NS-Kriegsverbrecher "Schlächter von Bozen" zurück in Italien

Michael Seifert folterte einst in Diensten der SS, dann tauchte er in Kanada unter. Nun steht dem greisen NS-Schergen die späte Strafe bevor.

Von Oliver Das Gupta

Am Samstagmorgen war es soweit: Nach mehr als sechs Jahrzehnten betrat Michael Seifert wieder italienischen Boden.

SS-Mann Michael Seifert, genannt "Mischa"

(Foto: Foto: AP)

Doch der heute 83-Jährige traf nicht freiwillig auf dem abgeschirmten Teil des römischen Flughafens Ciampino ein, denn in Italien war er vor allem eins: Ein verurteilter Mörder.

Seifert war schon im Jahr 2000 vom Militärgericht in Verona schuldig befunden worden, Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg verübt zu haben.

Seifert trägt die Verantwortung dafür, dass 1944 und 1945 in mindestens 18 Fällen Menschen gefoltert und ermordet worden waren.

Ort der Verbrechen war ein "polizeiliches Durchgangslager" in Südtirol, weshalb Seifert auch als "Schlächter von Bozen" bekannt wurde.

Während der letzten Kriegsjahre wurden in dem Bozener KZ insgesamt etwa 11.000 Juden, politische Gefangene und Deserteure in dem Lager gefangen gehalten. Das Lager gab es bis zum 3. Mai 1945 - also noch nach der Kapitulation der Deutschen in Norditalien.

Die italienischen Militärrichter verurteilten Seifert zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe - allerdings in Abwesendheit. Denn der NS-Verbrecher war bereits 1951 in Nordamerika abgetaucht.

Nach Kanada zog es den SS-Mann, dort verschleierte er bei der Einreise seine Vergangenheit. Seifert erhielt die kanadische Staatsbürgerschaft und lebte in Vancouver in der Provinz British Columbia.

2002 wurde er dort festgenommen. Seither lief ein Auslieferungsantrag der italienischen Behörden, gegen den sich Seifert mit allen Mitteln stemmte. Mitte Januar beschloss der Oberste Gerichtshof Kanadas die Auslieferung des gebürtigen Ukrainers, die nun erfolgte.

Der frühere SS-Angehörige sollte nach seiner Ankunft in Rom ins Militärgefängnis Santa Maria Capua Vetere in Kampanien gebracht werden. Doch womöglich kommt dem Greis sein fortgeschrittenes Alter zugute: Auch andere Nazi-Verbrecher durften ihre Haftstrafe im Hausarrest verbüßen.

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