Nach Überraschungserfolg bei Parlamentswahl Grillo sagt Italien den Zusammenbruch voraus

Beppe Grillo: Das politische System Italiens wird kollabieren.

(Foto: ROPI)

"Dann ist hier Schluss": Der Überraschungssieger der Parlamentswahl in Italien gibt dem politischen System seines Landes keine Chance mehr. Die alten Parteien würden nur noch sechs Monate durchhalten. Sein Notfallplan: raus aus dem Euro und zurück zur Lira.

Der Überraschungssieger der Parlamentswahl in Italien, Beppe Grillo, rechnet damit, dass das politische System seines Landes noch in diesem Jahr zusammenbrechen wird.

"Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate - und dann ist hier Schluss", sagte der prominente Komiker dem Nachrichtenmagazin Focus. "Dann können sie die Renten nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr".

Den Altparteien unterstellte er, keine ernsthaften Reformen zu wollen. "Sie bluffen nur, um Zeit zu gewinnen."

Grillos neue Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) war bei der Wahl Ende Februar mit 25,55 Prozent auf Anhieb stärkste Einzelpartei im Abgeordnetenhaus geworden.

Der Gründer der Partei Fünf Sterne forderte, Italiens Staatsschulden neu auszuhandeln: "Wir werden erdrückt - nicht von dem Euro, sondern von unseren Schulden. Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot. Es gibt da keine Alternativen."

Grillo verglich den Staat mit einer Aktiengesellschaft: "Wenn ich Aktien einer Gesellschaft gekauft habe, die bankrott geht, dann habe ich eben Pech. Ich habe riskiert - und verloren." Wenn sich die Bedingungen nicht änderten, wolle Italien den Euro verlassen und zur Lira zurückkehren.

"Das hier ist jetzt die Generalprobe"

Weder mit dem Linksdemokraten Pier Luigi Bersani noch mit dem rechtskonservativen Silvio Berlusconi wolle er eine Koalition eingehen. Das Linksbündnis um Bersani hatte zwar die Mehrheit der Sitze im Abgeordnetenhaus errungen, im Senat hatte aber das Rechtsbündnis seines Rivalen Silvio Berlusconi aufgetrumpft. Damit kann kein Bündnis allein regieren.

"Wenn die PD Bersanis und Berlusconis PdL vorschlagen würden: sofortige Änderung des Wahlgesetzes, Streichung der Wahlkampfkostenerstattung, maximal zwei Legislaturperioden für jeden Abgeordneten - so eine Regierung würden wir selbstverständlich sofort unterstützen", sagte er. "Aber sie werden das nie tun."

Grillo zeigte sich erleichtert, dass seine Bewegung nicht gleich eine Regierungsmehrheit bekommen hat. "Das hier ist jetzt die Generalprobe", sagte er. "Wir wären vielleicht etwas besorgt gewesen, wenn wir gleich die Mehrheit bekommen hätten."