Messerattacke Safia S., Kinderstar der Salafisten

Das 15-jährige Mädchen, das in Hannover einem Bundespolizisten ein Messer in den Hals rammte, trat als Siebenjährige in Youtube-Videos auf - gemeinsam mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel.

Von Lena Kampf, Berlin

Mit klarer, heller Stimme singt Safia S. aus ihrer heiligen Schrift, dem Koran. Ihr offenes Gesicht ist umrahmt von einem rosa Kopftuch. "Die ist ja besser als ich", scherzt Pierre Vogel, als das Mädchen geendet hat. Der Bonner Salafistenprediger fragt Safia nach ihrem Nachnamen. "Ein deutscher Nachname", ruft Vogel. "Das ist der Nachwuchs in Deutschland!" Er lobt die Eltern, die das Kind so früh an die strenge Auslegung des islamischen Glaubens herangeführt hätten.

In dem Youtube-Video ist Safia S. sieben Jahre alt - ein Kind, das die religiösen Gesänge auf Arabisch so schön vorträgt, dass sie bereits ein kleiner Star in der salafistischen Szene ist. Ihre Mutter übe jeden Tag mit ihr, erzählt sie. Sie wolle nach den Bräuchen des Islams leben und sterben, sagt sie in einem anderen Video.

Heute ist Safia S. 15 Jahre alt und sitzt seit einer Woche wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Am Freitag vergangener Woche hat sie einem Bundespolizisten in Hannover ein Messer in den Hals gerammt. Nun verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Tat möglicherweise einen politischen Hintergrund hatte. Seit Januar soll die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Safia S. wegen des Verdachts auf die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermitteln.

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Hat Safia S. spontan zugestochen - oder die Tat geplant?

Der Bundespolizist hatte Safia S. für eine Routinekontrolle im Hauptbahnhof angehalten. Zunächst händigte Safia S. dem Polizisten ihren Ausweis aus, dann zückte sie ein Küchenmesser mit sechs Zentimeter langer Klinge aus ihrem Ärmel. Nach Informationen des Spiegel hat Safia S. den Angriff womöglich geplant oder zumindest durch auffälliges Verhalten provoziert. Ein zweites Messer ist bei ihr sichergestellt worden. S. soll in einer Vernehmung jedoch gesagt haben, sie habe spontan zugestochen. Der verletzte Beamte ist mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft leidet der 34-Jährige nun unter erheblichen psychischen Folgen.

Die Mutter von Safia hatte sie im Januar als vermisst gemeldet, konnte ihre Tochter aber wenig später in Istanbul abholen. Ob sich S. von dort nach Syrien absetzen wollte, um sich einer islamistischen Organisation anzuschließen, ist noch unklar. Laut Staatsanwaltschaft Hannover gibt sie selbst an, aus "touristischen Motiven" in der Türkei gewesen zu sein. Ihre beiden Brüder hätten jedoch von dort ausreisen wollen. Einer habe sich in Syrien dem sogenannten Islamischen Staat angeschlossen, der andere soll in der Türkei festgenommen worden sein, heißt es aus Ermittlerkreisen. Die Staatsanwaltschaft konnte diese Information nicht bestätigen.

Der Salafistenprediger Vogel, mit dem Safia S. als Kind immer wieder bei Koranrezitationen in Hannoveraner Moscheen zu sehen ist, war in Hannover wiederholt Gast bei den Vereinen "Schlüssel zum Paradies" und "Deutsch-Islamischer Gesprächskreis". Beide Vereine werden vom niedersächsischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet.