Islamistischer Präsident in Ägypten Mursi will Beziehungen zu Iran stärken

Wie wird sich Ägypten unter dem ersten islamistischen Präsidenten entwickeln? In seiner Antrittsrede versucht Mohammed Mursi, Ängste zu zerstreuen - und schlägt sowohl nach innen wie nach außen beschwichtigende Töne an. Doch eine Aussage Mursis zu Iran zeigt, dass sich mit ihm als Staatsoberhaupt durchaus etwas ändern dürfte.

Eine Mehrheit der Ägypter hat Mohammed Mursi zum Präsidenten Ägyptens gewählt - wohl auch, weil viele in ihm den Mann sehen, der das Land endgültig vom alten System des gestürzten Machthabers Hosni Mubarak befreien kann. Allerdings herrschen durchaus Befürchtungen, der Islamist wolle das Land zu einem islamistischen Staat machen. Auch außenpolitisch schafft der Wechsel in Ägypten neue Unsicherheiten.

Bejubelt von Anhängern: Mohammed Mursi nach der Bekanntgabe seines Sieges bei der ägyptischen Präsidentschaftswahl.

(Foto: AFP)

Nun scheint Mursi bemüht, entsprechende Ängst zu zerstreuen und seine Anbindung an die Muslimbrüder zumindest offiziell zu lösen. Die konservativ-religiöse Muslimbruderschaft erklärte nach dem Sieg ihres Kandidaten die Mitgliedschaft Mursis ägpytischen Medienberichten zufolge für beendet. Dies gelte auch für das Verhältnis des gewählten Präsidenten zu der von der Bruderschaft gegründeten Partei Freiheit und Gerechtigkeit (FJP), erklärte der Generalsekretär der Muslimbruderschaft, Mahmud Hussein. Bereits am Sonntag hatte Mursi formell auf den Vorsitz in der FJP verzichtet, den er bis dahin innehatte.

In seiner am Sonntagabend im Fernsehen übertragenen Antrittsrede sagte Mursi, er sei ein "Präsident für alle Ägypter". Seine Landleute rief er zur nationalen Einheit auf. Diese sei der der einzige Ausweg aus "diesen schwierigen Zeiten", sagte der erste Islamist an der Spitze des Staates.

Die ägyptische Wahlkommission hatte Mursi am Sonntag zum Sieger der ersten freien Präsidentschaftswahl in der Geschichte des Landes erklärt. Nach Angaben der Wahlkommission konnte sich der Kandidat der islamistischen Muslimbruderschaft bei der Stichwahl um das Präsidentenamt mit 51,7 Prozent der Stimmen knapp gegen seinen Herausforderer, den früheren Ministerpräsidenten Ahmed Schafik, durchsetzen.

In einer Geste an Aktivisten würdigte der 60-Jährige Mursi auch die fast 900 Demonstranten, die bei dem Volksaufstand gegen den früheren Machthaber Mubarak im vergangenen Jahr getötet wurden. Ohne "das Blut, die Tränen und Opfer der Märtyrer" hätte er es nicht bis zur Präsidentschaft gebracht, sagte Mursi. Die Revolution gehe so lange weiter, bis "alle ihre Ziele erreicht" seien.

Auf dem Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo feierten Hunderttausende Menschen den Sieg Mursis. Dagegen herrschten in dem Hotel am Stadtrand, in dem sich das Wahlkampfteam Schafiks und Anhänger versammelten hatten, Entsetzen und Wut. Der frühere Regierungschef selbst gratulierte Mursi allerdings und wünschte ihm Erfolg bei der "schwierigen Aufgabe", die das ägyptische Volk ihm anvertraut habe, wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena meldete.