Deutsche Marine Ist die Marine noch einsatzfähig?

Am 1. August erlöste die promovierte Physikerin Katrin Suder den Generalinspekteur von seinen zusätzlichen Aufgaben und übernahm das Amt der Rüstungs-Staatssekretärin. Ministerin von der Leyen hatte sie von der Beratungsgesellschaft McKinsey geholt - mit einem klaren Auftrag: Ordnung im Rüstungswesen zu schaffen. Mitte August wurde Suder per Vorlage über die "Wiederaufnahme Flugbetrieb" informiert - zu der es allerdings faktisch nicht kam.

Am Donnerstag vergangener Woche zeichnete sie dann jene Vorlage ab, in der das ganze Ausmaß der Sea-Lynx-Ausfälle offenbar wird. Dabei machte sie auch eigene Anmerkungen auf dem Dokument: "Bitte WV sobald Ursachen bzw. Handlungsplan klar ist. Gibt es Alternativen, ggfs. temporär?" Mit WV dürfte unzweifelhaft "Wiedervorlage" gemeint sein.

Einsatz am Horn von Afrika in Gefahr?

Die Sea-King-Flotte kann also wegen Altersschwäche zum allergrößten Teil nicht fliegen, die Sea-Lynx-Flotte muss wegen Rissen am Heck am Boden bleiben - was heißt das nun für die Einsatzfähigkeit der Marine? Das Ministerium versuchte am Montag, dem Eindruck entgegenzutreten, die Teilnahme der Fregatte Lübeck an der Anti-Piraterie-Mission "Atalanta" am Horn von Afrika sei durch den Ausfall wertlos: Erstens werde die deutsche Fregatte durch ein Flugzeug unterstützt, den Seefernaufklärer P-3C Orion - zweitens verfügten andere Schiffe in dem internationalen Verband über Hubschrauber. Der Einsatz der Lübeck sei also nie gefährdet gewesen, so die Botschaft - dies dürfte das Ministerium auch den Abgeordneten auf ihre Frage entgegen, warum sie nicht früher informiert wurden.

In der Vorlage, die am vergangenen Donnerstag bei Staatssekretärin Suder auf dem Schreibtisch lag, heißt es dazu allerdings in beamtisch-nüchterner Klarheit: "Der Ausfall der Einschiffung von zwei Hubschraubern Mk88A auf der Fregatte Lübeck im Rahmen der Teilnahme an der Operation Atalanta bedeutet einen erheblichen Fähigkeitsverlust für den Einsatzverband und die Auftragserfüllung."