Das Sterben in Duisburg war nicht unausweichlich. Die Katastrophe setzt sich zusammen aus Untätigkeiten und Fahrlässigkeiten und hat deshalb eine kriminelle Dimension. Die Justiz ist in der Pflicht, die Schuldfrage zu klären - auch wenn sie kompliziert ist.
In vielen Klagen über das furchtbare Unglück in Duisburg kommt das Wort "tragisch" vor. Es ist das falsche Wort. Ein tragisches Ereignis ist ein schicksalhaftes und unausweichliches Ereignis. Das Sterben in Duisburg war aber nicht unausweichlich. Dort sind junge Menschen nicht zwangsläufig einem tödlichen Schicksal verfallen, das von nichts und niemandem aufgehalten werden konnte. Die Katastrophe war nicht Ergebnis höherer Gewalt; sie war vermeidbar. Sie ist das Produkt einer Summe von Fehlentscheidungen, deren erste es war, diese Veranstaltung an einem objektiv ungeeigneten Ort zu planen und zu genehmigen. Es gibt eine ganze Kette von Entscheidungen, Nichtentscheidungen, Ungereimheiten und Vorwürfen.
Bild vergrößern
Der Tunnel, in dem es zur Katastrophe kam: Das Sterben in Duisburg war nicht unausweichlich. (© getty)
Anzeige
In dieser Kette zeigt jeder auf den anderen: Die Politiker zeigen auf die Veranstalter, die Veranstalter auf die Polizei, die Polizei zeigt zurück auf die Veranstalter. Und der angebliche Sachverständige spricht von angeblichen Zwangsläufigkeiten. Das ist nicht tragisch, sondern widerlich.
Der Katastrophe von Duisburg folgt also eine Art Entschuldungs- und Abwiegelei-Katastrophe der daran Beteiligten. Nun muss man nicht unbedingt erwarten, dass diese sich öffentlich an die Brust klopfen und ihre Schuld bekennen. Aber sie könnten wenigstens den Mund halten und die Prüfung der Schuldfrage der dafür berufenen Institution überlassen - der Justiz.
Die Katastrophe von Duisburg setzt sich zusammen aus Untätigkeiten und Fahrlässigkeiten, sie hat deshalb eine kriminelle Dimension. Diese gilt es auszuloten und am Paragraphen 222 des Strafgesetzbuches zu messen. Es geht um fahrlässige Tötung: "Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Sinti und Roma als Nachbarn? Bloß nicht, sagen zwei von drei Deutschen. Über Menschen, die im eigenen Land Fremde sind. Seite Drei. Jetzt lesen ...
- Loveparade: Rainer Schaller Heftige Vorwürfe gegen Veranstalter der Loveparade 20.10.2010
- Loveparade in Duisburg Zu wenig Ordner am Tunnel 26.07.2010
- Duisburg und die Loveparade Das riskante Spiel um ein besseres Image 27.07.2010
- Tragödie bei der Loveparade Bum, Bum, Bum 27.07.2010
- Loveparade: Fall für Presserat Bild des Grauens - Proteste gegen Presse 27.07.2010
- Nach Mafia-Morden von Duisburg Italienische Justiz lässt verurteilte Mafiosi frei 08.11.2011
- Adolf Sauerland Duisburger Oberbürgermeister droht die Abwahl 17.10.2011
Vor Energiegipfel in Berlin
in der bisherigen berichterstattung auf alles Mögliche - nur nicht darauf, dass die Polizei Sperren "aufgab", die die Leute zurückhielten und weiter hätten zurückhalten können?
Ja, das muss man aufarbeiten.
...das ist wohl etwas sehr einfach gedacht!
mag sein, dass viele der Besucher gerne Drogen konsumieren, mag sein das einige durch (nichtvorhandene) Kleidung provozieren. Und in welcher Generation bitte, gab's das nicht? Ich selbst habe zwar die Loveparade nie besucht, aber mir scheint, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Besucher auch ohne Drogen auskommt. Das sind einfach junge Menschen, die sich an dem Wochenende amüsieren wollten. Vielleicht mit Alkohol, aber bitte, den trinkt man auf der Wies'n auch, in rauhen Mengen und manch einer weit mehr als er verträgt!
Die Jungen (oder Junggebliebenen) provozieren die Älteren, das scheint eine normale Phase im Erwachsen-werden-Prozess zu sein, die die Mehrzahl der Menschen durchläuft. Gerade von jungen Menschen zu erwarten, die Situation (eventuell noch in einer fremden, unbekannten Stadt!) korrekt einschätzen zu können und dann objektiv und ohne (weitere) Panik auf die beengende, eskalierende Situation im Tunnel zu reagieren, ist schlicht absurd. Zudem war die Situation als solche wohl auch für "erfahrenere" Menschen kaum als so gefährlich zu identifizieren, zumindest wenn man sich unten in der Masse befand...
Korrekt ist: die Schuldfrage muss untersucht werden und wenn es nur dazu dient, die Verantwortlichen wach zu rütteln. Objektiv die Situation einschätzen kann man als Außenstehender nur schwer: ich hörte, der Tunnel sei als einziger Zu- und Abgang gedacht gewesen, wenn dem so war: in meinen Augen unverantwortlich, offensichtlich hat die Menge an Besuchern (wie viele dies nun auch immer waren) mehr als ausgereicht um den Tunnel zu verstopfen. Man vergleiche dies mit einer Einbahnstraße, an deren Ende plötzlich eine Sackgasse ist und ein Polizist meint, man solle doch durch die selbe Starße wieder zurück...viel Spaß, bei entsprechendem Verkehr...aber zurück: ich komme nicht aus Duisbug, war noch nie da und kenne das Gelände nicht. Was an welchen Schuldzuweisungen nun stimmt oder nicht kann ich daher kaum einschätzen. Die Schuld aber auf die Besucher abzuwälzen ist in jedem Fall schäbig und billig. Was würde das denn in Konsequenz bedeuten? Ich gehe nirgendwo mehr hin, denn wer weiß, wenn mir die Decke des Schwimmbads auf den Kopf fällt, bin ich evtl. selbst schuld? Wem dieser Vergleich zu unfair erscheint: Wenn ich auf die Wies'n gehe, muss ich damit rechnen von betrunkenen Asozialen verprügelt zu werden und bin ja selbst schuld? Man hätte sich ja vorher besser über den Z
Wenn sich das Duisburger Ordnungsamt vor der Gestattung einmal rein rechnerisch die Anzahl der Menschen pro Quadratmeter Fläche veranschaulicht hätte, wäre es niemals zu dieser Katastrophe gekommen. Der ablehnende Bescheid ist ausgeblieben...
Ein entsprechender Vorverkauf mit hohem Eintrittspreis von Seiten des Veranstalters hätte den Kreis der Teilnehmer bewußt reduzieren können. Aber hier wurde das Prinzip minimaler Einsatz - maximaler Ertrag verfolgt. Auch Sicherheit durfte nichts kosten. Der Preis waren bis heute 21 Tote...
"Der Katastrophe von Duisburg folgt also eine Art Entschuldungs- und Abwiegelei-Katastrophe der daran Beteiligten. Nun muss man nicht unbedingt erwarten, dass diese sich öffentlich an die Brust klopfen und ihre Schuld bekennen. Aber sie könnten wenigstens den Mund halten und die Prüfung der Schuldfrage der dafür berufenen Institution überlassen - der Justiz."
muß man fragen dürfen,ob die Beteiligten nicht ihren Mund halten würden, wenn nicht die Leichenfledderer der Medien und der Presse dies zuließen.
Ihre Sparte ist es doch, die Stimmungen im Volk aufbaut und eine objektive Beurteilung eines Sachverhaltes durch Gerichte von Vornherein erschwert!!
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Paging