Mysteriöse Todesfälle Nationalisten bekennen sich zu Morden an ukrainischen Regierungskritikern

  • Mehrere Morde an prorussischen Regierungskritikern beschäftigen derzeit die Ukraine. Nun hat sich eine nationalistische Gruppe zu den Taten bekannt.
  • In einem Bekennerschreiben, droht die Gruppe mit weiteren Morden an "antiukrainischen" Personen, wenn diese binnen einer 72-Stunden-Frist nicht das Land verlassen.
  • Russland spricht von "politischem Terror".

Kiew verdächtigt Russland

Nach den Morden an zwei bekannten prorussischen Regierungskritikern in der Ukraine hat sich eine nationalistische Gruppe namens Ukrainische Aufständische Armee (UPA) zu diesen und anderen Taten bekannt.

In E-Mails an den Oppositionsblock im Parlament und den bekannten Politologen Wladimir Fessenko drohte die Organisation damit, weitere "antiukrainische" Personen zu töten, sollten diese nicht das Land innerhalb von 72 Stunden verlassen. "Die Zeit des Volkszorns ist gekommen", heißt es in der Mitteilung. Das Ultimatum läuft demnach am Montagabend aus. Der Regierungsbeamte Anton Geraschtschenko vom Innenministerium in Kiew bezeichnete die Absender als Psychopathen.

In Kiew geht man davon aus, dass Russland die Morde an dem Publizisten Oles Busina und dem Ex-Abgeordneten Oleg Kalaschnikow initiiert hat. Die Verbrechen sollen demnach die Gesellschaft in dem von einer Wirtschaftskrise und einem Krieg gegen Separatisten erschütterten Land weiter spalten.

Das russische Außenministerium wies solche Vorwürfe empört zurück. Sollte die Ukraine die Bluttaten nicht schnell und lückenlos aufklären, drohe dem Land eine langfristige Destabilisierung und "politischer Terror", hieß es. Auch die Vereinten Nationen forderten eine völlige Aufklärung. Die Verbrechen seien beunruhigend, sagte eine Sprecherin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, in Genf. Nötig seien eine "schnelle, unabhängige und glaubwürdige Untersuchung" sowie die Bestrafung der Verantwortlichen. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow kündigte eine "intensive Untersuchung" an.

Zehn Todesfälle innerhalb mehrerer Wochen

Kurz hintereinander waren in der Ukraine zwei prominente Regierungsgegner der Ukraine getötet worden. Unbekannte erschossen in Kiew den Publizisten und den Oppositionellen Oles Busina. Am Vorabend war der frühere Parlamentsabgeordnete Oleg Kalaschnikow von der prorussischen Partei der Regionen des 2014 gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch in Kiew getötet worden. Die Täter entkamen jeweils unerkannt, wie Behörden mitteilten.

Der prowestliche ukrainische Präsident Petro Poroschenko zeigte sich besorgt über die Vielzahl an Todesfällen in den Reihen der Regierungskritiker. Er sprach von einer Serie politischer Verbrechen. Medien berichteten von mehr als zehn Todesfällen in den vergangenen Wochen, die meisten davon angeblich "Selbstmorde" (ein Überblick).

Androhung weiterer Attentate

In dem angeblichen Bekennerschreiben der Ukrainischen Aufständische Armee (UPA) drohen die Verfasser mit der "vollständigen Ausrottung" der Feinde der Ukraine. "Wir entfalten einen gnadenlosen aufständischen Kampf gegen das antiukrainische Regime der Verräter und Moskauer Speichellecker", heißt es etwa.

Der Name Ukrainische Aufständische Armee spielt auf eine nationalistische westukrainische Partisanenorganisation während und nach dem Zweiten Weltkrieg an. Die Mitglieder waren für Massaker an Polen und Juden 1943 in Wolhynien verantwortlich.

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