Nordkorea-Konflikt Zeit für einen Besuch

Atomtest, Raketenverlegung, bluttriefende Rhetorik: Das Regime in Nordkorea schwelgt in Gewaltphantasien, von denen es sich allein nicht befreien kann. Es wird Zeit, Kim Jong Un aus der Falle zu holen, die er sich selbst gestellt hat. Am besten könnte das China gelingen.

Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Nun wird es langsam besorgniserregend, wie schnell und bedingungslos Nordkorea den Konflikt mit dem Rest der Welt sucht. Atomtest, Raketenverlegung, bluttriefende Rhetorik, Handelsstopp, die Warnung an Diplomaten und die Ausländer im Nachbarstaat Südkorea - all das könnte zu viel auf einmal sein, um es noch unter Kontrolle zu halten. Vielleicht wäre es an der Zeit, mehr über das eigentliche Motiv des Diktators für seine Kriegszündelei zu erfahren. Wenn es denn überhaupt eines gibt.

Drei Wege gibt es, Nordkorea in einen Austausch zu verwickeln: China schickt einen hohen Emissär - den wird Pjöngjang empfangen müssen. Oder die Vereinten Nationen entsenden einen Vertreter, vielleicht nicht gerade den Südkoreaner Ban Ki Moon. Oder die USA umgarnen Kim Jong Un mit, zum Beispiel, Bill Clinton.

Am meisten Sinn hätte eine Mission der Chinesen, von der die Welt nicht viel erfahren muss, lediglich eines: Was will Kim? Vielleicht reicht auch schon ein Blick aus dem Fenster auf dem Weg nach Pjöngjang: Da wird man - allen verfügbaren Berichten nach zu urteilen - nach wie vor bittere Not und unglaubliche menschliche Härte sehen. Das Regime hat nicht an Brutalität verloren. Über Kims Motiv herrschte dann Klarheit: Er will mit seinem System überleben, weiß aber nicht mehr wie. Eine Erkundungsmission wäre zwingend, auch um notfalls den Mann von Untergangsphantasien zu befreien.