. Vom Typ her hätte es auch diese Frau sein können, sagt der Zeuge. Susann E. gilt als gute Freundin Zschäpes und soll diese oft besucht haben. Ihr Mann, Andre E., ist einer der fünf Angeklagten im NSU-Prozess.