Neonazi Jürgen Rieger tot NPD verliert wichtigen Geldgeber

NPD-Vize Rieger, dem seine Partei eigentlich zu weich war, ist den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. Sein Tod dürfte die NPD finanziell schwer treffen.

Von Ralf Wiegand

Der Hamburger Neonazi und NPD-Vizevorsitzende Jürgen Rieger ist am Donnerstag an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Dies teilte die Familie des rechtsextremen Anwalts der Agentur dpa mit, gleichzeitig veröffentlichte der niedersächsische Neonazi und NPD-Politiker Thomas Wulff, genannt "Steiner", eine entsprechende Nachricht auf Riegers Internetseite. "Heute Mittag, kurz nach 13 Uhr, hörte sein starkes Kämpferherz auf zu schlagen", hieß es dort.

Starb im Alter von 63 Jahren: NPD-Vizechef Jürgen Rieger

(Foto: Foto: ddp)

Rieger hatte vor fünf Tagen während einer NPD-Sitzung den Schlaganfall erlitten. Verfassungsschützer erwarten, dass nach dem Tod des Finanziers der Szene sich einiges neu sortiert.

Gutgefüllte Konten

"Rieger war sehr gut vernetzt", sagte die Sprecherin des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Marion Brandenburger, der Süddeutschen Zeitung, "einen eindeutigen Nachfolger mit ähnlichen finanziellen Möglichkeiten sehen wir nicht."

Die NPD hatte vergeblich auf die Genesung Riegers gehofft. Ohne das Geld des 63-Jährigen ginge es der Partei vermutlich noch schlechter als ohnehin. Er war Kreditgeber und Spender der NPD, die von Unterschlagungsaffären und Prozessen gebeutelt vor der Pleite steht.

Rieger, Spezialist für Erbrecht, soll seine Konten nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer durch Immobilienhandel und Erbschaften gut gefüllt haben. Altnazis vermachten ihr Gespartes häufig ihm und seinen altgermanischen Organisationen als Nachfolger im Geiste.

Wie Rieger selbst seinen Nachlass geregelt hat, ist unbekannt. Keines seiner vier Kinder gehört laut Verfassungsschutz der rechten Szene an. Rieger besaß Immobilien in Skandinavien, Nord- und Ostdeutschland. Dazu hatte er etliche die Rassenideologie der Nazis pflegende Organisationen gegründet.

Für Rieger war die NPD zu weich

Wer die Führung dort übernehmen werde, sagte der Hamburger Verfassungsschützer Manfred Murck der SZ, "sind spannende Fragen, die uns jetzt interessieren".

Der ultrarechte Rieger und die NPD standen sich seit jeher skeptisch gegenüber. Für die Partei war Rieger zu radikal, ihm war die NPD zu weich. "Nationalkonservative Gutmenschen" nannte er zu bürgerliche Funktionäre.

Allerdings glaubte Rieger offenbar an die Nützlichkeit einer rechten Partei und trat 2006 nach langem Zögern der NPD bei. Dass er direkt Stellvertreter des Vorsitzenden Udo Voigt und Hamburger Landeschef wurde, dürfte er vor allem seinen Darlehen zu verdanken haben.

Seine Rolle als Kreditgeber stellte Rieger selbst dar auf seiner "Heimseite im Weltnetz", wie er seinen Internet-Auftritt nennt. So habe er verschiedenen Landesverbänden fast eine halbe Million Euro geliehen. Für den Verfassungsschutz ist es eine zentrale Frage, ob Riegers Erben Kredite zurückfordern werden. "Da kommt einiges in Bewegung", glaubt Murck.

Seine Kollegin Brandenburger erwartet nun aufwendige Trauerfeiern und Gedenkveranstaltungen. "Wir werden mit Rieger über seinen Tod hinaus zu tun haben." Der Totenkult begann schon am Donnerstagabend. "Der Anwalt für Deutschland", fabulierte Thomas Wulff, "ist tot."