Nato-Studie zu Afghanistan Fehler in Statistik zu Taliban-Angriffen

Erst verkündete die Nato, es habe 2012 weniger Taliban-Angriffe in Afghanistan gegeben. Nun stellt sich heraus: Die Statistik war falsch, die Gewalt im Land ist ebenso hoch wie im vergangenen Jahr. Trotzdem sprechen Nato und Bundeswehr weiterhin von Fortschritten.

Von Tobias Matern

Mit Statistiken in Afghanistan tut sich der Westen zunehmend schwer. Die Internationalen Schutztruppe (Isaf) in Kabul hatte kürzlich erklärt, die Zahl der Taliban-Angriffe sei 2012 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gesunken. Am Mittwoch ruderte das Bündnis zurück: Die Statistik sei fehlerhaft gewesen, die Zahl der Angriffe doch nicht zurückgegangen. "Einige Daten wurden falsch in die Datenbank eingegeben", teilte eine Isaf-Sprecherin mit. Nach einer erneuten Durchsicht habe man " festgestellt, dass es in der Gesamtzahl der feindlichen Angriffe von 2011 auf 2012 keine Änderung gegeben hat". Durchaus überraschend klingt nun aber die Schlussfolgerung: Die Mission in Afghanistan mache trotzdem "Fortschritte".

Ähnlich hatte schon vor kurzem die Bundeswehr die Lage in ihrem Einsatzgebiet dargestellt. Angriffe der Aufständischen im Norden seien 2012 zurückgegangen, hieß es zunächst. Kurze Zeit später musste das Bundesverteidigungsministerium einräumen: Die Statistik habe auf fehlerhaften Angaben der afghanischen Partner basiert - die Angriffe seien doch nicht weniger geworden. Trotzdem hielt Berlin, genau wie nun die Isaf, an der Einschätzung fest: In Afghanistan geht es vorwärts.

Einige Fragen bleiben: Wo genau liegen die Fortschritte, wenn die Zahl der Angriffe nicht zurückgeht? Warum bleibt die Einschätzung zum Stand der Mission gleich, obwohl die Zahlen fehlerhaft waren? Diese Einwände ließ die Isaf-Sprecherin am Mittwochnachmittag auf Nachfrage unkommentiert. Thomas Ruttig vom Afghanistan Analysts Network in Kabul findet, eine Gewaltstatistik für Afghanistan, die sich ausschließlich auf das Vorjahr beziehe, "verschleiere" den längerfristigen negativen Trend.

In der Zeit von 2002 bis 2010 sei es kontinuierlich abwärts gegangen, seitdem verharre die Gewalt auf hohem Niveau. Dies auszusprechen, sei politisch allerdings nicht mehr opportun, sagte der Experte. Schließlich solle der für das 2014 festgelegte Abzugstermin der westlichen Kampftruppen nicht infrage gestellt werden. Egal, wie der Stand der Mission eigentlich genau ist.