Libyen-Krieg Waffen aus dem Westen

Der Krieg in Libyen zieht sich hin, deshalb sollen jetzt die Aufständischen mit Waffen ausgerüstet werden. Aber wenn Gaddafi schnell besiegt werden soll, dann muss der Westen den Rebellen vertrauen und weiter Flugzeuge einsetzen.

Ein Kommentar von Tomas Avenarius

Waffenlieferungen an Rebellen sind eine gefährliche Sache: Ist der Krieg vorbei, setzen die vormals Aufständischen Gewehre und Granatwerfer gerne auch gegen die neue Regierung oder die Rüstungslieferanten ein. Afghanistan ist dafür ein Beispiel: Die Gotteskrieger wurden vom Westen bewaffnet, um die Sowjets zu bekämpfen. Als die Rote Armee abgezogen war, nannten sich die Gotteskrieger Taliban, führten Bürgerkrieg und schossen auf ihre früheren Gönner.

Ähnliches könnte in Libyen geschehen. Der Krieg zieht sich hin. Amerikaner und Europäer sind ratlos. Das Weiße Haus zögert, sich stärker in den nordafrikanischen Bürgerkrieg einzumischen. Die Europäer sind uneinig. Die Franzosen möchten weiter bomben, aber die Nato-Führer und andere wollen die Kampfjets nur starten lassen, wenn Zivilisten bedroht sind. Weil die Westmächte kein Konzept haben - die Araber spielen in der Libyen-Koalition lediglich eine Pro-Forma-Rolle - sollen die Aufständischen nun Gewehre und Panzerabwehrraketen bekommen.

Mit Waffen allein stürzt man aber keinen Diktator: Die Rebellen müssen militärisch ausgebildet werden. Das verlängert den Krieg. Wenn der Westen rasch ein Libyen ohne den Diktator Gaddafi sehen will, muss er den Aufständischen trotz ihrer schwer durchschaubaren Zusammensetzung vertrauen und seine Flugzeuge einsetzen. Wenn nicht, wird dieser Krieg lange dauern.

Und dann werden auch die zum Zug kommen, vor denen man sich fürchtet: al-Qaida und Konsorten. Also bleibt nur, sich auf die Aufständischen zu verlassen, solange sie nach Freiheit und Verfassung rufen und nicht denen hinterherlaufen, die ihnen den Gottesstaat versprechen.