Gesine Lötzsch hat sich mit leiser Arbeit hervorgetan. Künftig soll sie mit Klaus Ernst die Linke führen - und die Partei zusammenhalten.
Gesine Lötzsch ist eine besonnene Frau. Eine Frau, die lieber zweimal nachdenkt, bevor sie redet. So beschreiben sie jedenfalls politische Weggefährten.
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Gesine Lötzsch (links) und Petra Pau waren zwischen 2002 und 2005 die einzigen Vertreter der PDS im Bundestag. (© Foto: dpa)
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Außerhalb ihrer Partei hat die Linken-Politikerin bislang auch wenig Aufmerksamkeit bekommen. Nur der Spitzname, den sie der FDP wegen der umstrittenen Spenden gegeben hat, macht derzeit Furore: "Mövenpick-Partei" hat sie die Liberalen genannt. Das ist ungewohnt originell für die Ostberlinerin, die sonst Reden hält, die manche als "hölzern" bezeichnen.
"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren"- das ist das Motto der Berlinerin. Unter "kämpfen" versteht die promovierte Germanistin aber offenbar etwas anderes als Bertolt Brecht - und viele ihrer Parteikollegen.
Während diese sich um ideologische Ausrichtungen, um Wessi oder Ossi, um persönliche Befindlichkeiten und die neue Parteiführung stritten, arbeitete die stellvertretende Fraktionsvorsitzende leise im Hintergrund. Zum Beispiel im Haushaltsausschuss des Bundestags.
Die Kollegen anderer Parteien sind dort zwar nicht unbedingt einer Meinung mit ihr, dennoch gilt Lötzsch bei ihnen als seriös und sachkundig. "Sie ist angenehm unprätentiös", sagt ein Politiker, der sie gut kennt. "Mit ihr kann man auch mal fünf Minuten zusammensitzen und schweigen."
Der offen ausgetragene Machtkampf um die Führungspositionen bei der Linken in den vergangenen Monaten hat Lötzsch nicht behagt. Nicht nur, weil sie sich gut mit Oskar Lafontaine versteht und ihm die Erfolge der Linken im Westen zuschreibt, sondern weil es nicht ihre Art ist, persönliche Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen.
Politischen Erfolg hat Gesine Lötzsch aber nicht erst jetzt. Noch als PDS-Mitglieder waren sie und Petra Pau die einzigen Vertreter ihrer Partei, die 2002 bis 2005 im Bundestag saßen.
Die PDS war an der Fünfprozenthürde gescheitert, die beiden Frauen kamen per Direktmandat ins Parlament. Während sie von den Fraktionen der übrigen Parteien überwiegend ignoriert wurden, durften sich die Damen drei Jahre lang gegenseitig Beifall klatschen.
Ihr Direktmandat verteidigte die verheiratete Mutter von zwei Kindern auch in den folgenden zwei Legislaturperioden, 2009 mit 47,5 Prozent der Erststimmen. Zu diesem Erfolg mag auch beigetragen haben, dass sie sich sehr um ihren Bezirk Berlin-Lichtenberg kümmert. Vor allem aber profitiert Lötzsch davon, dass in der einstigen SED-Hochburg noch viele Altkader leben. Die künftige Linken-Chefin war einst selbst SED-Mitglied.
Noch ist Gesine Lötzsch keine Führungsfigur. Doch an der Seite von Klaus Ernst wird es vor allem ihre Aufgabe sein, die heterogene Partei zusammenzuhalten. "Sie steht für eine gewisse Kultur. Da sie seit 1990 für die PDS arbeitet und viele Funktionen und Ämter ausgeübt hat, weiß sie mit Konflikten umzugehen", sagt Halina Wawzyniak, seit zwei Jahren Vizechefin der Linken. "Lötzsch ist für diese Situation die richtige Frau an der Spitze der Partei."
Außerdem soll Lötzsch den Osten und die Frauen repräsentieren. Letzteres dürfte ihr leichter fallen. Immerhin ist sie Mitglied einer Genossenschaft zur Förderung von Frauen mit dem Namen "Weiberwirtschaft". Schwieriger wird es für sie, die Ost-Fraktion bei der Stange zu halten. Ihre Nähe zu Oskar Lafontaine rechnen ihr nicht alle Mitglieder aus dem Osten als Pluspunkt an.
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(sueddeutsche.de/woja)
Bundespräsident Gauck
Der hier geschilderte Lebenslauf lässt nur Vermutungen zu, wie Frau Lötzsch die vielen Hürden in ihrem Lebenslauf gemeistert hat. Sie und eine Gruppierung, bei der die Zukunft des Landes und ihrer Bevölkerung auf der Tagesordnung steht, brauchen Moderatorinnen und keine Proleten. Über die mühevolle Kleinarbeit, die der Zusammenschluss solch heterogener Strömungen gefordert hat, erfahren wir wenig.
Es bleibt zu wünschen, dass die ehrlichen Streiter für bessere Wege, sich gegen die Schlagzeilenverwöhnten durchsetzen. Das entscheidet die Mitgliedschaft und nicht die SZ-Redaktion, die eher den Eindruck eines Zaungastes erweckt, der durch die Lücke etwas interessantes entdeckt hat und dann lautstark nach Aufmerksamkeit schreit. Ein Beobachters, der sich die Mühe macht, erst überall hinzuschauen, bevor der Zeigefinger fuchtelt, wird da Essentielleres zur Aufklärung beitragen können als Anekdoten, mit denen man sich unterhält, wenn man zu müde geworden ist zum Nachdenken.
Der Fall Eppelmann ist wohl so gelagert, soweit ich das einschätzen kann, dass er über die Politik Vergangenheits- und Geschichtsbewältigung betreiben wollte.
Pfarrer, die sich als berufen betrachten, das Evangelium zu verkünden und seelsorgerisch zu arbeiten, würden eben nur in Ausnahmefällen in die Politik einsteigen oder eine sonstige Karriere machen - vielleicht noch als Autoren!
Ich war mal lange für einen sehr arbeitsintensiven Forschungsmanager tätig - kein Vergleich zu den "normalen" Wissenschaftlern, die meist in ihrer eigenen Welt leben und doch auch sehr verspielt sind!
Wer seinen Beruf als Berufung betrachtet, landet selten in höheren Ämtern und schon gar nicht in der Politik, wobei letzteres auf Verrat an der Berufung anzusehen ist(beredtes Beispiel ist für mich der Ex-Pfarrer Eppelmann).
@pira26: Sind sie nun generell auf der Seite der Frauen oder nur auf seiten derer, die in der richtigen Partei sind?
Sie haben recht, dass das Alter keine Rolle spielt: Seehofer wird niemals klug und weise sein!
Übrigens gibt es nicht nur gute und schlechte Politiker, es gibt auch mittelmäßige - aber Ihre Aussage passt natürlich zu Ihren total polarisierenden Meinungen und Einstellungen.
Noch eine Bemerkung zu jungen Menschen: ich kenne sehr, sehr viele junge Physiker, die bereits herausragende Forschungsleistungen erbracht haben, oft bereits ausgezeichnet wurden z.B. mit der Otto-Hahn-Medaille - kaum einer von Ihnen wird jedoch z.B. ins Forschungsmanagement einsteigen. Ich kenne junge PfarrerInnen/TheologenInnen, deren Beruf ihre Berufung ist - es ist aber fraglich, ob Sie jemals höhere Posten in der EKD erreichen werden.
Junge Minister, die ja nun eine enorme Verantwortung übernehmen für Deutschland und seine Menschen, sie zumindest übernehmen sollten, die auf irgendwelchen Wegen in ihre Positionen kam, ohne bis dato einen Beweis erbracht zu haben für ihr Wissen und Ihre Kenntnisse das entsprechende Ressort betreffend, geschweige denn politisch versiert sind, dabei denke ich auch an Rösler, verdienen nicht meinen Respekt!
So manches Beinchen gehoben - aber Blase leer.
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