Mehrere Verletzte in Kairo Maskierte schießen Schrot auf Mursi-Gegner

Vor den für heute angekündigten Massenkundgebungen von Anhängern und Gegnern des ägyptischen Präsidenten Mursi haben Maskierte mit Schrot auf oppositionelle Demonstranten gefeuert. Neun Menschen wurden dabei verletzt. Die Regierungsgegner diskutieren über einen Boykott des Verfassungsreferendums.

Bereits vor den angekündigten Massenkundgebungen zwischen Anhängern und Gegnern des ägyptischen Präsidenten Mursi ist es in Kairo zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Neun Menschen wurden dabei auf dem Tahrir-Platz verletzt.

Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und dapd übereinstimmend berichten, schossen Unbekannte auf oppositionelle Demonstranten. Dapd meldet, dass die maskierten Angreifer mit Schrot gegen die Regierungsgegner vorgingen. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete, dass der Schießerei ein Streit zwischen Demonstranten und Straßenhändlern vorangegangen war. Der britische Sender BBC hatte zuvor unter Berufung auf Augenzeugen gemeldet, das Lager der Opposition auf dem Tahrir-Platz sei auch mit Brandsätzen attackiert worden.

In vier Tagen sollen die Ägypter über eine neue Verfassung abstimmen. Den Entwurf der islamistisch dominierten Verfassungsgebenden Versammlung lehnt die Opposition ab, hat aber bisher nicht zu einem Boykott des Referendums oder einer Ablehnung des Entwurfs an den Wahlurnen aufgerufen. Darüber werde aber noch diskutiert, sagte ein Sprecher der Nationalen Heilsfront, der oppositionellen Dachorganisation von Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei.

Auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz campieren derzeit viele oppositionelle Demonstranten. Sie wollen an diesem Dienstag mit einem Marsch zum Präsidentenpalast gegen die von Mursi angesetzte Abstimmung über die islamistisch geprägte Verfassung protestieren. Die Organisatoren erklärten, sie hätten die Routen für ihre Protestmärsche so gewählt, dass Zusammenstöße mit den Islamisten vermieden würden. Diese planen zur gleichen Zeit Solidaritätskundgebungen für Mursi.

Westerwelle: Wir wollen den Erfolg der Revolution

Die EU-Außenminister hatten bei ihrem Treffen in Brüssel beide Lager zu einer friedlichen Beilegung des Streits aufgerufen. "Das ist eine sehr fragile Lage", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. "Es ist eine Lage, die mich auch deswegen so besorgt, weil wir den Erfolg der ägyptischen Revolution wollen." Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte: "Der Weg zur Demokratie ist wirklich steinig, aber es ist wichtig, dass die Bürger sich engagieren."

Vor dem Verfassungsreferendum hat Mursi den Streitkräften Polizeiaufgaben übertragen. Die Armee darf somit auch Zivilisten festnehmen. Darüber hinaus sollen die Soldaten auch zum Schutz wichtiger Einrichtungen eingesetzt werden.

Vergangene Woche war es bei Protesten gegen mittlerweile aufgehobene Machtdekrete Mursis zu Straßenschlachten gekommen. Sieben Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt.