NSU-Prozess Die Gesichter der Toten waren zerstört

Doch nun war es anders. Eine Polizeistreife näherte sich dem Wohnmobil, die beiden Polizisten erkannten das Kennzeichen, sie hörten drinnen Geräusche - so als wenn ein Stuhl verrückt würde. Und dann fiel ein Schuss. "Wir haben die Waffen gezogen", berichtet Polizist Frank Mayer, der sich mit einem Kollegen anschlich. Sofort gingen sie in Deckung hinter einem Papiercontainer. Später erfuhren sie, dass der Schuss in ihre Richtung abgegeben worden war. Dann hörten sie schon zwei weitere Schüsse. Im Abstand von wenigen Sekunden. Und dann sahen sie Flammen, die den Vorhang am Seitenfenster des Wohnmobils abbrannten. Eine regelrechte Stichflamme, sagt der Polizist vor Gericht. Starker Rauch habe den Wagen erfüllt.

Richter Manfred Götzl fragt: "Haben Sie andere Personen gesehen?" - "Nein", sagt Polizist Mayer, "eine alte Dame führte ihren Hund spazieren und der Halter des Autos, der vor dem Wohnmobil parkte, kam aus dem Haus gelaufen, um sein Auto wegzufahren." - "Sonst jemand?", fragt Götzl. "Nein, niemand."

Auch die Bundesanwaltschaft fragt nach: "Können Sie sich da festlegen?" - "Ja", sagt der Polizist. Das ist wichtig, denn immer wieder wird von einem dritten Mann geraunt, der angeblich die beiden NSU-Männer erschossen haben soll. Eine der vielen Verschwörungstheorien.

Kein Ruß in den Lungen

Als die Feuerwehr das Wohnmobil öffnete, stieß sie auf zwei Leichen. Die beiden Männer lagen auf dem Boden, die Sportkleidung mit Ruß verschmiert und angekokelt, die Gesichter bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Am Mittwoch trat der Gerichtsmediziner Reinhard Heiderstädt aus Jena vor Gericht auf, er hat die Leichen der beiden Neonazis seziert. Bei Uwe Böhnhardt fand er eine Einschusswunde an der Schläfe, der Schuss war durch den Kopf gegangen und hatte ihn quasi "von innen heraus explodieren" lassen, sagt der Mediziner. Mundlos hatte sogar noch schwerere Verletzungen.

Bei ihm fand Heiderstädt Schmauchspuren im Mund, die Kugel ging durchs Gehirn. Offensichtlich hatte sich der Neonazi einen Mundschuss versetzt. Bei beiden Leichen fand sich aber kein Ruß in den Lungen. Das hatte immer wieder Gerüchte aufkommen lassen, dass die beiden gar nicht in dem Wohnwagen gestorben waren oder eine dritte Person das Feuer legte, nachdem die beiden Männer bereits tot waren.

Doch Mediziner Heiderstädt erklärte, auch wenn die Atmung nach solchen Kopfschüssen sofort still stehe, könne er nicht ausschließen, dass Mundlos und Böhnhardt zuvor Kohlenmonoxid eingeatmet und wieder ausgeatmet haben. Das sei aber nicht mehr nachweisbar. Und nicht immer finde man Rußpartikel in den Atemwegen.

So ist nun auch der Selbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos abgearbeitet. Das Gericht wird sich im Juni den Anschlägen des NSU in Köln zuwenden.