Neue SZ-Serie Der Weg nach Berlin

Politiker "sind doch alle gleich", lautet das Pauschalurteil vieler Deutscher. Sind sie nicht. Die "Süddeutsche Zeitung" begleitet bis zur Bundestagswahl 2013 sieben Menschen aus sieben Parteien auf ihrem Weg in die Politik - Fehler, Rückschläge und Niederlagen inklusive.

Von Nico Fried, Berlin
Weg nach Berlin Alle Politiker im Überblick
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Am Dienstag, den 27. Oktober 2009, stellte Heinz Riesenhuber eine wirklich bemerkenswerte Frage. Es war der Tag, an dem der neu gewählte Bundestag zum ersten Mal zusammentrat. Der Abgeordnete Riesenhuber aus dem Wahlkreis Main-Taunus, Jahrgang 1935 und unter Bundeskanzler Helmut Kohl Forschungsminister, hielt in dieser Sitzung als Alterspräsident die Eröffnungsrede. Und die Frage, die er aus dem Parlament heraus an die Bürgerinnen und Bürger stellte, lautete: "Wann haben Sie Ihren Abgeordneten das letzte Mal geknuddelt?"

Auf manche seiner Kolleginnen und Kollegen im Plenum wirkte diese Frage so befremdlich wie Riesenhubers Fliegen, die der schlaksige Mann schon immer statt Krawatte trägt. Andere reagierten schlicht belustigt. Aber in gewisser Weise hatte Riesenhuber nur die Frage nach dem Verhältnis zwischen Bürgern und Abgeordneten gestellt. Man muss sich ja nicht gleich lieb haben. Aber wie gut kennen die Wähler eigentlich die von ihnen Gewählten? Und wer wüsste wohl, wenn er denn seine Abgeordnete oder seinen Abgeordneten knuddeln wollte, wen genau er da überhaupt knuddeln müsste?

"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", heißt es im Grundgesetz. Unter anderem wählt das Volk zu diesem Zweck Abgeordnete "in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl" in den Bundestag. Sie sind die Volksvertreter, frei in ihren Entscheidungen, niemandem verpflichtet, nur ihrem Gewissen. Bisweilen aber wirkt es in Deutschland so, als existierten Volk und Vertreter auf zwei getrennten Ebenen. Dabei handelt es sich eigentlich um ein relativ enges Verhältnis, durchaus vergleichbar dem zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Möglicher Kündigungstermin: alle vier Jahre. Und Politiker sind nicht nur unter uns - sie sind wir.

Weg nach Berlin Das ist Charles M. Huber
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>> SZ-Serie: Der Weg nach Berlin // CDU-Politiker Charles Huber im Kurzporträt <<

Weit mehr als 600 Abgeordnete gehören dem Bundestag an. Aber großen Teilen des Volkes sind nur wenige prominente Politiker bekannt, die in Regierung, Parteien und Fraktionen die Spitzenämter innehaben. Selbst da gibt es Lücken: Peter Altmaier, den Umweltminister, der zuvor immerhin Parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Fraktion war, kannten ausweislich einer Umfrage des Spiegel auch zwei Monate nach seinem Aufstieg ins Kabinett nur 65 Prozent der Befragten. Trotz großer Debatten um die Energiewende waren es fünf Monate nach seiner Ernennung noch immer nur 75 Prozent. Doch es geht noch deprimierender: Hans-Peter Friedrich, Bundesinnenminister und wegen der NSU-Morde häufig im Mittelpunkt, kennen eineinhalb Jahre nach Amtsantritt nur etwas mehr als die Hälfte der Bürger.

Weg nach Berlin Das ist Judith Skudelny
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>> SZ-Serie: Der Weg nach Berlin // FDP-Politikerin Judith Skudelny im Kurzporträt <<

Vielleicht auch deshalb äußern sich Deutsche über ihr politisches System häufig in einem umfassenden Sinne. Je unzufriedener die Bürger sind, desto mehr kritisieren sie das Ganze, obwohl das die Kritik gerade nicht konkretisiert, sondern eher diffus erscheinen lässt: Da ist "der Staat", der seine Bürger schikaniert. Da sind "die Politik" oder "die Politiker", die falsch entscheiden, oder "die da oben", die sich nach einer weit verbreiteten Meinung nur die Taschen vollstopfen. Der äußerste Ausdruck dieser pauschalisierenden Abgrenzung lautet: "Die sind doch alle gleich." Sind sie nicht.

Die Süddeutsche Zeitung wird in den kommenden knapp zwölf Monaten bis zur Bundestagswahl versuchen, ihren Leserinnen und Lesern einige der Bürgerinnen und Bürger näherzubringen, die von 2013 an ihre Volksvertreter sein wollen. Dafür werden sieben Kandidatinnen und Kandidaten aus sieben Parteien begleitet, einige von der Nominierung bis zum Wahltag. Manche sind schon Abgeordnete, andere wollen es werden. Erfahrung und Erneuerung. Sieg und Niederlage.

Weg nach Berlin Das ist Sabine Poschmann
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>> SZ-Serie: Der Weg nach Berlin // SPD-Politikerin Sabine Poschmann im Kurzporträt <<

Wer sind diese Leute, die nach Berlin wollen? Und warum bemühen sie sich um ein Mandat? In loser Folge - meistens in kurzen Texten - berichten SZ-Reporter über Personen und Motive; über den Wahlkampf, über Ereignisse wie die Listenaufstellung, die vor allem in kleineren Parteien, die wenig Aussicht auf Direktmandate haben, schon vorentscheidend für den Einzug ins Parlament sein kann; über den Besuch eines Spitzenkandidaten oder auch der Kanzlerin im Wahlkreis; darüber, wie vielleicht eine Dienstwagenaffäre in Berlin plötzlich die Chancen eines Kandidaten in der Provinz zunichtemachen kann. Oder auch, wie sich die Kandidaten an Info-Ständen und bei Twitter schlagen. Wer eine Folge verpasst hat oder das bisher Erschienene im Zusammenhang lesen will, wird alle früheren Folgen auf SZ.de finden.

Weg nach Berlin Das ist Petra Zais
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>> SZ-Serie: Der Weg nach Berlin // Grünen-Politikerin Petra Zais im Kurzporträt <<